Spring Breakers

Früher hieß so etwas „Eis am Stiel“ oder „Unterm Dirndl wird gejodelt“. Aber heute ist nicht früher und Amerika ist weder Deutschland noch Bayern. Es gibt in diesem Film zwar Schleck-Eis am Stiel was möchte-gern-antörnend gelutscht wird von schönheitskorrigierten, weiblichen Schmollmündchen und statt dem Dirndl gibt es ausgiebige Bikini-Shows und da wir in Amerika sind und es noch nicht genügend Amokläufe gegeben hat, muss auch noch tüchtig rumgeballert werden.

Der Film scheint mir fast mehr ein Fotoshooting für Bikinis mit gesichtskorrigierten Models – und hält sich auch noch für ganz doll dafür. Aufgehängt an der dünnen Leine einer Geschichte.

Vier Mädels sind ihr Leben am College und die ganzen Feten und Drogen und Alkohol und Rauchen satt. Sie möchten in den Frühlingsferien (springbreak) dorthin, wo das Leben tobt, ans Meer. Mit einem Bus. In dem geht schon die Post ab. Um das zu finanzieren haben sie mit wedelnden Hintern und schwarzen Masken überm Kopf einen Überfall gemacht.

Jugendrausch, das scheint das Thema. Zelebrieren von Jugendekstase. Immer die Sünde im Kopf, die Versuchung. Davor will die Religion mahnen. Je mehr sie mahnt, umso mehr treibt es die Mädels. Sie platzen schier unter ihren Bikinis, sind immer am Wippen. Die Kamera ergötzt sich.

Bis sie am Urlaubsort in schlechte Gesellschaft geraten. Das Geld und der Life-Style eines Drogendealers hat es ihnen angetan. Der Film versucht zusehends eine Ästhetik des Anrüchigen zu befriedigen. Versucht selbst den Drogenrausch zu simulieren. Wie schön Frauen in Bikinis im Gefängnis wirken können. Oder auf einem Bett mit lauter Dollarnoten.

Um diese Kunstästhetik noch eine Ebene höher zu schrauben, sprechen die Darsteller oft wie Rapper oder Hip-Hopper, sprechen Monologe über das sündige Leben. Vor allem der Gangster hat einen poetischen Drive, wird zum Hip-Hop-Poeten, wenn sein Blick über die Bikini-Hintern schweift. Das kann er kaum glauben, was er da sieht. Die kommen ihm vor wie Meerjungfrauen, die aus dem Meer aufgetaucht sind. Er und seine Kumpels sehen um die Zähne herum aus wie Vampire, die ganzen Zähne sind mit Metall verschalt.

Ein Tapetenfilm. Man könnte ihn statt einer Tapete oder Wandverkleidung in einem Animierlokal, einer Disco, einer Bar auf die nackte Wand projizieren. Hintergrundfilm. Er kann im Hintergrund laufen, während das brünstige Jungvolk sich unterhält und anbandelt. Stellenweise fast ein Gangster-Aquarell-Film. Einschläge ins Psychodelische. Das eine Mädel telefoniert am Schluss mit der Mutter, erzählt von ihrer tollen Erfahrung und dass sie hier auf Menschen gestossen sei, die ihre Interessen teilen. Mutter versteht aus diesem mehrdeutigen Text selbstverständlich ihre eigene, ordentliche Version, während die der Tochter uns an der verruchten Variante hat teilhaben lässt.

Ein gehobeneres Sexfilmchen aus den 2012ern mit Verruchtheitspoesie-Ambition für Bikinifreunde und Schmollmundästheten. Denn Schönheit und Reinheit der Jugend müssen über kurz oder lang versaut werden – da führt kein Weg dran vorbei.

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