Deadshadows (DVD)

Paris verliert ganz schön sein Gesicht in diesem, ja, direkt charmant zu nennenden, sinnlichen Comig-of-Age-Kometen-Horror-Movie aus Frankreich.

Fabian Wolfrom spielt Chris. Der war schon als Junge sensibel, genauer: hypersensibel, konnte nicht gut schlafen, besonders wenn ein Komet zu erwarten war. Wie er ein junger Mann geworden ist, zehn Jahre nach der Eingangssequenz des hier zu beschreibenden Filmes, da wirkt er hellwach, sensibel, unverbraucht, intelligent, künstlerisch offen für die Welt und ihre Phänomene.

Chris wohnt in einer Wohnung einer oberen Hochhausetage. Er betreibt eine Art Radioberatung. Und wieder wird ein Komet erwartet. Paris steht sozusagen unter Strom. Aber auch Chris steht unterm Strom der Adoleszenz und von Albträumen auch phallischer Natur. Dazu wird ihm seine von ihm neugierig beobachtete Umgebung bald noch extremere Gelegenheit geben.

Zu erwähnen auch, dass er Tabletten nehmen muss wegen seiner überreizten Phantasie und den Angstträumen. Er beobachtet durch den Türspion, wie eine Nachbarin ihren Freund ganz unzimperlich vor die Tür setzt. Der wagt jedenfalls nicht einen Mucks zu machen und trollt sich von dannen. Chris fühlt sich magisch angezogen von solchen Vorgängen. Er lernte diese Nachbarin, Claire, kennen, weil sie die Tür einen Spalt offen gelassen hat. Sie bezeichnet ihn als Einbrecher, wie er in die dermaßen einladend offen gelassene Wohnung eindringt.

Durch Claire wird Chris in Ereignisse hineingezogen, für welche die Macher dieses Filmes, Vincent Julé als Autor und David Cholewa als Regisseur, ganz tief in die Kiste möglicher Alptraumbilder von Entjungferung, dem anderen Geschlecht, der Mannwerdung greifen und diese sensibel und spannend aneinanderreihen. Der Sog der Ereignisse ist magisch und Chris gerät immer weiter hinein in eine Nacht, die viele Bilder und Vorgänge bereit hält, die eine FSK-Freigabe ab 18 zu rechtfertigen scheinen.

Claire lädt Chris auf eine apokalyptische Party ein. Er taucht auch dort auf. Das scheint erst eine ganz normale Kostümparty. Aufgedrehte Jugend, rhythmisch zur Musik tanzend, rauchend, trinkend, maskiert, kostümiert. Einzig eine merkwürdige Figur ist darunter, viel älter, deutlich deformiert gegenüber der goldenen und auch attraktiv sein wollenden und müssenden Jugend, die für die Paarung bereit ist.

Der Mann verschwindet mit Claire in einem Zimmer und Chris wird Zeuge von bestimmten Vorgängen, mehr als mythisch. Es wird ihm schon übel. Auf seinem Bauch zeigt sich ein breiter dunkler Flecken. Die Spannung, die in der Luft liegt, vibriert. Es ist klar, es werden noch ungeheuerlichere Dinge passieren, so dass Chris am nächsten Morgen und auch Paris nicht mehr dieselben sein werden, wie am Vorabend des Kometen.

Ein kurzer Horrorfilm von 76 Minuten, die wie ein Kurzfilm zu vergehen scheinen, die Freude an so smart und französisch gemachtem Horror gut bedienend. Wobei die Würze und Hauptwirkung an der Sache sicher die Besetzung der Hauptrolle mit dem natürlich und wach und aufgeweckt wirkenden Fabian Wolfrom als einer Figur ist, für die es an der Zeit ist, diese Dinge zu erleben.

Ein Hinweis: das Spiel „les morts aux trousses“ (?).
Bist du bereit für die Opfergabe?

Für Chris ist die Party eine übermenschliche Anstrengung. Und auch die Gangster durch den Spion, die wie aus einem Film Noir durchs Treppenhaus vordringen.
Die Frage, ob Chris Eier in den Hosen hat. Die ist sehr deutlich. Er muss töten, um das zu beweisen.
Die barbusige Spinnenfrau.
Heftig bebilderte Desillusionierung der heilen Kindheitswelt.
Fazit: Wir können leider nichts mehr machen für ihn.
Und Claire kümmert sich jetzt um einen jungen, (reinen), Buben.
Verlust der Reinheit. Grausam. Grausam schön.

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