Jack and the Giants

Rumpelkammerkino. Dagegen helfen weder 3D noch Computeranimationsgigantismus, der ständig die Grenze zur Glaubwürdigkeit überschreitet.

Trotzdem können spannende Szenen passieren, wenn die Riesen jenseits des Burggrabens und die Verteidiger im Burghof von Cloister wie beim Seilziehen um die Zugbrücke kämpfen; wobei das Spannende daran der Seilzieheffekt und nicht die Cumputeranimation der Riesen ist. Die sehen gezielt ekelhaft scheusslich aus, deformiert, der Anführer mit zwei Köpfen, was aber von der Inszenierung von Bryan Singer, ihm lag ein Drehbuch von Darren Lemke und Christopher McQuarrie vor, nur mäßig ergiebig genutzt wurde. Eher halloweenbelustigungshaft.

Der Kern des Märchens wäre bedenkenswert. Dass die Sage lebt, die Legende lebt. Diese erzählt von Riesen, die die Menschen einst bedroht haben. Ein Kern dieser Bedrohung, eine Möglichkeit zur Wiederbelebung ist immer latent vorhanden. Das deutet schon der Vater von Jack an, wie er dem Jungen vor dem Zubettgehen diese Legende erzählt.

Jack und sein Vater leben außerhalb der gigantischen Burganlage. Ein ärmliches Bauerngehöft. Wie Jack groß ist, soll er für den Vater einen Wagen mit Pferd in die Stadt fahren, den Wagen verkaufen, damit die beiden etwas zum Leben haben. Gleichzeitig hat sich ein Dieb in einer vergessenen Kammer der Burg an Aufbewahrtem zu schaffen gemacht, das mit der Legende in Verbindung steht. Der Diebstahl fliegt auf, die Stadttore werden geschlossen. Der falsche Mönch mit falscher Tonsur wird gesucht. Eben hat Jack die Königstochter, ohne zu wissen, dass sie es ist, aus den Händen von Rüpeln befreit.

Denn irgendwie muss wenigstens die Andeutung einer Geschichte initiiert werden. Abzusehen ist, dass die beiden für einander geschaffen sind. Nicht abzusehen ist, wie es so weit kommen soll und was für herkulische Taten unser Jack dafür leisten muss, wobei er diese vorgeblich nur aus humanitären Gründen tut, denn wenn eine Köngistochter in Gefahr ist, muss ihr geholfen werden. Aber Jack ist so edel, so lupenrein edel in der hässlichen Welt dieses Märchens, dass er das auch für jeden anderen hilfsbedürftigen Menschen getan hätte.

Der falsche Mönch bittet nun Jack in seiner Bedrängnis um das Pferd, verspricht ihm Geld. Jack braucht aber keine Versprechungen, er braucht Bares, und das gleich. So erhält Jack statt des Geldes eine Handvoll Bohnen, die nicht mit Wasser in Berührung kommen dürfen. Was sie zu gegebener Zeit prompt tun werden. Damit wachsen nämlich Bäume ein Vielfaches höher als der Turm zu Babel dank Animationsgigantismus in den Himmel. Die Prinzessin obenauf. Die muss nun gerettet werden von einem Kletterkommando. Jack, der unter Höhenangst leidet, dabei. Die Verbindung zum Reich der Legende, der primitiven und hässlichen, menschenfleischfressenden Riesen ist mit diesen Bäumen hergestellt. Das hat von der Story her alles seine märchenhafte Folgerichtigkeit.

Aber von der Inszenierung her wurde wenig wert auf die Charakterisierung der Figuren gelegt, auch viele Details vernachlässigt. Wie viele Kletterer sich auf den Weg machen. Dass Träger mit Proviant dabei sind. Unwesentlich. Oder erst im Moment, wo sie abstürzen. Hollywood scheint hier der Gigantomanie um ihrer selbst willen erlegen zu sein und zeigt Verachtung für die Vorgänge zwischen den Figuren, die höchst reduziert, schauspielerisch á la Rumpelkammer vorgetragen werden.

Momentweise fällt einem in den Szenen mit den Riesen die Geschichte von Gulliver ein, damit wird aber auch deutlich, wie viel mehr Charme diese hat, auf wie großklotzigem, lieblosem Fuß hier angerichtet worden ist, wie viel hier vor allem der Ungeheuer-Hokuspokus mit gelegentlich möchtegern-originellen Tricks und Gags bedient worden ist.

Dadurch bleibt die Geschichte vom Verrat, die auch eingebaut ist, unerheblich. Der Animationsspektakel-Aspekt im Vordergrund. Das spannende und folgerichtige Erzählen der Geschichte hat offenbar wenig interessiert, wurde vernachlässigt. Deshalb: Rumpelkammerkino. Das dramaturgische Problem der herkulischen Tat von Jack scheint zu sein, dass sein Bedürfnis dazu, der Zwang oder was er damit erreichen könne, nicht genügend fundiert worden ist. So scheint er eher ein Samariter, ein uneigennütziger Helfer. In anderen Märchen müssen die Helden Taten vollbringen, zum Beispiel in König Drosselbart, damit sie die Königstochter bekommen. Hier wirkt dieses eher wie ein zufälliger Nebeneffekt.

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