Planwirtschaftlich sanktionierter Hofnarrenhumor, der von sich überzeugt ist, Hochkultur zu sein. Und das Feuilleton wird ihn darin mit Kniefall bestätigen.

Dieser Film berichtet von einer guten Stimmung an einem Filmset, von einer Art Familienstimmung. Leider ist gute Stimmung am Set nicht identisch mit Witzigkeit und Esprit im Film.

Leander Haußmann, der mit Sven Regener für Buch und Regie verantwortlich ist (die beiden großen Buben zeichnen auch, groß am prominenter Stelle im Anspann erwähnt, für die Gitarren- und Mundharmonika-Musik, die irgendwann nur noch nervt), dürfte mit diesem Film zwar zu seinem künstlerischen Familiengefühl zurückgefunden haben, was seinen ersten Film noch auszeichnete, aber damit wird nur deutlich, wie wenig das ausreicht, um einen Film von Belang zu machen.

Das Familiengefühl, das bedeutet leider auch: ungezügelte Kindereien und Blödeleien bis zur Infantilität, maßlos wenig durchdringender Geist und viel läppische Einfalt, die sich an wenig originellen Kabbeleien und Figurzeichnungen ergötzt. Das gibt dem Film zwar einen persönlichen Touch, macht ihn aber darüber hinaus voll entbehrlich, ist wenig aussagekräftig und der gesellschaftliche Relevanzfaktor dürfte sich im niedrigen einstelligen Promillebereich finden. Bestenfalls auf der Penne zum Sich-Kaputtlachen, wenn es denn die Mitschüler wären, die sich so theatral und filmdilettantisch versucht hätten. Oder für Verwandte, Bekannte und Geschäftsfreunde, für politischer Förderer und Unterstützer.

Pennälerhaftes Hornochsenniveau. 50er-Jahre-Käseglocken-Humor heutzutage der Humor, der offenbar in einer Planwirtschaft wie derjenigen, die den Film in Deutschland beherrscht, möglich, wünschenswert und akzeptabel ist.

Die Stärke von Leander Haußmann in diesem Film ist, dass er das macht, was ihm gefällt, ohne Rücksicht auf Publikum, Applaus, TV-Pfründen oder Filmförderung; die abgrundtiefe Schwäche dieses Filmes ist leider genau dasselbe, dass nämlich das, was Leander Haußmann gefällt, meist kindisch und läppisch ist und nicht im Ansatz noch die Frische wenigstens schülerhaften Humors hat, so dass ich mich wundere, dass der X Verleih sich nicht geniert, dieses „Werk“ auch noch ins Kino zu bringen.

Zu den Stärken gehören auch, dass es ein Ensemble-Film ist, ein Cliquen-Film, Berliner-Cliquen-Film; aber auch diese Stärke ist gleichzeitig eine erbärmliche Schwäche, nämlich der Eindruck, da sei einiges, was am Stammtisch für lustig befunden worden sei, ungefiltert und auch nicht überarbeitet und ohne jeden Formwillen gleich ins Szenen umgesetzt worden – zum Vergnügen der Clique und zum Missbehagen des Zuschauers.

Zu den akzeptableren Dingen gehört sicher die dramaturgische Grundidee: am Müggelsee wird ein Hai vermutet. Dieser Verdacht bringt nun die kleine bourgeoise Seeanliegergemeinde Friedrichshagen gehörig durcheinander; könnte auch das dramaturgische Grundmuster eines Bauerntheaterstückes sein oder in entfernter Ähnlichkeit eine Demaskierung provinzieller Gesellschaft bewirkend wie ihn Kotzebue in seinen deutschen Kleinstädtern versucht hatte.

Der Mikrokosmos einer solchen Gemeinde besteht aus Bademeister, Bürgermeister, Polizist, Fischexperte, PR-Dame, reichem Mann (eine Figur, die mit dieser Charakterisierung bereits so reduziert ist, wie die Figuren in Calderons Welttheater) und einem Rückkehrer aus Hawai, dessen Sehnsuchtsort ein exakt so ruhiger und haifischloser See wie der Müggelsee ist. Aus einem solchen Grundgerüst wäre durchaus spannendes Kino zu machen, was ein Schlaglicht auf so ein Gemeinwesen wirft und auch aktuelle Probleme wie Tourismus, Sensationsreporterei, Vertuschen einer Gefahr wie dieses Haies und dabei einzelne Figuren gründlich durchleuchtet, das Zusammenspiel von Figurinteresse und Allgemeininteresse. So weit will aber der Film nicht gehen. Solches haben ja andere schon gründlich gemacht. Man kann nicht an Lubitsch und Wilder anschließen oder gar drüber hinaus gehen. Also lassen wir es lieber und haben unseren, wie wir finden: saukomischen Spaß dabei.

Die Eingangsphase des Filmes dürfte durchaus auch noch unter der Stärke subsumiert werden. Wie der Bademeister seinen rechten Unterarm verliert, er marschiert ins Wasser, hält den rechten Arm ins Wasser, zieht ihn in keinem günstigen Timing wieder raus, jetzt ist die Hand weg und aus dem Unterarm spritzt Blut, aber keine Schmerzensäußerung des Bademeisters, ganz lakonisch bringen die Filmemacher lediglich diese Information, das könnte fast von Achterbusch sein, mit dem verbindet diese Filmemacher auch, dass sie sich nicht für Perfektionismus und Straffung interessieren.

Subsumieren wir diesen Punkt noch unter den Stärken, wie denn sowieso die initialen Szenen den Eindruck erweckt haben, man wolle hier ein Berliner Movie machen mit Berliner Schnauze. So viel zum sympathischen Anteil. In diesem kann es passieren, dass durchaus gelungene Szenen entstehen, zum Beispiel die Szene zwischen dem Polizisten Müller im Boot und der Frau Schneider mit der tiefen, männlichen Stimme im Wasser. Die Gemeinde will vorerst den Verdacht, dass ein Ungeheuer im See sei, was Hände abbeißt, vertuschen und die Leute davon abhalten, dass sie ins Wasser gehen. Nur Frau Schneider ist denen irgendwie durchs Netz geschwommen und je mehr der Polizist sie ermuntern will, wieder an Land zu gehen, desto trotziger gefällt ihr die Schwimmerei im ansonsten leeren See. Schönes Beispiel von Trotzbürgerverhalten.

Wobei viele Szenen, auch wenn sie schwachsinnigen Inhaltes sind, oft noch gut inszeniert sind, denn Haußmann kommt sein langjähriges Theaterhandwerk zugute. Aber was nützt mir ein Film mit zwei drei brillanten Szenen, wenn drum herum nur Schwachsinn schwappt wie Plastikmüll in einer Meeresbucht.

Oft einfältige Stammtischlustigkeit oder wie früher vielleicht Jugendliche versucht haben, sich in Sketchen am Familienabend der Jugendgruppe über Verwaltungsakte lustig zu machen, Formulare für alle Lebenslagen. Das ist für einen Film, der laut IMDb geschätzte 2,8 Millionen Euro gekostet haben soll und der auch noch gefördert worden ist von Medienboard Berlin-Brandenburg, dem Deutschen Filmförderfonds, der Filmförderungsanstalt und BKM, schlicht zu wenig. Vielleicht ist es auch ein symptomatischer Ausdruck für die Behinderungen einer Filmkultur, die dem planwirtschaftlichen Denken des Funktionärstums eines öffentlichen Rundfunks und staatlicher Filmförderinstitute Genüge tun soll.

Auch wenn der Film immerhin nicht den Eindruck eines hässlichen Drehplan-Einhalteproduktes erweckt, so sind Szenen, wie die beim Landungssteg, wo ein Boot nach dem anderen dazukommt, und jeder Neuankömmling über die vorhandenen Boote sich zu den Leuten auf dem Steg hinüber balancieren muss, lediglich skizziert, erzählend, Haußmann und Renger würden gerne so ein Kino machen, aber offenbar können sie es nicht. Die beiden berichten vielleicht in vielen Momenten von ihren Kinosehnsüchten, zum Beispiel Casablanca neu aufgelegt in Farbe und 3 D. Das sind aber wohl zwei Dinge, ein Kino machen, was den Zuschauer direkt etwas über unsere Welt erzählt oder ein Kino zu machen mit der eigenen Clique, die erzählt, was man gerne für ein Kino machen würde; wenn man denn könnte. Die zu erwartende Akklamation von Seiten der Funktionäre dürfte als Beleg dafür gewertet werden, dass es hierzulande gar nicht erwünscht ist, ein verbindliches, „schlag“kräftiges, eigenständiges wie kommerziell ertragreiches Kino zu machen. Das Haußmann-Renger-Kino erzählt uns direkt ins Gesicht, dass sie so etwas gar nicht erst versuchen wollen. Es bleibt ein Bettler-Kino, das einen Obulus für sein angedeutetes Eigenbrötlertum einfordert. Wir sind originell und dafür müsst Ihr uns mögen.

Koproduzenten-Problem. Die halbe Mannschaft tritt in diesem Film auch als Produzenten, Koproduzenten oder assoziierte Produzenten auf. Das dürfte bedeuten, dass sie ihre Gage haben anschreiben lassen und hoffen, diese dank sprudelnder Einnahmen auch vergegenständlichen zu können. Das zeigt, dass sie doch sehr optimistisch an ihr Produkt glauben. Und wofür sie noch Lehrgeld zahlen dürften.

Filmuninteressant, dass am Ende der Szene mit der Pressekonferenz alle gemeinsam ein Lied singen; das könnte in einem Marthaler-Theater-Projekt funktionieren; hier im Film ist es nur schlecht gemacht und langweilig; oder peinlich wie die beiden Frauen auf dem Podium sich bekriegen, wie die eine die Augen verdreht, während die andere redet. Das mag als Bühnenwitz funktionieren; im Film ist es nur abstoßend. Oder der bemühte Running Gag beim Griechen. Deutscher, der den Klischeegriechen gibt, das mag am Stammtisch erheitern, hier kommt es bemüht rüber.

In manchen Moment kommt es mir vor, als albere Leander Haußmann wie ein Kind auf dem Dachboden mit seinem Kasperletheater rum. Und ich frage mich, warum er überhaupt Filme macht. Einfach weil es lustig ist, mit der eigenen Clique was zu unternehmen und dafür auch noch staatliches Geld zu kassieren? Und wenn die Zuschauer blöd genug sind, dann blechen die auch noch.

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