Barden aus verschiedenen Weltregionen erzählen uns in diesem dreiteiligen Film des Holländers Sander Francken voll weiser Distanz und Zugeneigtheit zu den Menschen je eine Geschichte aus ihrem Land, jeweils eine bestimmte menschliche Eigenschaft unter die Lupe und humorvoll auf die Schippe nehmend.
Der erste Song, der von einer ganzen Bardengruppe mit Zupfinstrumenten vorgetragen wird, handelt von einem Plastiksammler, Sahir, und seinem Sohn in Rajasthan in Indien. Die Musikgruppe sitzt in einem steppenhaften Niemandsland. Sahir und sein Sohn stecken mit ihrer Karre, die von einem Kamel gezogen wird, im Verkehrsstau. Statt sich aufzuregen wie alle anderen, kauft Sahir einem vorübergehenden Bauern etwas Grünzeugs ab, wirft es der Kuh, die den Weg blockiert, seitlich hin, so dass diese sich aus der Straßenmitte hinaus bewegt. Es bringt nichts, sich übers Schicksal aufzuregen. Wer weiß, was ein Unglück für ein Glück zur Folge haben kann.
Sahir läuft sein Kamel davon. Alle bedauern, belächeln ihn. Er bleibt cool und sagt, wer weiß, wozu dieses Unglück gut ist. Einige Zeit später steht das Kamel mit einem Weibchen wieder vor der Tür. Wie der Sohn von Sahir, den wir auch Sahir nennen, dieses Weibchen vor den Karren spannen will, schlägt es aus und Sahirs Beine sind gebrochen. Wer weiß, wozu dieses Unglück gut ist. Hm? Bald bricht der Krieg aus…
Die nächste Bardenstation liegt in Mali, inzwischen ein Brennpunkt der Welt-Antiterror-Politik, der Angst der Welt vor Terrornestern, das Gespenst eines neuen Afghanistans. Hier soll der Schuljunge Buba für den Lehrer, den Marabu der Koranschule, herausfinden, was das wichtigste Wissen für einen Menschen sei. Immer wieder läuft er in die Stadt, fragt einen Schmied, einen Maurer, einen Fischer, ja sogar weiße Touristen – nie ist der Lehrer mit der Antwort zufrieden, immer hören sich die Erklärungen egomanisch und eingebildet an. Bis Buba von sich aus plötzlich eine sokratische Weisheit formuliert. Ein Mädchen hat das möglicherweise mit einem Kuss mit ausgelöst.
Der dritte und letzte Teil spielt in den Bergen von Ladakh. Hier singt uns ein hochgreiser Sänger zu einem Zupfinstrument die Geschichte von Sonam. Seine Kuh hat gekalbt. Das Kalb nennt er Dzo. Der Gemeindeälteste meint, er solle das Kalb in der Stadt verkaufen und dafür ein Handy erstehen. Dem Rat gemäß zieht Sonam alsbald mit dem Kalb und seiner Tochter Padma los. Da meint einer, wenn das Kalb gehen müsse, dann sei es bis zur Stadt abgemagert und würde wenig Ertrag bringen. Also tragen Sonam und seine Tochter das Kalb durchs Gebirge. Bis zum nächsten Ratschlag und zum nächsten. Immer befolgt Sonam die Ratschläge auch von wildfremden Menschen. Immer kann das so nicht weiter und auch nicht gut gehen und er wird auch noch was lernen.
Sander Francken erzählt diese lakonischen Geschichten in traumhaft schönen Bildern, wobei der Wechsel zwischen Barden und gespielten Geschichten fugenlos verläuft. Mit dem harmonischen Cast hat Francken ausgezeichnet gearbeitet; denn für ihn steht die Geschichte im Mittelpunkt, Geschichten mit Musik und Gesang; und so einfach und klar erzählt, dass sie auch für ein jüngeres Publikum durchaus geeignet sein dürften. Der junge Mensch kann nicht früh genug etwas über Weisheit erfahren. Und der Erwachsene hat auch nicht so schnell ausgelernt.
Geschichten gegen den absoluten Glauben an Karriere und Kapital, an Beherrschbarkeit des Schicksals, aber auch gegen triviales Abhängigkeitsverhalten mit stupend-schnurrender Leichtigkeit in melancholisch-schöner Stimmung vorgetragen.