Shootout – Keine Gnade

Walter Hill, selbst ein Senior – aber oho! -, präsentiert einen Action-Film vom Feinsten mit Senior Sylvester Stallone mit einem merkwürdig in die Breite gezogenen Gesicht, vielleicht ist die Leinwand schuld.

Für Kenner und Genießer des Genres und seiner Feinheiten in den Grobheiten und Härten ein schnell vorbeigehendes Vergnügen. Logisch, dass ein Action-Film mit einem Senior gewisser Aufbrezelung bedarf. Aber Regisseur Walter Hill, der hier ein Buch von Alessandro Camon nach einem Roman von Alexis Nolan verfilmt, montiert meisterhaft um den doch etwas schwerer als früher gehenden Leinwandhelden Stallone herum die Story mit kleinen Wisch- und Swap-Zwischeneffekten, mit ausgezeichneter Personenführung mit einem Stallone ideal ergänzenden Cast die Geschichte, die eine Killergeschichte ist.

Stallone ist ein Killer und nichts als ein Killer. Er vertraut niemandem. Er hat kein soziales Netz, keine Liebesbeziehungen. Bei seinem letzt Gig, den er mit einem Kollegen ausführen wollte, ist er reingelegt worden. Der Kollege hat nicht überlebt. Jetzt will Stallone den Auftraggeber, der ihn reingelegt hat, ausfindig machen. Er soll die Quittung für dieses unmoralische Verhalten einem Killer gegenüber bekommen.

Als Besonderheit gesellt der Romanautor dem Killer noch einen Cop bei, der selbst im Zusammenhang mit diesem Fall verletzt worden ist und den Stallone entgegen seinen Prinzipien in einer brenzligen Situation gerettet hat. Da dieser Cop außerdem bei der Polizei von New Orleans nicht benötigt wird für diesen Fall, respektive, weil die Polizei ja selbst in das korrupte Netz, dem Stallone und der Cop jetzt auf der Spur sind, eingeflochten ist, da also der Cop jetzt verletzt und bei der Polizei draußen ist, er aber den Fall auch nicht auf sich beruhen lassen will, ergibt sich ein widersprüchliches, auf einander angewiesenes Team wider Willen mit dem gleichen Ziel. Das schildert Hill brillant.

Der Einzelgänger und Eigenbrötler Stallone hat jedoch eine menschliche Schwachstelle. Das ist seine erwachsene Tochter, eine bildhübsche Frau, die ein Tattoo-Studio betreibt. Dass Stallone bei diesem letzten Auftrag eine Frau, die sich im Badezimmer des Opfers befand, nicht erschossen hat, was zu Zeugenaussagen führte, das hat durchaus etwas mit dieser menschlichen Schwachstelle zu tun, die zum unkalkulierbaren Risiko wird.

Just solche menschlichen Schwachstellen, solche Achillesfersen, die Helden interessant und eben angreifbar machen, sind es, die einen solchen Killerfilm spannend und intelligent unterhaltsam gestalten können. Zum leichtem Genuss der an sich harten Bandagen, und wenn ein Senior der Killer ist, dann muss mit umso härteren Story- und cineastischen Mitteln gekämpft werden als Ausgleich, dass das alles so erträglich ja, faszinierend anzuschauen ist, das ist durchaus auch dem geschickten Mix an Musik zu verdanken, der der Angelegenheit genau jenen Bierernst nimmt, der die Kost schwer verdaulich machen könnte und immer wieder Distanz zur Härte verschafft, Brutalität so eher als eine Ausgeburt cineastischer Phantasie erscheinen lässt.

Ein typischer Satz des Obergangsters an seinen Kraftprotz von Aufräumer, der in einem Gespräch was sagen möchte „wenn ich Ihre Meinung hören möchte, dann kaufe ich Ihnen ein Gehirn“.

Und fast schon zum Lachen, wie die entschuldigende, Verständnis erwecken sollende Biographie des Killers dargeboten wird: er sei auf der Straße aufgewachsen.

Ein alter Meister wie Walter Hill, der prescht so einen Actionstreifen wie aus einem coolen Knieschuss auf die Leinwand. Einwandfreier Treffer.

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