Liebe und andere Turbulenzen

Eine schöne, ruhige, umsichtig, sehr umsichtig gemachte, so umsichtig gebaute und inszenierte Komödie, dass dabei schlicht vergessen worden ist, was den Pfiff einer richtigen Komödie ausmacht, nämlich die menschlichen Abgründe, die im auf den ersten Blick liebenswürdigen Menschen wirken und ihn in seiner Widersprüchlichkeit auflaufen lassen.

Vor uns haben wir eine deutsche Produktion, die vor allem in Paris spielt, die von einem amerikanischen Regisseur geschrieben und inszeniert worden ist, Jeremy Leven, und international besetzt ist. Paolo (Vincenzo Amato), ein lebenslustiger Italiener und recht nonchalant, ist Busfahrer in Paris. Er ist verliebt in Greta (Nora Tschirner), die als Stewardess bei der Fluglinie German Wings arbeitet und oft nach Paris fliegt. Hier trifft sie Paolo für heiße Liebesnächte.

Anfangs des Filmes ist es bald so weit, dass er ihr einen Verlobungsantrag macht, er meint es ernst, nicht leicht für einen leichten Italiener, er hat sogar einen Ring erspart und erstanden. Aber wie das Unterbewusste des Menschen so spielt, wenn er eine Sache, also die Hochzeit, haben könnte, wenn er einen Menschen haben könnte, so werden plötzlich andere Menschen interessant. Das ist alles gut gedacht vom Drehbuch her.

Just nach dem Antrag bei seiner nächsten Schicht mit dem gelben Doppeldecker von „L’open Tour“ hält vor einer Ampel neben ihm eine Radfahrerin. Sie lächeln sich zu. Er denkt nur noch an sie. Mehrere Male wiederholt sich dieses Spiel. Er will schon ihre Telefonnummer erfragen. Es ist Cécile (Louise Monot). Sie gibt sie aber nicht. So sieht er als einzigen Ausweg im Sinne seiner zügellosen Triebhaftigkeit, sie einfach anzufahren.

Vom Moment ab, wo sie im Spital liegt, kann er erst mal über sie verfügen. Denn er wird von ihren beiden Kindern gleich als der vermisste Vater identifiziert. Ab jetzt führt Paolo ein anstrengendes Doppelleben. Einerseits muss er Cécile und ihre Kinder versorgen, diese auch in die Schule bringen; andererseits soll er für seine Verlobte da sein, wenn sie in Paris ist.

Als Katalysatoren in diesem Versteckspiel gibt es noch Piloten von der Airline, zu denen die immer skeptischer werdende Greta einen freundschaftlichen Kontakt hat und auf der Seite von Paolo ist es Derek, ein leicht angeschwult gezeichneter Typ, was auch prompt einmal als Ausrede für die Unabkömmlichkeit von Paolo herhalten muss. Komplikationen, wie sie für eine Komödie leider allzu bekannt sind. Sie sind hier übersichtlich ausgebreitet und oft untermalt mit einer Musiksoße, die lange Fäden zieht.

Paris erscheint in einem nostalgischen Beige bis Gelb. Cécile ist Schauspielerin oder Model. Sie erleben wir einmal bei einem Werbeshooting, bei dem sie eine Seife nicht halten kann; die fliegt bei jedem Take dem Produzenten ins Gesicht, zwar ziemlich unglaubwürdig, aber lustig gedacht, wie überhaupt der Film bei aller Gemütlichkeit viel Charme und Sympathie zu erwecken vermag, obgleich diese Gemütlichkeit zielgerichtet für das bekanntlich nicht allzu junge, nicht allzu anspruchsvolle deutsch-öffentlich-rechtliche Fernsehpublikum gedacht zu sein scheint.

Die Liebe und Anhänglichkeit des Regisseurs und Autors zu seinem Projekt kommt gut rüber; obwohl leider die Zutaten Tempo und Witz, Charme und Keckheit, Tiefe und Boshaftigkeit in dieser Zuneigung verloren gegangen scheint oder vielleicht im Widerspruch zur deutlichen Konventionalität von nett sein sollenden Dialogen und Figuren auch gar nicht gepasst hätte.

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