Java Heat (DVD)

Das bezaubernde Setting der indonesischen Insel Java betört den Geist und das Hirn und benebelt die Sinne und den kritischen Geist.

Conor Allyn, der Regisseur und Drehbuchautor, präsentiert Agenten-Thrill- und -Action nach gängigem Schema in charmantester Umgebung. In diesem amerikanischen Film kämpfen zwei Amerikaner in Indonesien gegeneinander.

Der eine ist Jack Travers, ein Marine, ein Agent, der persönlich motiviert hinter einem anderen Amerikaner her ist, einem mit orientalischem Namen, Malik. Ausnahmsweise geht es nicht um Drogen oder Prostitution, um Waffen oder militärische Geheimnisse, nein, Allyn beweist Geschmack nicht nur mit der Umgebung, in die er seine Geschichte hinein platziert, sondern auch mit den Objekten, um die es geht, auch wenn man nur einige davon zu sehen bekommt, es geht um Schmuck und Wertsachen und auch Kunstobjekte.

Das mag der Grund sein, warum Jack Travers sich erst mal als Kunststudent ausgibt, von dem aber bald klar wird, dass er auch ziemlich gut mit der Waffe umgehen kann. Kaum in Indonesien angekommen – der Zuschauer hat bis dahin gerade erfahren, dass das Land das viertgrößte der Erde ist und dass ein Viertel der Bevölkerung Muslime sind (Achtung, Achtung Amerikaner: Terrorverdacht), also kaum ist Travers auf Java angekommen, eben hat er noch die Sultanin begrüßt, und schon erlebt sie ihr Ende in einer Explosion, in tausend Stücke zerrissen. Soviel darf verraten werden, auch wenn Travers noch eine Weile und der Hilfe des indonesischen Agenten Hashim bedarf, um dahinter zu kommen, dass Malik, dieser andere Amerikaner, der Bösewicht ist.

Über weite Strecken sind nun mehrere agentenhaft agierende Gruppierungen zwischen Malik und Travers hintereinander und hinter diesen beiden her. Schema F sozusagen, in Java vielleicht durch Hitze und Feuchtigkeit etwas überschaubarer dargestellt.

Der junge Amerikaner, das ist ein groß gewachsener, bodytrainierter, also vor allem muckitrainierter Schauspieler, der gerne große Augen macht und einen relativ treuen Blick mimt, somit eher an einen noch etwas naiven College-Studenten erinnernd, ein mächtiger, ebenmäßiger Teddybär, von dem man befürchten könnte, dass er seine Liebste beim Knuddeln durchaus versehentlich erdrücken könnte, ein Teddy, der kein Wässerchen trüben kann. Er heißt Kellan Lutz und nachdem er genügend rumgeballert und gestuntet hat, wird er noch auf sein Hirn zeigen und sagen, das sei die beste Waffe. Das ist vielleicht der wahrste Satz im Film, nur kommt er reichlich spät. Das wirkt in diesem Moment reichlich drollig.

Der andere Amerikaner, der verkommene, der dekadente, der verbrecherische, Malik, den spielt Mickey Rourke, den das Drehbuch das Grobe konterkarierend mit sensiblen Sätzen ausgestattet hat, jemanden zu baden sei intimer als Liebe zu machen. Richtig Anrührung erwecken wollend wirkt die Figur mit der Geschichte von seinem Paradiesvogel, den er in einem Käfig in seiner kolonialistischen Lounge auf Java hält, dass er ihn aus einem Abflussrohr in Neuguinea gerettet habe.

Travers will den Frauenkundler geben, die Sultana sei die schönste Frau auf der Party gewesen und er kenne sich damit aus.

Dieses indonesische Setting und viele der Texte, die Christentum, Islam und überhaupt Vorurteile unter den Menschen thematisieren, und gar nicht ironisch gemeint, ziehen einen wie wohlig ins Vertrauen. Action vor toleranzsuchendem Hintergrund. Oder dass das Nasigoreng beim Frühstück glutenfrei sei. Oder aber auch, dass die Indonesier durchaus auch von den Amerikanern eine Menge gelernt haben in Sachen Terrorismus. Und dass wir auch Internet und Wlan haben. Und nur der General, der ist Nationalist.

Travers entwickelt sich für Hashim vom mysteriösen Zeugen zum freundlichen Helfer.

Indonesisches Flair und ostasiatische Komplikationen und Ansätze zu Geistreichem (an einer Stelle wird immerhin auf Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ Bezug genommen), verleihen diesem actiongeladenen Thriller seinen sanften Reiz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.