In diesem Film von Jonathan Levine werden wir Zeuge eines erheblichen dramaturgischen Kraftaktes indem eine Romeo- und Julia-Geschichte in ein Zombie-Schema gepresst werden soll, noch dazu in einer geteilten Stadt und mit einem Flughafen mit vielen Lebend-Toten als Bewohner – BER lässt grüßen.
Kompensatorisch zu diesem dramaturgischen Kraftakt will Jonathan Levine uns mit vielen poetischen Zombie- und kaputte-Stadt- und kaputter-Flughafenbildern betören, was ihm durchaus gelingt.
Seine Julia, die hier Julie heißt und von Teresa Palmer gespielt wird, ist noch eine recht unverbrauchte und ungeliftete junge Darstellerin mit 18 Titeln auf IMDb. Sie ist der Mensch, die blonde Frau, die auch den Zombies (und durchaus auch den Zuschauern) das Herz wird erwärmen können.
Und das kommt so. Der ummauerte Teil der Stadt ist von ständigen Angriffen durch Zombies gefährdet. Diese stürzen sich auf die Menschen zwecks Ernährung. Wenn sie diesen das Hirn herausreißen und fressen, so übernehmen sie Denken und Gefühle des Opfers. So wird es dem Schauspieler Nicholas Hoult ergehen, dessen Rolle im Laufe des Spieles den Namen R. erhält, nehmen wir das ungeniert als kurz für Romeo, denn später wird als ein deutlicher Hinweis eine Balkonszene dazu kommen. Bei einem der Angriffe der Zombies erwischt R., der hier noch nicht R. heißt, den Freund Perry von Julie und verspeist dessen Gehirn. Die Bilder dazu sind zwischen poetisch und gruselig.
Eindrücklich, wenn die Zombie-Darsteller ihren Lebend-Tot-Gang versuchen, besonders wenn sie in adretten, magisch-nebeligen Gruppen arrangiert sind, Zombie-Poesie. So ähnlich wie Leute auf hohen Bergen bei extremem Sauerstoffmangel sich wie in Zeitlupe bewegen.
Recht künstlerisch gestaltet sind die Zombie-Polizisten, das sind in den schönsten Momenten Figuren, die an Giacomettis gehende und stehende schlanke Bronzen erinnern.
R. hat nun also das Hirn des Freundes von Julie verspeist und entdeckt Julie und reagiert wie ihr getöteter Freund. Er nimmt sie mit, entführt sie in die Zombie-Welt auf dem Flughafen. Dort bewohnt er ein großes Flugzeug. Die beiden kommen sich näher. Das ist aber auch Bebilderung für ein elementares Kommunikationsproblem. Denn Zombies beherrschen die menschliche Sprache nicht, aus ihnen kommen nur unartikulierte Laute.
Der Film lässt in einem Moment plötzlich ein Herz unter der grauen Zombie-Brust buppern. R. will Julie nichts antun. Er will seinen Menschenappetit zügeln. Er verliebt sich in sie. Aber Julie geht zurück in die Stadt. R. folgt ihr. Auch ihre Freundin entdeckt ihn bei der nun folgenden Balkonszene. Also soll die Liebe öffentlich werden. Dazu müssen jedoch die Zombie-Merkmale weggeschminkt werden und R. soll versuchen zu reden wie die Menschen; das hört sich an wie Gehörlose, die sprechen.
Der Vater von Julie ist John Malkovich. Er ist ein vergifteter Zombie-Bekämpfer. Viel scheint Malkovich mit dem Film nicht am Hut zu haben. Er steht so da, wie der Regisseur es will und sagt gekonnt seine Sätze und man könnte sich vorstellen, dass ihn ihm der Gedanke läuft, wieder x Tausend Dollar für einen Satz oder einmal dastehen kassiert. Dabei zittert seine Hand ganz schön, wie er beim Count-Down eine Pistole etwas länger ausgestreckt halten soll.
Gegen die Poesie und weil der Film sich zwischenzeitlich etwas arg in eine Romantic Comedy zu verlieren droht mit filmergiebigen Fahrten zu zweit im roten BMW-Cabrio, setzt der Regisseur am Schluss noch etwas Action. Denn die Menschwerdung der Lebend-Toten, das Beispiel von R. macht Schule. Das stößt bei der Zombie-Polizei nicht auf Gegenliebe. Action also vorm versöhnlichen Schluss, aus dem die Moral quillt, dass Bildung, menschliche Beziehungen und Liebe die Garanten gegen Krieg und Zerstörung seien.
Aber wann der Berliner Flughafen jetzt eröffnet werden soll, das wissen wir immer noch nicht. Bis dahin könnte man ja versuchen, auf dem Gelände den filmischen Wolpertinger aus Zombie, Romantic Comedy und Action noch etwas zu perfektionieren.
Ein Satz aus dem Film: Say something human! Antwort: How are you?