Renoir

Dieser Film zieht einen voll rein in das Leben der Künstlerfamilie Renoir. Obwohl er narrativ sich mit dem Aneinanderfügen von Alltagsszenen auf dem Landgut des hochbetagten, gichtgequälten Malers Auguste Renoir begnügt.

Der Film spielt zur Zeit des ersten Weltkrieges. Zwei von Renoirs Söhnen sind im Krieg, der dritte, ein schwer ansprechbarer, in sich gekehrter halbwüchsiger, Claude, ist noch zu Hause in diesem mit Frauen allen Alters wohlbestallten Haushalt. Die Mutter ist noch nicht allzu lange verstorben. Der Vater malt und malt. Und wenn keine Akt-Modelle zur Verfügung stehen oder das Licht nicht stimmt, dann nimmt er sich Zitronen oder Äpfel vor. Denn er möchte noch so dies und das lernen.

Dieser alte Meister wird von einem ebenso alten wie hochbetagten Meister der Schauspielkunst dargestellt, von Michel Bouquet, dessen Sätzen auch hier keiner zu widersprechen sich traut. Mit den Söhnen scheint er allerdings wenig Gesprächsstoff zu haben.

Ein neues Modell stellt sich vor, eine hübsche junge Frau, Andrée Heuschling (Christa Theret), die zur Geliebten des Sohnes Jean werden und dessen Stummfilm-Karriere beflügeln wird. Das lesen wir dann aber erst im Abspann.

Wie der Sohn Jean verletzt aus dem Krieg zurückkehrt, meint sein Vater, die sollen doch lieber die krüppeligen Alten in den Krieg schicken. Aber Renoir erzählt auch, dass er lieber eine schöne Welt malt, eine zauberhafte Welt, die den Betrachter glücklich macht. Den Krieg haben wir eh. Dieser kommt hier vor in Form der verletzten Söhne. Und einmal taucht der Krieg am Wegrand auf, verletzte Soldaten machen eine Fahrpause und ruhen sich neben ihrem Transport-LKW aus. Oder in Form eines zwielichtigen Kriegsprofiteurs und -händlers, der allerlei Gegenstände feil bietet, deren Herkunft man besser nicht zu erforschen sucht, ja der sogar anbietet, Särge mit Inhalt zu organisieren. Das sind alles scheussliche Sachen. Also nicht zu lange verweilen dabei.

Renoir lässt sich lieber von Lichtspielen und schönen Frauenformen inspirieren. Und ebenso tut es unser Filmemacher Gilles Burdos, der mit Michel Spinosa auch das Drehbuch geschrieben hat.

Wie Andrée zu zeichnen versucht und meint, sie male wie ein Kind, sagt der alte Renoir, genau das sei es, was er anstrebe, zu malen wie ein Kind. Immer wieder bewegt sich diese „Ménage“ Renoir in malerischen Aufzügen durch die blühenden Wiesen, unter lichtdurchfluteten Bäumen hinaus in die Natur oder ans Wasser oder nur auf die Terrasse. Auf dem Weg zum Pointillismus. Der alte Meister wird von vier dienenden Frauen in ausladenden, farbenfrohen Röcken getragen und seine Utensilien dazu. Das Modell geht nebenher oder voran.

Immer wieder streut Renoir Weisheiten und Erkenntnisse aus seinem Leben ein. Dass er doch nur ein einfacher Porzellanmaler sei. Malen als Metier gleichsam. Und dass er damit aufgehört habe, weil die Fabrik dichtgemacht hat (wenn ich das richtig verstanden habe). Aber auch Küchengespräche des Personals vor malerischem, mit Obst und Gemüse gefülltem Küchentisch werden uns nicht vorenthalten, die möglichen Karrieren vom Modell zur Küchenhilfe oder auch umgekehrt.

Jean allerdings ersteht während seines Genesungsurlaubs von dem dubiosen Marktfahrer einige Rollen Stummfilm, den die versammelte Familie mittels eines wiederhergerichteten Projektors bestaunen darf. Bei einem Gespräch der drei Brüder am Strand lässt der älteste den Kommentar los, Film sei nichts für Frankreich, dieses sei Meister in den alten Künsten. Sein Bruder Jean wird später zu einem jener wichtigen französischen Filmemacher gehören, die mit die Kultur und Tradition des französischen Kinos begründet haben, dank welchem es auch heute noch ein in hundert Facetten blühendes Filmland ist, wie auch dieses impressionistisch angehauchte Kleinod von Film aufs schönste belegt.

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