Willkommen in der Bretagne“, soll wohl erinnern an „Willkommen bei den Sch’tis“ – ist aber eine garantiert vollkommen andere Baustelle.
Carhaix ist ein Provinznest in der Bretagne. Groß genug für eine Klinik und eine alte Steinkirche mit einem Turm, der für ganz andere Filme einsetzbar wäre. Aber auch in diesem Film macht er sich gut. Denn die Klinik arbeitet nicht richtig kostendeckend. Darum kommt aus Paris die Dame Catherine, die mit einem raunzigen Kunsthändler verheiratet ist. Die Dame soll Einsparpotential bei dieser Klinik erforschen.
In der Klinik stößt sie schnell auf einige Mitarbeiterinnen von der Entbindungsstation, Hebamme, Babypflegerin, die gerne Bowling spielen, denn eine Bowling-Halle gibt es in Carhaix auch. Schnell spielt Catherine im Bowling mit. Sie ist immer fein angezogen. Wenn sie auf einem Hof aus dem Auto steigt und da ist eine Pfütze, dann macht sie einen Siebenmeilenschritt drüber hinweg. Das kommt sehr lustig wie so vieles, was Marie-Castille Mention-Schaar, die Regisseurin, die mit Jean-Marie Duprez auch das Drehbuch geschrieben hat, direkt aus dem Provinzleben berichtet.
Gegen das lustig menschelnd-menschliche Bild von der Provinz wird als Negativ-Folie ein Bild von Paris gesetzt. Wie ein frisch-froher Werbespot, wie menschlich man in der Provinz doch lebe, wie man sich um einander kümmere, wie man gar nicht so viel dümmer sei als der Stadtmensch. Der Stadtmensch in unserem Film ist Catherine. Sie fängt schnell Feuer für den Provinzmodus. Sie ergänzt die drei Frauen in der Bowling-Mannschaft. Sie will Auto fahren lernen.
Vor uns breitet nun Marie-Castille Mention-Schaar einen Provinz-Mikrokosmos aus bestehend aus diesen drei Frauen. Mathilde, sie gilt als die zielstrebige, harte; sie ist mit dem Fahrlehrer verheiratet, der eher wie ein Musiker aussieht; und ihr Bub möchte, obwohl nicht getauft, plötzlich die Firmung mitmachen, weil der Chor in der Kirche so schön ist. Firmine hat einen kranken Mann zuhause und keine Kinder. Sie stammt aus den Antillen. Und Luise hat ein Verhältnis mit dem Bürgermeister, von dem sie schwanger wird.
Zu diesen praktischen, greifbaren, konkreten Frauen stößt nun Catherine. Sie ist begabt im Bowling. Die vier Frauen wollen an einer Bowling-Meisterschaft teilnehmen. Durch die Arbeit von Catherine kristallisiert sich nun heraus, dass ausgerechnet die Entbindungsstation geschlossen werden soll. Dagegen formiert sich ein von Frauenpower angeführter Widerstand. Parallel dazu wollen die drei Damen die Bowling-Meisterschaft für sich entscheiden.
Bisher war der Film ein frisches Statement, wie von Herzen, fröhlich, die Menschen wahrnehmend, ein Loblied auf die Provinz und den Frauenpower. Wie jedoch die Ziele definiert sind, verändert sich die Erzählhaltung, Sie wird jetzt merkwürdigerweise richtig provinziell, als wolle sie das bisherige Lob auf die Provinz in ihr Gegenteil verkehren. Pseudokönnerisch strebt sie auf die deklarierten Ziele zu. Mit dem Verwaltungsentscheid über die Schließung der Klinik und mit dem Turnier, da haut es den bisherigen Erzählstil aus der Kurve, da wird versucht, mit viel Dudelsack und Blasmusik die Stimmung in die Höhe zu treiben, und zwischendrin rollen immer mal schöne Bowlingkugeln. Die Art, wie uns über diesen Provinzsieg erzählt wird, die ist leider rundum provinziell. Wäre der Film bei seiner augenzwinkernden Provinzialität, die er anfangs praktiziert hat, mit kleinen Abschweifungen zu einer Fahrstunde, zu der einen und der anderen der Protagonisten zuhause geblieben, hätte er genauso unterhaltsam zu Ende gebracht werden können. Schade um einen ansprechenden Anfang, der immerhin sehr erfrischend ist.