Was ist das jetzt: New Hollywood? Ja, insofern als es den Spaß des Old Hollywood, noch bevor dieses in den Reglementierungen des Studiobetriebes erstarrte, sucht. New Halloween? Ja, insofern manche von den animierten Figuren, mit denen uns Tim Burton diese verrückte, animierte Erfindergeschichte und wie die Erfindungen sich selbstständig machten, Gesichter haben wie Halloween-Kürbis-Fratzen und sowieso an ein Geisterfestival erinnern. Aber das ist es wirklich: es ist New Holland. Die kleine Ortschaft, in dem unsere berauschend kurzweilige Horror-Gespenster-Erfinder-Kinofahrt stattfindet.
Alles hat hier vor seinem Namen den Begriff: New Holland. New Holland Elementary School oder New Holland Tierfriedhof. Und dann bibbert alles auf den New Holland Fair zu, was zu einem grässlichen Gespensterfair werden wird, kaum hat das kleine Mädchen vom fetten Bürgermeister, den vor allem das pingelige Schneiden der Hecken interessiert, das New Holland Lied ausgesungen mit den brennenden Kerzlein auf seinem Hut. Und am Berghang prangen groß wie in Hollywood die berühmten Lettern „New Holland“. Wenn das mal ein Zufall ist.
Wie natürlich nichts und gar nichts ein Zufall ist in der Regie von Tim Burton (das Buch hat John August geschrieben). Wo immer er auch die Ideen her haben mag. Hier erzählt er uns diese kleine Geschichte vom Zehnjährigen Victor, der in New Holland wohnt. Victor ist der Nachbarsjunge von Bürgermeisters und er hat einen kleinen Hund, einen merkwürdig animiert verformten Terrier, der immer mal den Duft der Pudeldame von hinterm Lattenzaun der anderen Nachbarn aufnimmt und der ihn etwas unruhig macht.
Die Eltern von Victor sind Mr. Und Mrs Frankstein, auch das ein ganz zufälliger Name. Wie in der New Holland Elementary School der Lehrer Rzykruski den Schülern ein Experiment zeigt und wie der Hund von Victor von einem Auto überfahren wird, so versucht Victor auf dem Dachboden den Hund wiederzubeleben mit den Erkenntnissen aus dem Experiment. Mit Ungetümen von elektrischen Apparaturen. Der Versuch gelingt. Und löst nun all die Kettenreaktionen aus, die aus dem Dutch Day auf dem New Holland Fair im festlichen Provinznest ein Halloween-Fest machen, bei dem die sonderbarsten Ungeheuer und Kunstfiguren aus der Filmgeschichte das Fest überrennen, überrumpeln und schier zum Zusammenbrechen bringen. Ein Horror-Erlebnis von höchster Qualität und größter Gaudi.
Mindern tut dieses großartige Erlebnis, das wie im Fluge vorbeigeht, einzig 3D und dass der Film noch dazu in schwarzweiß gedreht worden ist, wodurch auf die Augenlinse des Zuschauers noch weniger Kinolicht fällt. Schade, schade, denn diesen Horror möchte man nicht nur schummrig erleben. Explosion der Monster, die die Tüftler riefen und deren sie kaum mehr Herr werden.
Kino in technisch modernst upgedateter bester Tradition. Ein direktes Jahrmarktsvergnügen. Du gehst rein, kommst durchgeschüttelt wieder raus und der Zauber ist aus.