Jack Reacher

Vielleicht lässt einen die Mitwirkung von Werner Herzog als dem Oberbösewicht „The Zec“ eine Werner-Herzog-Brille aufsetzen und die Wahrnehmung dafür schärfen, wie hier um den Schmerzpunkt einer jeden Szene gerungen wurde, falls so einer überhaupt zu finden war, denn der Film ist sehr dialoglastig. Da ist wenig Platz für Regieoriginalität. Damit fängt der Film an, wie ein Sniper in einer Ortschaft mitten in Amerika scheinbar wahllos von einem Parkhaus aus über einen Fluss hinweg Passanten an Strandweg niederschießt. Das ist sehr sorgfältig vorbereitet und durchgeführt vom Kinohandwerk her. Und wird mit der Musik bedeutungsvoll aufgeladen, die uns suggeriert: hier passiert enorm Wichtiges.

Dabei ist es ja nur eine kleine Mörderei, wie sie täglich im ballerfreudigen Amerika vorkommt. Oder nur etwas größer. Jedenfalls hat die Polizei bald einen Schuldigen, einen Irakveteranen. Dieser bietet als Entlastungszeugen Jack Reacher auf, einen „homeless drifter with nothing to loose“, was aber auch nicht so richtig zum Thema gemacht wird, was aber die ermittelnden Behörden von Anfang an irritiert.

Just dieser Reacher, den ein Tom Cruise spielt, der seinen nicht-mehr-ganz-Waschbrettbauch noch zeigen zu müssen glaubt, der kommt dahinter und der Verteidigerin des Angeklagten Helen somit zur Hilfe, dass die Lage der Dinge doch anders sein könnte, als sie von den ermittelnden Behörden leichtfertig dargestellt wurde.

Der „district attorney“ ist der Vater der Anwältin Helen und versteht nicht, wieso sie diesen Auftrag annehmen konnte.

Der Autor und Regisseur Christoher McQuarrie versucht in allen Szenen auf den Emotionsgehalt zu gehen, wodurch diese sehr intensiv werden. Es kommen auch die Kriegshintergründe der Veteranen vor. Aber die Art, wie das geboten wird, scheint mir doch sehr auf der Klaviatur „ja, wir wissen, da ist viel Scheiße passiert“ zu spielen. Wir sind betroffen, dass solche Dinge in unserer Zeit noch möglich sind.

Die bösen Buben des Oberbösen fahren einen Audi. Jack, der Gute nimmt den Gaunern erst einen amerikanischen Wagen ab, später der Anwältin für einen Recherche-Ausflug auf einem entlegenen Schießplatz einen weißen Mercedes. Am Ende wird er typisch amerikanisch Selbstjustiz üben.

Bei Werner Herzog fragt man sich, warum er die Rolle angenommen hat. Ihm werden garantiert selbstreferentielle Sätze in den Mund gelegt, die er auch überzeugend in einem gedehnten Englisch mit europäischem (Tschechischem, wenn er ja Zec heißt) Akzent verbissen artikuliert, die Wörter wie ein Stück Beutefleisch kaum hergeben wollend aus dem Mund. Er sei bloss ein alter Mann zur falschen Zeit am falschen Ort, darf er sagen und als Begründung für sein Handeln muss er anführen, „mitnehmen, was noch mitzunehmen ist“.

Reacher: I came here to bury him, den vermeintlichen Sniper, der im Irak zu wenig zum Zuge gekommen sei. Inhaltlich kommt mir das sülzig vor. Tom Cruise Haare fallen als überaus schwarz gefärbt auf, sein Gang hat eine gewisse Schwere bekommen und die Kämpfe, nun ja, das ist ja alles inszeniert, gut inszeniert, darum spielt wohl seine Schauspiel- und Kampfkunst auch nicht die größte Rolle. Denn der Regie scheint es darum zu gehen, größtmögliche Nähe zu den physischen Vorgängen herzustellen und damit Beklemmung, viel Gefühl, Nähe, das Fleischliche einer Szene und nicht das Psychologische zu spüren.

Die Frauenbesetzungen scheinen eher oberflächlich passiert zu sein. Die Männer sind bis auf das Unikat Herzog doch primär typcastingmäßig keine Überraschungen. Auch die Szenen, die Contents, die Handlungsfäden sind alle altbekannt, aber mit großer Intensität wrd ihnen auf den Zahn gefühlt, neu aufgelegt. Showwerte sind gut gemachte, aber altbekannte Verfolgungsjagden, Kämpfe Mann gegen einen oder mehrere Männer und ein auch völlig überraschungsfreier Countdown, aber intensiv.

Kino eher wie Sauna.

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