Die Tochter meines besten Freundes

Charmantes Aufrubbeln von New Jersey-Spießer-Familien-Mief.

Zwei Familien wohnen sich in einer dieser ausgedehnten Siedlungen einer Kleinstadt in New Jersey gegenüber. Sie kennen sich gut: Dave ist mit Page verheiratet, ihre etwas pummelige, sommersprossige Tochter ist Vanessa. Sie ist die Ich-Erzählerin. Sie fängt durchaus selbstkritisch an, dass sie große Pläne hatte, Möbeldesign oder ähnlich, sich vorstellte es schnell in New York zu schaffen. Aber das ging halt nicht so schnell. Sie ist immer noch zuhause. Arbeitet im vollgestopften Möbelhaus Huffmann-Koos und schnipselt in Stil-Design-Zeitschriften herum.

Vanessas Bruder heißt Toby. Der will gerade nach China. Und Vanessas dickste Freundin war immer Nina. Nina war immer schon das glatte Gegenteil von Vanessa. Quickig und lebendig. Die Tochter von Terry und  der sehr deutlich prononcierenden Carol. Nina hat immer Action gemacht, ist früh von zuhause weg, hat die Welt oder mindestens Teile von ihr entdeckt.

Es ist kurz vor Weihnachten. Thanksgiving. Die beiden Familien sitzen zusammen, denn die beiden Väter, der knautschgesichtige Terry und Dave joggen täglich zusammen und sowieso gehen die beiden Familien miteinander um wie eine einzige Patchworkfamilie. Darum ist auch nicht leicht auszumachen, wer nun wie zum wem gehört. Man ist irgendwie fast zu intim, wie die folgende Geschichte zeigen wird.

In dieses Thanksgiving-Familientreffen hinein ruft Nina mit Partylärm im Hintergrund an, sie werde heiraten. So eine Info schlägt in diesen Verhältnissen ein wie ein Bombe. Schnitt nach New York zur großen Party; Nina sucht Ethan, ihren Bräutigam. Sie findet ihn in der Besenkammer mit einer anderen. Schnitt. Sie kommt reuig nach Hause.

Bald schon sitzt Nina mit Dave, dem Vater ihrer Freundin Vanessa, gemeinsam auf einem Sofa. Die Blicke sind vielsagend, des Mädchens Anmache unmissverständlich, aber nur durch Blick und Haltung. Sie küssen sich. Der Beginn einer Amour-Fou im New-Jersey-Spießer-Milieu. Ein Skandal in den Familien. Page zieht aus. Der Skandal fliegt auf, weil die Mutter Nina nachspioniert und hinter das Date von Nina und Dave in einem Motel kommt. Sehr lustig gespielt. Etwas wie Kindertheater.

Die Komödie wird turbulenter, wie Ethan auftaucht und vor dem Haus Position bezieht. Nebenher hatte Page noch einen Chor. Die singen wirklich sehr vivace mit ganzem Körpereinsatz. Später wird Page die ganze kitschige Weihnachtsdeko von Gartenzwergen, Nikoläusen und Rehen vor dem Eltern-Haus umfahren.

Am Arbeitsplatz bekommt Vanessa gute Ratschläge von Henry, dem Chinesen. Manchmal müsse man ein Haus abbrennen, damit man den Mond wieder sehen könne.

Vanessa ist unentwegt überzeugt, ihr Zustand sei nur vorübergehend. Sie sei halt etwas = Jahre hinter ihrem Plan zurück. Also schon mal eine gute Voraussetzung; eine Figur, die große Pläne hat.

Nina und Dave verbringen ein Wochenende in Atlanta, spielenderweise.

Der böseste, härteste Satz des Filmes stammt von der Mutter von Nina: are you sucking Daves old balls! Und natürlich die Age-Difference. Dabei hat Liebe doch nichts mit dem Alter zu tun.

Möglich, dass hier eine reine Übersprungs-Amour-Fou das Thema ist. Der Charakter von Nina hätte aber doch genauer eruiert gehört, um daraus wirkliche Kinospannung zu erzeugen, romantic comedy with thrill.

Eine Komödie in New-Jersey-Hausmacherart, sehr charmant, in vielem glaubwürdig, weil sicher eigene Erlebnisse der Autorin drin stecken und ein hingebungsvolles Schauspieler-Ensemble, was hier schon die halbe Miete ist.

Julian Farino hat nach einem Buch von Jan Helfer und Jay Reiss die Regie geführt.

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