Müll im Garten Eden

Die Türkei, der Müll und Fatih Akin, so könnte der Titel von diesem Dokumentarfilm von Fatih Akin auch lauten, der eher einer Art Augenzeugenbericht über mehrere Jahre genannt werden sollte über den Bau, Betrieb und Nebenwirkungen einer Mülldeponie in einem traumhaften Teeanbaugebiet am Schwarzen Meer, in Camburnu, einem Ort, an dem Vorväter des Filmemachers gelebt haben.

Akin scheint sich in den letzten Jahren öfter dort aufgehalten zu haben, beginnend in 2005. Und so ist er auf der Suche nach seinen Vätern und seinen Wurzeln auch auf diese geplante Mülldeponie gestoßen, die, wie er mit dem Filmtitel suggerieren will, im Garten Eden, geplant sei, wobei dieser Garten Eden offenbar doch schon so versaut ist von der Zivilisation, dass er tonnenweise Müll produziert, voller Gift, was das Abwasser aus der Deponie schwarz färbt.

Immer wenn Akin nun in der Heimat seiner Väter war, hat er fotografiert und gefilmt, was ihm im Zusammenhang mit dem Bau- und Betriebsfortschritt der Mülldeponie vor die Kamera geraten ist. Besorgte Bewohner, beschwichtigende Behörden, Flashs aus Gerichtsprozessen, zerrissene Planen am Grunde des Beckens (es ging hier darum, eine still gelegte Kupfergrube aufzufüllen), Gouverneurs- oder Umweltministerbesuch vor Ort, wenn wieder eine Panne oder Überflutung wegen heftigen Regens passiert ist, Argumentationsversuche mit den Herrschaften – am spannendsten war die Auseinandersetzung mit dem Umweltminister und einem empörten Bürger – Vogeldreck auf Teeblättern, schäumender Abfluss, schwarze Brühe, Verkappung im Meer, Badende, die eingestürzte Klärbeckenmauer, die geplante Mauer zur Vergrößerung der Deponie.

Umwelttechnik und Umweltbewusstsein erinnern an den Bewusstseinsstand der Diskussionen hier in den 70er, 80er Jahren, der Bau von Kläranlagen rund um die Seen, so dass heute am Bodensee gejammert wird, der sei so sauber, dass die Fische kaum mehr was zum Fressen fänden.

Damit die Chose nicht zu unappetitlich wird, schneidet Akin zwischendrin ein bisschen Folklore, Muezzin und Disco (kinematographisches Schnellrezept) und legt über den Mix viel schöne, sentimentale Musik. Der Film gibt also durchaus interessante touristische Einblicke in eine Gegend, die unsereinem sicher nicht allzu bekannt ist.

Wenn Fatih Akin ein Laie wäre, dann würde ich sagen, sehr begabt Junge, mach weiter so. Da er aber ein preisgekrönter Profi ist, so würde ich ihm doch empfehlen für so einen (professionellen) Dokumentarfilm zum Beispiel ein paar Filme von Fritz Lang zu studieren, wie dieser durch Gegenübersetzung widersprüchlicher Positionen Konflikte für die Kinospannung urbar gemacht hat.

Akin aber scheint es doch mehr ums Geschäft zu gehen, mit Footage, was sich bei Gelegenheit und ohne großen Rechercheaufwand bequem und ad hoc beibringen lässt, noch schnell einen Film als Abfallprodukt anderer Aktivitäten zusammenzuschnippeln. Für einen Profi ist das zuwenig.

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