Savages

Savage, das Wort aus dem Titel, erhält in der deutsch synchronisierten Fassung am Schluss eine Interpretation, die nun nicht unbedingt mit dem vorher Gesehenen korrespondiert, am Schluss meint die Erzählstimme von O mit „savage“ die Rückentwicklung zur ursprünglichen Daseinsform. Ob damit Rousseaus „edler Wilde“ gemeint ist – die Antwort des Filmes auf diese Frage dürfte eher „nein“ sein.

War es doch Metzelei und Brutalität pur, die uns Oliver Stone vorher fast zwei Stunden lang in atemberaubendem Tempo und cinematographisch brilliant um die Ohren gehauen hat. Das wird hier dem Publikum nicht unbedingt schmecken, diese oft platte Brutalität, die den Figuren wenig Chancen zur Differenzierung gibt. Die sich aber mit dem decken dürfte, was wir hier doch immer mal wieder in den Zeitungen über den Drogenkrieg in Mexiko lesen, wobei die Zeitungen vorsichtshalber keine Bilder abdrucken. Eine Ergänzungsleistung zum Informationsauftrag der Medien.

Es fängt entspannt kalifornisch an. Unsere drei Hauptfiguren sind Blake Lively als O (Ophelia), die mit Taylor Kitsch als Chon, der als Seal in Irak und Afghanistan das Töten gelernt hat, und mit Aaron Taylor-Johnson als Ben, der ein Drogen-Zucht-Tüftler und Buddhist ist, ein lockere Ménage á Trois führt, verführerisch schön, man denkt zurück an die sorglose Hippie-Zeit.

Zum Problem für unsere sorglosen Drogenproduzenten wird allerdings, dass sie immer erfolgreicher werden. Dies bleibt nicht unbemerkt von mexikanischen Drogenkartell B’aja. Salma Hayek muss keine Miene verziehen, um der Gangsterchefin cineastische Glaubwürdigkeit zu verleihen. Sie will sich ihren Anteil an diesem Geschäft abknöpfen.

Das Kartell sucht also den Schwachpunkt des kalifornischen Trios. Das ist O. Sie wird also entführt. Damit zappeln Chon und Ben hilflos im Gangsternetz gefangen. Sie versuchen mit allen Mitteln O vom weit überlegenen Gegner zurückzubekommen. Dieser Kampf um O., der mit grausamen Mitteln geführt wird, füllt den Hauptteil des Filmes, eine wahre Kinoorgie an Bildern.

Trotz aller Brutalität ist Distanz Oliver Stone nicht unbekannt, er fächelt mit dem Genre, wenn er O in der sphärischen, deutschen Variante leicht lasziv gesprochen von Anja Stadlober, erzählen lässt, wie sie sich den Schluss eigentlich vorgestellt habe. Und wie es, wenn überhaupt, wirklich war.

Lado, Benicio del Torro, liefert die ein für alle Male gültige mexikanische Banditenfresse, man hat das Gefühl, die schon x-fach gesehen zu haben, wenn auch mit anderen Darstellern. Stone versucht gar nicht, sich abzuheben von B-Pictures dieser Art. Ein Feuerwerk an Brutalität.

Der Haupteindruck des Filmes ist diese Gegenüberstellung, der verträumten, zivilisatorischen westlich-kalifornischen Lebensart mit dem brutalen Drogenkrieg, wobei der Kalifornier Chon als ehemaliger GI die amerikanische Variante der Kriegsbrutalität in den Film einbringt.

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