Til Schweiger als Produzent, Autor nebst lt. IMDb Stephen Butchard und Paul Maurice und als Hauptdarsteller macht mit diesem kleinen schmutzigen Post-Afghanistan-Streifen genau das, was Dominik Graf seit Jahren in inzwischen berechenbaren Intervallen in der „Zeit“ oder der SZ und ohne jeden Erfolg fordert: deutsches Genrekino.
Ein billiges B-Picture mit überwiegend großen Nahaufnahmen der Darsteller wie sie in Dialoge verwickelt sind und das erzählen, was zu teuer, zu aufwendig zum Inszenieren ist – oder wozu das Drehbuch nicht in der Lage ist, es szenisch zu lösen oder auch Fragen über Krieg und Liebe, über Schutzengel und Glück und Träume (das eigene Bed & Breakfast), meist gestellt von Nina der „Unschuld“ im Film, Nina, einem Mädchen um die 15, das so unschuldig nicht ist, wie es tut und ganz leicht auch zur Waffe greift. Diese Dialoge sind meist vor verschwommenem Hintergrundbild, was Ausstattungs- und Beleuchtungskosten spart.
Ein dialoglastiger Thriller also, der den Thrill schnell vergisst (wozu haben wir eine ständig vibrierende, Aufregung insinuierende Musik, wenn sie nicht gerade wie das gängige Muster zur Eiswerbung im Kino klingt), ein Thrill vom Til, der der Versuchung zum Melodram nicht widerstehen kann.
Und ist garantiert keine Kriegswerbung, keine Werbung für die Bundeswehr, auch wenn im Abspann die Widmung für einen in Afghanistan getöteten Soldaten steht – vielleicht hat die Bundeswehr finanziell, materiell oder ideell sich engagiert und sich einen Imagegewinn von dem Film erhofft. Die Rechnung dürfte nicht unbedingt aufgehen. Denn die verrohten Veteranen können in der Zivilisation das Schießen nicht lassen.
Was von der Geschichte erkennbar ist: eine etwas in der Luft hängende Rahmenhandlung um einen internationalen Waffenschieber, bei dem ein Kellner und die unschuldige Nina ins Hotelzimmer einbrechen und einen Laptop klauen wollen; die Geschichte endet blutig und Nina als eine der Überlebenden, die eh schon in einem Zeugenschutzprogamm steht, wieso war mir nicht ersichtlich, ist jetzt hoch gefährdet.
Der Personenschützer von Nina ist Max, gespielt von Til Schweiger, ein Afghanistan-Verteran, ein Krieger, ein Kämpfer, wie seine Ex-Freundin Lili ihn nennt und dazu meint, ein Soldat befinde sich immer im Krieg und Soldat sein komme vor allem anderen. Er war immer Soldat, er wird immer einer bleiben. Ein Soldat hat nur dieses Leben. Vielleicht sind das Sätze, bei denen die Bundeswehr Pate gestanden hat.
Die These vom Krieger und Soldat beweist Max nun ausgiebig im Hauptcorpus des Filmes. Dies ist die Dauerflucht von ihm und Nina vor der Polizei, vor den Folgen der in der Luft hängenden Rahmengeschichte, die als Eröffnungsszene auf akzeptablem internationalem Thriller-Niveau präsentiert worden ist.
Diese Flucht gibt nun die Möglichkeit zu beweisen, dass Max hochgradig unter posttraumatischen Störungen leidet, ein Soldat, der immer im Krieg ist; Massaker an Polizisten und SEKlern pflastern seinen Weg, ob im Safe House (in dem ein anderer Afghanistan-Veteran, Moritz Bleibtreu als Beinamputierter, eine kleine Mine, sonst nichts, haust) oder in der Berliner Stadtklinik und noch an ein paar anderen belebten Locations in Berlin. Denn dem Krieger sitzt die Waffe locker.
Das Schöne an diesen Schießereien, für die sich Schweiger viel Mühe gegeben hat, ist, dass die Schützen immer ganze Wände nach dem Siebmuster durchlöchern, als hätten sie gar nicht auf eine Person gezielt. Vielleicht, damit es mehr schön als tragisch ausschaut. Und darum gibt’s auch immer wieder kleine Kicherwitzchen dazwischen gestreut, denn so ganz ernst wollen wir den Thriller nicht nehmen. ein bisschen nett soll das alles schon sein.
Schweigers erste Szene handelt von lactosefreier Milch. Insulin ist ein wichtiges Requisit und Handlungsantreiber, denn Nina muss es sich spritzen. Es kommen Fürze vor, auch verbal, es kommen auch ganz fernsehlangweilige Szenen vor, vor allem wenn Herbert Knaup den Polizeichef mit dem Flachmann spielt, vielleicht ein Rollenmissverständnis, aber generell spielen die Schauspieler gut bei Til Schweiger, er ist ein Vollblutfilmmensch und verlangt das auch von seinem Team. Heiner Lauterbach überzeugt als der Waffenhändler, zeigt fast internationales Format. Auch wenn die Actionszenen gelegentlich im verlässlichen Holzfällertempo gedreht und geschnitten sein mögen. Aber da das Spiel immer intensiv ist, das Interesse von Kamera und Regisseur nah an den Figuren, so tragen die einzelnen Szenen durchaus. Leider fehlt der große Bogen.
Irgendwann ist der Flucht die Puste ausgegangen, die Bauchschusswunde von Max verheilt und so haut Schweiger unvermittelt ein Happy End am Brighton Pier in England drauf. Was solls. Wir sind hier im Genre. Es lebe das Post-Kriegs-Melo.