The Watch – Nachbarn der 3. Art

Ben Stillers professioneller Schmerzdämpfer für schwanztraumatisierte Männer und Frauen.

Die Absicht der Drehbuchautoren Jareth Stern, Seth Rogen, Evan Goldberg war bestimmt die: Pointe, Lacher, Pointe, Lacher. Und das über die alltäglichsten Probleme vermutlich Lohnabhängiger, sexuell nicht Befreiter, als Ventilkino gedacht, ablachen über das, was Mann oder Frau nicht in Griff kriegen und immer leicht unter der Gürtellinie, es wird vom Fingern und vom Loch gesprochen vom Wegreißen der Eier. Das ist natürlich so ein Schmerzpunkt des Mannes, vielleicht auch Wunschpunkt der Frau (Neidkomplex oder so), berührt also immer akutes Gelände.

Wenn dann noch fremde Figuren auftauchen, Aliens, und sind eigentlich ein schönes Symbol für den typischen Spießer aus Glenview, wo unser Filmchen spielt, und wenn es dann noch heißt, dass ihr Hirn ihr Schwanz sei, was auch nur eine Umschreibung für hormongesteuerte Indviduen ist, so ist das Konstrukt doch ganz nett und neckisch.

Aber das weiß Ben Stiller als Evan Trautwick und Filialleiter des örtlichen Wholesales Costco anfangs selbstverständlich noch nicht. Er wird zu Beginn erschüttert vom Tod eines Wachmannes in seinem Leib-, Magen- und Lebensgeschäft, denn innert 25 Jahren hat er sich dort an die Spitze hochgearbeitet. Dieser Tod war wirklich merkwürdig und schwer erklärbar. Auch Glibber spielt dabei eine Rolle. Was unsere Autoren dazu veranlasst, im Laufe des Filmes ausgiebige Parellelen zwischen Glibber und Wichse zu ziehen.

Selbst ist der Mann, sagt sich Evan und gründet eine Nachbarschaftswache. Der rätselhaften Todesursache muss auf den Grund gegangen werden. Wer aber jetzt von der dadurch suggerierten Themenvorgabe eine ernste oder karikierende Beschäftigung mit dem Themenkomplex: Beobachten, Neugieren, Überwachen bis zum Denunzieren erwartet, der wird gründlich enttäuscht.

Denn diese Nachbarschaftswache wird von den meisten Mitmachern vor allem als ein geselliger Anlass gesehen, als Ort über Dinge zu reden, die in einem Wuseln, die im eigenen Körper ein gewisses Eigenleben beanspruche, den Sex und all die Verwicklungen; dazu erfährt man vom einen und anderen auch noch was über sein Privatleben.

Aber es ist diese ganze Nachbarschaftswache auch nur Vorwand wie der ganze Film, ausgiebig und endlos Witzchen und Pointen vor allem um das ewig beunruhigende und durch das bürgerliche Leben auch nicht zu bändigende Sexleben und spießige Sexsehnsüchte zu machen – bis hin zum Eierabreißen.

Die deutsche Synchronisation versucht zu Recht gar nicht erst, tiefere Nuancen aus den Dialogen herauszuholen. Die bleiben grobmaschig wie der Cast auch. Mehr ist nicht beabsichtig, als die Zuschauer mit Aug und Ohr auf die Leinwand gebannt zu halten mit einem 90-minütigen Regenschauer an seichten, ein- bis doppeldeutigen Pointen, auch mal über die Polizei, aber doch lieber über große Kondome oder Unfruchtbarkeit, Eierlutschträume, Schwanz in Vagina, wie kriegt der Arzt das Sperma für die Untersuchung, oder einen Alien mit einem Gartenzwerg erschlagen, wie der Sex eines Mannes mit einem Mann ablaufen würde und bis wohin gehen, fass meinen Glibber an… Pointen, die auf dem Dauerwiderspruch zwischen Privatheit und Öffentlichkeit ihren Nährboden haben, privater Trieb und öffentliche Ordnung und Meinung. Akiva Schaffer hält gutes Tempo bei recht steifer Inszenierung.

Es gibt einen kurzen tragischen Moment, vielleicht gedacht als Salz in der seichten Suppe, wie Ben Stiller seine Mannen davon laufen und er im Bewusstsein eines Ein-Mann-Clubs zurückgelassen wird – Ben Stillers Ein-Mann-Club.

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