The Cabin in the Woods

Massiv und laut, mechanistisch und systematisch, sozusagen auf der Idealkurve steigt dieser Horrorfilm ohne lange Umstände in die Story ein. Die fünf Freunde Dana, Kurt, Jules, Marty und Holden werden minimal kurz vorgestellt, gängige, junge Menschen von heute, nichts Besonderes, und schon geht’s los mit dem Wohnmobil ins lustige Wochenende in eine Hütte, die über einen Verwandten ins Spiel gekommen ist, ab von der Welt, außerhalb jeglicher Netzverbindung zur Restwelt. Der kurze letzte Tankstop, die Warnung des Horrortankwartes, und dass die jungen Leute diese selbstverständlich in den Wind schlagen. Tankstelle und Tankwart direkt aus dem Fundus des reinen Horrorfilms requiriert.

Gleichzeitig haben wir auch die Administration und das Engineering für den Horror um die Hütte kennengelernt. Das Personal schließt Wetten, wie das Game, das zum Tode aller 5 Freunde führen soll, ausgeht. Diese Abteilungen befinden sich tief im Erdinneren. Hier fängt die Differenz zum üblichen Horrorfilm an, der zwar die gängigen Zombies mit gängigen Instrumenten auffährt, um die ersten Leichen zu beschaffen, um die Gruppe auseinanderzudividieren, aber wir kennen auch die Horror-Macher, wir bekommen Einblicke in die bösen Steuerungsmechanismen des gnadenlosen Horror-Games.

Das Game funktioniert dieses Mal allerdings nicht perfekt. Drei der jungen Leute kapieren, dass sie in einer Falle, in der Horrorfalle, stecken und sie versuchen die Flucht. Dass sich die Story bis zu dieser Wendung vielleicht etwas in die Länge zieht, da nur bekannteste Versatzstücke verwendet werden, wird kompensiert durch rasantes Dreh- und Schnitttempo, durch sehr lauten Sound.

Im übrigen wurde von Drew Goddard, dem Regisseur, der mit Joss Whedon auch das Drehbuch geschrieben hat, von Anfang an darauf geachtet, dass die Chose sich nicht zu einer Mitleidsangelegenheit entwickelt, durch Auswahl und Führung der Schauspieler, die nicht einen Moment auf Identifikation oder besondere Sympathie aus ist, die deutsche Routinesynchro trägt das ihre dazu bei, denn auf längere Sicht soll bei diesem Film durchaus ein gewisses Vergnügen im Schauen (von Schaden) bestehen, Horror garantiert nicht gedacht zur Kompensation unterdrückter Triebe und von Gefühlen, eher als ein Ort, über die Mächte des Schicksals archaisch nachzudenken, denn tief unter den Etagen von Administration und Engineering gibt es noch ganz andere Mächte. Die deuten an, Dinge, die man vielleicht in der Review nur anreißen sollte, dass die Macher des Filmes augenzwinkernd den Nexus zur faustischen Weisheit suchen, zu den Geistern, die er rief. Oder ein Augenzwinkern zurück in die Antike, war da nicht mal was mit Jungfrauen, die in einem Vulkan geopfert werden mussten?

Was hier vorgeführt wird, dieses Horrorkabinett, das wird, je weiter der Film fortschreitet, zur zusehends künstlerisch attraktiven, kunstperformance-mäßigen Präsentation, (entfernte Erinnerung an Wiener Aktionisten).

Ist der Mensch noch der Herr des Horrors (und soll er es wirklich bleiben?), diese Frage stellt sich alsbald und hat mich recht amüsiert und angeregt aus dem Kino gehen lassen.

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