Heiter bis Wolkig

Die pastorale Grundaussage dieses Filmes scheint mir die zu sein, das Leben ist schön und da es nicht immer heiter sein kann, gibt’s auch Wolken, aber alle Menschen sind im Grunde genommen nett und wenn man sie makellos braun schön schminkt, sind sie auch bis zum Tode sehr ansehnlich, und überhaupt sind die Menschen zum Anbandeln geschaffen und darum brauchen wir diesen Film und brauchen ihn ohne ein wirkliches Handlungsgerüst und Schwierigkeiten beim Anbandeln sind mit kleinen Lügen leicht zu lösen, der Kumpel erzählt der anzubaggernden Frau, sein Kumpel sei krebskrank und möchte noch einmal mit einer Frau schlafen.

Bei Tim und Can jedenfalls funktioniert die Masche prächtig. Es sind Köche in einem Lokal mit einer platten Klischeenummer von blödem Chef und die Vorgänge in der Küche entbehren jeglicher Plausibilität. Die Regie hat sich halt was „einfallen“ lassen. Gemüse und Fleisch. Die Regie, die hat Marco Petry besorgt, der mit seinem ersten Film „Schule“ dank Verarbeitung persönlicher Erlebnisse eine gewisse Resonanz hatte. Aber das ist schon einige Jahre her. Jetzt hat er ein Buch von Axel Staeck mit Jan Ehlert bearbeitet, das bringt mehr Geld, und dann verfilmt.

Ein Buch was oft zu der unsäglichen Fernsehdialogstupidie der Frage „Was ist denn hier los?“ greift. Aber die Macher glauben, wenn sie das Ganze in einer zudröhnenden Sauce von Discomusik ertränken, es würde dann weniger auffallen.

Trotzdem ist ein farbenprächtiger Feel-Good-Tumor-Film draus geworden, das Sterben wird ausführlich und minutenlang zelebriert, so lange, bis bestimmt ein paar Tränen fließen werden im Publikum. Ist es doch Edda, die von Jessica Schwarz als einzige Figur gespielt wird, die einen gewissen Widerstand gegen ihr Schicksal hat, die sich den Tod nicht bieten lassen will und zu einigen Aktionen sich hinreißen lässt, die sich ein angepasster Bürger, der an das ewige Leben glaubt, nicht erlauben würde, wie das Einschlagen der Fensterscheibe an der Tür des ehemaligen Arbeitgebers, eines Blumenladens, der sie wegen ihrer Krankheit geschasst hat oder einfach auf eine dumme Tusse eindreschen, mal so richtig – dabei kriegt jener Buddy ein blaues Auge, der ihrer Schwester die Story vom Krebs aufgetischt hat und der sich nun um die wirklich Kranke kümmern soll.

Edda wird durch ihr trotziges Verhalten gegen die Krankheit viel Sympathie beim Publikum ernten. Und die Buddies, nun, der eine ist Elyas M’Barek, der die sichere Sunny-Celentano-Nummer drauf hat, immer ein Grinsen im Gesicht und immer temperamentvoll, das ist schon was in einem deutschen Film, während sich Max Riemelt, auch er meist sonnenstudiobraun geschminkt, mit der Lügennummer schwerer tut. Eigentlich ist er ein ziemlicher Dreckskerl, die Krankheitslüge aufrechtzuerhalten, bis sie auffliegt – und so sonnig wie die beiden Buddies gezeichnet werden, ist es sowieso nicht ganz schlüssig, wieso sie glauben, die Masche mit dem Tumor einsetzen zu müssen.

Man denkt unwillkürlich an „2 Tage in New York“ von July Delpy, wie da als ein kleiner Handlungsstrang eine solche Krankheitslüge souverän und knapp und witzig eingeführt wird, wie aus der Notlüge heraus die Komplikationen sich entwickeln. Nichts dergleichen hier. Hier kommt einem die Substanz des Filmes recht dünne vor – und schlecht geschnitten ist er auch noch, oft werden die Schauspieler ungeschickt stehen gelassen am Ende einer Szene – dass sie als ein Studentenscherz in Kurzfilmform vielleicht erträglich zu komprimieren gewesen wäre, dann aber mit Witz und Schnittrasanz und nicht melodramatisch und auf bleiernen Füssen.

Sicher krankt das Buch auch daran, dass es – einmal mehr in einem deutschen Film – eine Gesamtsituation, hier eher eine Art Witz – erzählen möchte, dass es sich nicht für die Einzelfigur interessiert, dass sie keine Einzelfigur und ihren Grundkonflikt ins Zentrum stellt, die Figuren dienen lediglich dazu, den Witz, die beabsichtigt tragikomische Geschichte zu performen, wobei exakt die Grundlage zur Tragikomik fehlt, nämlich eine Charaktereigenschaft der handelnden Figuren, die durch die Diskrepanz zwischen Ziel der Handlung und eben der Eigenschaft, tragikomisch wirkt. Dem Film ist lediglich abzulesen, dass er dem Vorsatz der Tragikomik dienen möchte, es aber nicht kann.

Auch durch das Fehlen eines Handlungsgerüstes ist die Voraussetzung für Tragikomik nicht gegeben. Es scheint, dass mit diesem Film lediglich gemischte Gefühle hervorgerufen werden sollen. Film zur Evokation von Gefühlen. Als kleines Handlungsziel kann höchstens angegeben werden, dass Tim ein eigenes Restaurant eröffnen möchte; aber die Hindernisse dazu werden ausgespart. Wenn es nämlich auf das Ende des Filmes zugeht, ist das Restaurant praktisch über Nacht Wirklichkeit geworden und heißt, wie rührend und sentimental, „Edda’s“.

Ganz unlogische Vorgänge, die beiden sind in der Küche, Marie, die Angebaggerte ruft Tim an und er meint zu Can, „kannst du mal weiter machen?“ , zumindest eine Situation, die vermutlich eher nicht dem Leben abgeguckt ist. Oder später meint Marie, „ich muss zur Arbeit, bleibst Du noch ein bisschen bei Edda.“.

Die ganze Inszenierung und auch das Drehbuch scheinen einen weiteren Untertext zu haben: wir wollen Euch mit diesem Film einen Gefallen machen, wir wollen Euch mit diesem Film gefallen. Ein Gefälligkeitsfilm. Darum ist bei uns auch kein Mensch so richtig böse und darum werden die richtigen Konflikte auch ausgespart.

Das Positivste am ganzen Film, nebst der schönen Farbgebung und den prächtig geschminkten Darstellern, scheint mir die kurze, knappe, informative Erwähnung der fördernden Anstalten, ganz kurz anfangs weiß auf einer Schwarztafel (also ob sie ihren Einsatz am liebsten ungeschehen machen wollten?).

Bei einer Essenszene mit merkwürdig unnatürlich arrangierten Weingläsern kam mir plötzlich ein Flash-Back zum Film „Jasmin“, wo mich die Gläser der beiden diskutierenden Damen auch sehr beschäftigt hatten und siehe da, der Kameramann ist Jan Fehse, genau derjenige, der die Regie beim Diskutierfilm „Jasmin“ geführt hatte. Bei dem Essen hier kann der Rotwein nicht geschmeckt haben, denn es war immer gleich viel in den Gläsern.

Dramaturgisch ganz schwach eingeführt wurde die Szene mit dem Sprengstoffgürtel und der Erpressung des Bankers, des Ex-Freundes von Edda, der diese verlassen hat, wie die Krankheit bekannt wurde. Wie kann man so was vor lauter lieblich sein wollen, so verschenken.
Ach ja, auch diese Szene kommt bleifüßig daher: der Streich mit den Ziegen im Blumenladen.

Edda: Sag mal, geht’s noch.
Marie: Was ist denn hier passiert?
Edda: Tim musste mal aufs Clo.
Dann kommt kurz ein Satz zu Tod und Sterben.
Und dann: ich mach mal n’Tee.
—- und ich schreib mal schnell ein Drehbuch auf Clo.
Ein Molluskenfilm, weich und ohne Handlungsskelett.
So darf bei diesem heiter-wolkigen Wohlfühltumorfilm der Witz von den zwei Nachrichten an den Kranken nicht fehlen: die schlechte, er habe Krebs, die gute, er habe Alzheimer.

Abgewandelt: die schlechte Nachricht: ich habe den Film gesehen, die gute: ich habe ihn schon wieder vergessen.

4 Gedanken zu „Heiter bis Wolkig“

  1. Mann, schreibst Du schlechte Kritiken. Ewig verschachtelte Sätze ohne Pointe. Da empfiehlt sich erstmal ein Journalistenstudium bevor man wieder auf die Leser losgelassen wird.

  2. Vielen Dank für das Feedback, Tim Son. Beim nochmaligen Durchschauen der Review kann ich einen einzigen Schachtelsatz finden, der möglicherweise den schnellen Lesefluss kurz einbremst, das ist in Abschnitt 7.

    In Abschnitt 1 (über 5 ½ Zeilen) und 4 (6 Zeilen) sind kleinere Bandwurmsätze zu finden, da wird aber nichts verschachtelt; Relativsätze sind für mich keine Schachtelsätze; die müsste ein mittelintelligenter und filminteressierter Zeitgenosse bei einmaligem Lesen verstehen können.

    Meine Erfahrung mit dem Blog hier ist folgende: Leute, die inhaltlich meinen Reviews nichts entgegenzusetzen haben oder die wenig Lust, Talent oder Erfahrung mit inhaltlicher Auseinandersetzung haben, die meckern gerne über den Stil oder sprechen mir gar jegliche schreiberische Fähigkeit ab. Sie, Tim Son, scheinen zur ersteren von dieser Sorte von Lesern zu gehören.

    Es wäre vielleicht an der Zeit, über eine Leserschulung nachzudenken.

  3. „Die pastorale Grundaussage dieses Filmes scheint mir die zu sein, das Leben ist schön und da es nicht immer heiter sein kann, gibt’s auch Wolken, aber alle Menschen sind im Grunde genommen nett und wenn man sie makellos braun schön schminkt, sind sie auch bis zum Tode sehr ansehnlich, und überhaupt sind die Menschen zum Anbandeln geschaffen und darum brauchen wir diesen Film und brauchen ihn ohne ein wirkliches Handlungsgerüst und Schwierigkeiten beim Anbandeln sind mit kleinen Lügen leicht zu lösen, der Kumpel erzählt der anzubaggernden Frau, sein Kumpel sei krebskrank und möchte noch einmal mit einer Frau schlafen.“
    Was soll das bitte sein? Für mich als geneigten Leser der hin und wieder eine Filmkritik liest nur eins: eine Zumutung. Da kommt man leider
    gar nicht zur inhaltlichen Diskussion. Bei einem Blog der sich „…journalisten“ schimpft erwarte ich mehr formale Kompetenz. Danach gerne mehr zum Film..

  4. Das tut mir natürlich leid, Tim Son, wenn dieser Text für Sie zu schwierig ist. Aber Sie sollten nicht gleich dem Autor die Qualifikation in Abrede stellen, bloss, weil Sie offenbar Verständnisschwierigkeiten haben. Wo harkt es denn bei Ihnen? Kennen Sie das Wort „pastoral“ nicht, kennen Sie den Begriff „Grundaussage“ nicht, kennen Sie den Begriff „anbandeln“ nicht? Ich werde allerdings den Verdacht nicht los, dass Sie diese Review, weil Sie Ihnen aus irgend einem Grund nicht in den Kram passt, am liebsten aus der Welt schaffen würden, darum putzen Sie lieber den Autor und seinen Stil runter statt nachzufragen. Was ist Ihrer Meinung nach denn die Grundaussage dieses Filmes? Und wenn sie nicht pastoral ist, was ist sie dann? Haben Sie den Film überhaupt gesehen?

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