To Rome with Love

Schon verwunderlich, dass einen so erfolgreichen und weltberühmten Mann wie Woody Allen offenbar nichts weiter umtreibt außer den Problemen von Berühmtheit, Prostitution und am Rande jenes der Liebe nebst der zur Zeit serienmässigen Liebeserklärungen an europäische Städte, Barcelona, Paris (letztere war aus einem Guss, die Hommage und sehr nützlich für Bildungslückenbüßer, die am Gymnasium nicht aufgepasst haben); aber in Rom scheint sich die Gefahr serieller Hommages an europäische Städte zur Klippe ausgewachsen zu haben, sei es, dass es am Cast liegt, der hier so gar keinen harmonischen Eindruck erweckt, dagegen wirklich schmerzhaft die Erinnerung an „Midnight in Paris“, ein Cast, der hier so gar nicht dieses meist bei Woody Allen so wunderbar rüberkommende Family-Feeling ausstrahlt, oder hat Rom in seiner Monumentalität den New Yorker nicht so richtig inspiriert?

Es kommen all die berühmten Dinge vor, die Fontani die Treve, Travestere, der Vatikan, die Hügel, Ferrari, Fiumincino, das Colosseum, eine katholische Prozession, Roma Termini, Alitalia, die Spanische Treppe, das Postkarten-Rom – abgelutschter geht’s nicht.

Es gibt zwar eine junge, ambitionierte Schauspielerin, die wohl die Ambition karikieren soll, da wird von Camus und Kierkegaard und Rilke geredet, aber nicht mal Dante kommt vor; immerhin wird in einem Kino, aus dem ein paar Besucher raus kommen gerade „Die Einsamkeit der Primzahlen gespielt“, aber ist Sisyphus auch ein Italiener, den die Künstlerin Monica anführt, ja der Name Monica, der spielt eine Rolle und italienische Musik, das Bekannteste vom Bekannten, „Cantare“ und „Bajazzo“.

Ach ja, vielleicht will Woody Allen, der verlauten lässt, auch in Deutschland einen Hommage-Film drehen zu wollen, vielleicht will er sich mit einem innovativen Opern-Gag für Bayreuth empfehlen? Denn er selbst spielt einen Opernregisseur, der einen Sänger entdeckt hat und groß rausbringen will, der kann aber nur unter der Dusche singen, also muss im Bajazzo in jeder Szene eine Dusche eingebaut werden und dann singt die unangepasste Weltstimme wunderbar – vielleicht könnte so etwas dem kriselnden Bayreuth wieder auf die Sprünge helfen?

Nicht frischer als „Moral“ von Ludwig Thoma ist die Story mit der Nutte Anna, die durch einen abgegriffenen Komödiengag plötzlich zur Ehefrau eines italienischen Spießers wird und bei einer Promi-Party sämtliche Herren aus ihrem Adressbuch vorfindet.

Die Medienparodie mit dem armen Roberto Begnini, der von den Medien für einen Tag zum Star auserkoren wird, hechelt eher hinter dem Privatfernsehen und Dschungelshows ohne besonders scharfen Witz hinterher, garantiert kein filmisches Frischobst.

Die Dialoge sprechen die Leute sehr laut und sehr undifferenziert direkt. Vielleicht stört in Rom selbst beim Drehen ein ständiger Lärmpegel von Autohupen, gegen die die Inszenierung anschreien muss?

Alec Baldwin erscheint wie ein mythologische Figur, als ein berühmter Architekt, der einen jungen Bewunderer durch die Absehbarkeit der Entwicklung einer Anbandelei begleitet. Das ist nett, diese Vaterhaftigkeit.

Seitensprunggeschichte ist noch ein Thema. Das in einer Familie, die karikaturhaft gezeichnet wird. Die Schauspielerin, die Miss Julie spielen will, ja so sind sie immer, sie fühlen sich groß. Was ist die Ozymandias-Melancholie, vielleicht ein Insiderwitz der Produktion – oder selbstreflektiver Hinweis auf die Vergänglichkeit auch dieses Kino-Werkes? Hat die Welt keine dringenderen Probleme als die des Berühmtseins? Das verteidigt Woody Allen, reich und berühmt sei doch schöner als arm und unbekannt: aber offenbar nicht immer inspirativ. dem Film fehlen Witz und Würze.

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