Schatzritter und das Geheimnis von Melusina

In dieser luxembourgisch-deutschen Koproduktion arbeitet sich die Regisseurin Laura Schoeder mit viel Fleiß und ohne je die Übersicht über den Stoff zu erlangen am Drehbuch (laut IMDb) von Stefan Schaller, Martin Doljes, Oliver Kahl, Eileen Byrne nach einer Stoffentwicklung von Christoph Englert und Elodie Malanda in der Art einer Und-dann-und-dann-und-dann-Erzählung schrittweise ab.

Vielleicht haben zu viele Drehbuchköche hier den Brei verdorben. Aber mit Kindern kann man ja alles machen. Die können mit allem was anfangen. Ob sie allerdings nach diesem Film sagen, sie wollen ihn unbedingt noch einmal sehen, das wage ich eher zu bezweifeln.

Zu sehr kommt einem dieses Kinoprodukt vor wie eine Art, wenn auch aufwändig, inszenierten Readings mit einem durchgängig womöglich bewusst drittklassig ausgewählten Cast; die Figuren sprechen alle ein sehr neutrales Hochdeutsch, immer sehr distanziert, Gefühle wie Tränen werden lieber mit ein paar Tropfen Glyzerin unter den Augen markiert, wenn Julia jammert, dass ihr Freund Schluss gemacht hat.

Der Film ist eine reine Aneinanderreihung einer Fülle von typischen Kinderfilmszenen und -konstellationen. Der Faden einer losen Geschichte ist vorhanden: der Bub Jeff wohnt bei seinem ständig um ihn sich ängstigenden Vater, Betreiber eines Campingplatzes am Fuße einer Burgruine, die dem Vater gehöre. Die Mutter ist gestorben. Seither fährt der Vater den Sohn mit dem Tandem zur Schule, wo Jeff ein gehänselter Außenseiter ist.

Den Tod der Mutter hat Jeff durchs Schlüsselloch mitgekriegt, ist seither traumatisiert von der Fantasie eines Schwarzen Bruders mit einem künstlichen Arm, aus dem Blitze kommen können.

In den Sommerferien kommen Leo und Julia mit ihren Eltern auf den Campingplatz. Zusammen mit dem weiteren Außenseiter „Killer“, der am liebsten in den verschiedensten Kostümen rumläuft, können jetzt die Abenteuer los gehen.

Allen ist offenbar klar, dass es um Melusine geht und dass die einige Tage hier sein wird und dass sie, wenn der Schatz gefunden wird, auch erlöst werden kann.

Die Gegenspieler sind die Schwarzen Brüder, auch die eher Übelkeit erzeugende Klischeefiguren. Es folgen viele Szenen, in denen die bekämpft werden müssen. Es ist echt schwierig einen Faden für die Nacherzählung zu finden. Es kommen als Requisiten vor: Goldene Steine, ein Schwert mit einer geheimnisvollen Inschrift, ein Tränenfläschchen, die traurige Eiche, ein Eichenkostüm, ein Kreuzritterkostüm, Tinte, ein Stempel zum Abrollen, ein Aal, der Stromstöße austeilt, eine Putzfrauennumer in der Kathedrale.

Alles wird aneinandergereiht in dieser Verfilmung und die Cadrage, die die Kamera wählt, lässt alles sehr eng erscheinen, dass man sich den Film sofort auf den Fernsehschirm verwünscht, sie lässt keinen Denkfreiraum dem Zuschauer, sie fordert von ihm eher mühsames Entziffern der Geschichte, worauf das alles hinaus laufen soll. Es gibt kurze Pubertätswortwechsel zwischen den Jungs und der Schwester von Leo. Die Kinder behaupten, sie würden sich vorkommen wie im „Indiana Jones“. Die Besetzung strahlt den laienhaften Charme des Durchschnitttypischen aus.

Kino luxembourigescher Hausmacherart dem jeglicher Spannungsbogen fehlt, da es sich nicht für die Konflikte der Figuren interessiert. Man hat ständig den Eindruck, die Darsteller seien in jeder Sekunde über den Ablauf der Geschichte informiert und sie berge keinerlei Geheimnis für sie, sicher eine Folge von beidem, dem Buch und der Regie. Dem Kino fehlt hier schlicht das Kino. Und dann auch hier wieder die fürs Kino meist tödliche Frage „Was ist passiert?“.

Das Sympathischste an diesem Film ist, dass er angenehm kurz (80 Minuten) und aus Luxembourg ist.

Andererseits: vielleicht ist es gerade dieses Fragmentarische, das Unausgearbeitete, dieses Aneinanderreihen, das die Aktivität im Kopf des kleinen Zuschauers in Gang setzt. Wer sich aktiv einen Film zusammenbastelt, der muss kein schlechtes Gefühl dabei haben. Kino zum Selber-Basteln?

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