Strutter (Filmfest München)

Brett Pierce geht es nicht besonders. Er ist Sänger in einer Rockband in Los Angeles. Und er erfährt, dass ihn die Frau, die ihn inspiriert, verlassen hat, weil sie jetzt mit seinem Rivalen Damon zusammen ist.

Über 8 höchst geschmackvolle Filmkapitel findet Brett mit Hilfe seiner Freundin Reggie und über Ausflüge in wunderbar aride Wüstenlandschaften und Besuch bei seinen Eltern wieder sein Gleichgewicht.

Die Filmemacher Allison Anders und Kurt Voss, die machen das souverän verspielt, sozusagen gerne mal den Focus auf einer kleinen Nebensache richtend, Popcorn, wie es springt und dargereicht wird, während eine Bandprobe läuft. Oder mit dem Vater, da kommen die nicht hin, wies vielleicht beim Deutschen Kino wäre, um das Problem zu besprechen, nein, der Vater, selber Rock-Musiker und mit langem Haar findet, er müsse mal wieder zu seinem Frisiersalon. Aber die Friseuse weigert sich.

Ausklingen lassen kann man die Sache auf einem Rummelplatz am Meer beim Santa Monika Pier im Kapitel „Show-Time“. Oder es gibt einfach ein schönes Bild her, wenn vier Musiker in malerischen, in texanischen Kostümen sich in einer Wüstenei unter einen hoch aufgebockten Wassertank stellen.

Der Film ist in verführerische schönem Schwarz-Weiß gedreht. Und Film im Film gibt es selbstverständlich auch, denn die Freundin von Brett ist Filmemacherin. Und selbstverständlich kommen immer wieder Songs vor, die wirklich gut anzuhören sind. Aber dann auch wieder Gespräche, über Sinn und Zweck einer Muse. Oder Brett geht in den Plattenladen, in dem Damon arbeitet, sucht eher verzagt eine Art Annäherung an den Rivalen.

Verbinden kann auch eine Art arachaischer Ur-Gesang, der „fucking awsome“ werden kann: einer stimmt einen Ton an, einen hohen, hält diesen und die anderen stimmen in versetzten Tonlagen ein, eine intensive nonverbale Kommunikation. Genau so mystisch ist das Glockenspiel beim Vater im Garten, das sich vom Wind anklingen lässt.

Als filmische Instanz oder Verehrungsgrösse oder Markierungsgrösse wird „Cassevetes“ angegeben, der läuft grade im Familienkino. Und vier der Darsteller schauen sich Stummfilmausschnitte mit Jack Pickford an und Brett setzt sich dabei an eine Elektroorgel und improvisiert dazu.

Der Film kommt mir vor wie eine erfahrungsvoll gekonnte und gepflegte Hommage an die Musik, den Film und vor allem: an die Menschen dahinter.

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