Resistance (Filmfest München)

Verkehrte Welt. 1945. Die Nazis sind dabei, England zu erobern. Ein kleiner SS-Trupp durchkämmt ein dünn besiedeltes walisisches Tal auf der Suche nach englischen Soldaten. Sie finden aber nur Frauen und Kinder. Die Männer haben sich in die Wälder verzogen. Die Soldaten quartieren sich bei den Frauen ein. Es kommt zu persönlichen Kontakten. Und sogar zu einem Liebesverhältnis. Wir lernen, Soldaten sind auch nur Menschen, so jedenfalls dürfte die gut gemeinte, löbliche Absicht der Filmemacher gewesen sein.

Der diese Idee hatte, heißt Owen Sheers. Amit Gupta hat mit ihm am Drehbuch geschrieben und auch die Regie geführt, bei einem Film, währen dessen Screening ich mich gefragt habe, ob es hier vor allem um einer Art Kameraübung gegangen sei, für die irgend eine Geschichte erfunden werden musste. Die Engländer spotten ja heute noch gerne über die Deutschen als Nazis. Auf die Idee mit der Kameraübung komme ich, weil der Film sich in Portraitfotografie zu profilieren versucht. Die Personen sind immer, meist halbnah, sehr gut konturiert zu sehen, heben sich wie herausgeschnitten von den zur Verschwommenheit neigenden Hintergründen ab. Das gibt der ganzen Angelegenheit etwas sehr Künstliches, als ob hier eine ganz heikle Mission zu erledigen sei. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch unrealistische Schminke der Gesichter, ganz unnaturalistisch, sehr weiß-bleich vor allem die Frauen. Aber auch die Männerdarstelller wurden um alles Individuelle entschminkt. Auch wie sie die Texte getragen sagen, gibt der Sache etwas Missionarshaftes oder auch Scheinheiliges.

Vielleicht fühlten sich die Macher inspiriert „Le Silence de la Mer“, ein sicher nach wie vor nicht genügend anerkannter Film von Melville, in dem Nazis sich bei Franzosen einquartieren. Melville hat in seinem Film eine bedrückende und gleichzeitig menschlich spannende Stimmung geschaffen hat, voller Zwischentöne, voller Untertexte, voller Schmerz, momentweise nur schwer erträglich.

In dieser „Resistance“ ist davon allerdings nichts zu spüren. Bild- und Sprachmessage, die nun doch sehr bescheiden sind und uns weis machen wollen, was gewissermaßen auch stimmt, dass Soldaten und sogar Nazis und sogar SSler auch nur Menschen seien, die ist hier so überdeutlich und non-individuell (gegen über Melville, par exemple!) artikuliert; das Projekt, durch die Portraitierung dem Krieg und den Kriegsteilnehmern ein Gesicht zu geben wird gerade durch den Entscheid für diese Art Portraitfotografie konterkariert. Dieser Film ist wie mit Großbuchstaben Wort für Wort buchstabiert. Überdeutlich, so dass die Message, die keine ist, flöten geht.

Oder ist es gar ein Versuch, Kriegsfilm wieder salonfähig zu machen? England hat da ein anderes Verhältnis als Deutschland. Man müsste mal die deutschen Schauspieler, die hier mitgemacht haben, fragen, was sie bewegt hat, diese nur durch die Fotografie erkennbar gewordenen Rollen, deren Texte in Scheinheiligkeiten ausarten anzunehmen.

Wie bei Melville gibt es auch ein gepflegtes Gespräch beim Bücherlesen. Es wird eine Geschichte von einem Herrmann erzählt, einem Arzt, der wohl menschlich war, er sollte immer die am schlimmsten Verletzten auflisten, denn die würden nicht in die Heimat zurückgebracht, weil sich solche Krüppel am Kuhdamm nicht gut machten. Inszeniert haben die Macher ihre Belanglosigkeit wie Staatstheater. Und dann ein paar gedankenschwere Texte über Krieg, das Überleben, die Natur des Widerstandes, welchen Entscheid zu fällen, was zeige, wer wir sind.

Ein Herr Steiner kommt auch vor, ein Wolfram, ein Herr Hauptmann.

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