Mathieu Demy, ein Franzose aus feinstem europäischen Kinohause, Vater war Jacques Demy und Mutter Agnès Varda, verläuft sich hier als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller geschmackvoll und in dezent eleganter, makelloser Kinosprache, dazu mit einer Besetzung vom Feinsten, Salma Hayek, Geraldine Chaplin, Chiara Mastroianni, Carlos Bardem und Bernd Willms sind mit von der Partie, im ewigen Mutter- oder Frauenthema eines jungen Mannes.
Martin, so heißt unser Protagonist, hat nicht nur eine Beziehung, sondern auch noch eine Geliebte. Mit dieser ist er gleich zu Beginn in einen heftigen Liebesakt involviert. Ein Anruf kommt dazwischen. Seine Mutter, die in L.A. lebt, ist gestorben. Er selbst lebt in Frankreich, hat jedoch einige Zeit bei seiner Mutter in L.A. gelebt und hat auch einen amerikanischen Pass. Jetzt soll er rüber fliegen, um die Wohnung zu verkaufen.
Widerwillig macht er sich auf den Weg, denn der Vater drängt, und die Mutter möchte außerdem in Frankreich beerdigt werden. Martin hat einen Widerwillen gegen Amerika, das dürfte damit verbunden sein, dass seine Erinnerungen an seine Mutter nicht die besten sind.
In L.A. reiht er sich nach Verlassen des Flugzeuges in die Reihe der Nicht-Citizens ein, die ist aber sehr lang (wohl weil langsam wegen übermäßiger Sicherheitschecks), so wechselt er dann doch in die nächste, leere Reihe der amerikanischen Bürger. Der sture Beamte lässt einen befürchten, er würde nicht reingelassen, er muss auch noch Fingerabdrücke abgeben. Dann darf er das Land betreten. Nebenan sitzt eine verzweifelte Mutter mit Kindern, der das offenbar nicht vergönnt ist.
Wohnungsauflösung. Wie er pralle, blaue Müllsäcke vor das Haus bringt, kommt mir unwillkürlich jener Schweizer Mutteraufarbeitungsfilm „Sieben Mulden und eine Leiche“ von Thomas Hämmerli in den Sinn.
Mit den Müllsäcken ist es aber nicht getan. Es gibt Komplikationen mit der Wohnungsauflösung, die führen Martin statt gleich zurück nach Frankreich nach Mexiko. Dort soll Lola, eine Freundin seiner Mutter leben, der möchte er die Wohnung vermachen. Bis dorthin verlustiert sich der Film im Genre des amerikanischen Roadmovies. Martin fährt in einem wunderbar roten, offenen Ford-Mustang einen langen Weg nach Mexiko. Muttersuche als abenteuerliches Roadmovie?
In der Bar „Americano“ wird er fündig. Er wird auch einer Lola vorgestellt, doch die will von ihrer Vergangenheit nichts wissen, die ist nur an Geld interessiert. Das kann allerdings schwierig werden, wenn das Auto mit all den Papieren und dem Geld geklaut wird.
Komplikationen beim Mutteraufarbeitungsthema in und um ein mexikanisches Bordell herum mit bestens gouttierbarem Poledance von Salma Hayek, die in ihrer beruflichen Variante mit Perücke und Schminke so hergerichtet ist wie ein aufregendes Gemälde von El Greco. Und eine kleine Notiz am Rande des Bordells ist der Sohn eines geflohenen deutschen Nazis, der in Mexiko eine Bierbrauerei gegründet hat; der Sohn konnte diese Geschichte nicht verarbeiten, ist zum Penner geworden, der sich ständig besäuft und nazitonmässig rummault.
Theoretisch nach Drehbuchkonzept findet Martin durch diesen filmschönen Trip zu sich selbst, was mir empirisch aber dann doch nicht so ganz nachvollziehbar war. Merkwürdigerweise würde ich von einer inhaltlichen Gemütlichkeit oder Behäbigkeit bei ansprechenden und geschmackvollen Kinobildern sprechen wollen.