Invasion (Filmfest München)

Burghardt Klaußner spielt Josef und der steht an einem Grab und spricht mit klarer Sprache etwas vor sich hin. Dann wird er von einer jungen Frau angesprochen. Nina heiße sie und sei eine Cousine seiner verstorbenen Frau. Er kann sich nicht erinnern. Nina sagt, sie sei Schauspielerin. Bald schon ist sie bei Josef zuhause. Ein herrschaftliches Gebäude mit Anbauten für Stallungen oder Garagen. Wo das Haus steht wird nicht klar. Was Josef im Leben erreicht hat, um in so einem Haus zu wohnen, ebenfalls nicht. Seine Rolle heißt Josef Mendel, sonst gibt es wenig Info hierzu.

In einem Zimmer sind die Möbel mit Tüchern abgedeckt. Nina nistet sich im Haus und im Leben von Josef ein. Täglich bringt sie neue Leute mit. Erst ihren Sohn Simon. Dann dessen Frau Milena (Schönheitschirurgennäschen und aufgespritzte Lippen). Simon trainiert Kendo, eine gewaltlose Kampfsportart. Dann kommt Konstantin, der Freund von Nina. Der bringt weitere Geschäftspartner und Klienten mit. Das Haus füllt sich zusehends bis Josef die ganze Bagage eines Tages rausschmeißen will, aber die bereiten ihm ein Weihnachtsfest.

Das ist ein Film ohne Handlung, ohne Charakterzeichnungen mit sehr viel papierenen Texten, die die Schauspieler so sauber wie gepflegte Synchrontexte sprechen. Es gibt in diesem Film nur den Vorgang, dass ständig neue Leute sich in dieser offensichtlich verführerischen Filmlocation weil geräumig und leerstehend heimisch machen. Simon geht einmal einkaufen und anfangs schrubbt er mit Nina das Schwimmbad, in dem auch viele Szenen spielen werden, eine mit einer Toten.

Die Schauspieler behelfen sich mit einer Art Realismus-Spiel, wie man es von gängigen Gerichtssendungen her kennt. Die Degeto, deren hinauskomplimentierter Chef Jurgan noch groß im Vorspann erscheint, hat diesen deutschen Film des georgischen Regisseurs Dito Tsintsadz produziert. Funktionärsnennungen im Vorspann eines Filmes sind inzwischen so etwas wie ein schlechtes Omen.

Was der Regisseur, der auch das Buch geschrieben hat, uns hier erzählen will, wie unbeleckt von unserer Zeit, bleibt wohl sein Geheimnis. Vollends unklar bleibt, wieso die Figur Josef, von der es praktisch keinen Hintergrund gibt, außer dass er in dieser auch nicht eindeutig zuzuordnenden Gebäulichkeit wohnt, auch seine finanziellen Background bleibt unklar, er fährt ein sehr bescheidenes kleines Auto, mit dem sich kleinere Waren transportieren lassen, es bleibt also unklar, wieso Josef das alles mit sich machen lässt, bis zum einen Rausschmiss, es bleibt unklar, so spielt Klaußner es zumindest anfänglich, ob er an Demenz leidet oder bloss an seiner Einsamkeit ausgenutzt wird.

Vielleicht sind die Leute alle da auch nur aufgetaucht, damit Tsintsadze einen Film machen konnte. Der Film präsentiert sich doch als ziemliches Einfaltskino. Es fällt mir auch schwer, den Film als Bildnis zu sehen für weissgottnicht Betrügerei, Übers-Ohr-Hauen, Folgen der Einsamkeit. Die Begegnungen werden so eingeführt, dass ihnen jeder Realismus, also jede filmrealistische Glaubwürdigkeit abgeht. Und eine künstlerisch-symbolistische oder visionäre oder vielleicht farcehafte Interpretation kann ich auch nicht erkennen.

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