Noch tausend Worte

Mein Mitgefühl für Eddie Murphy fing in diesem Film von Brian Robbins (Buch) und Steve Koren (Regie) nach etwa einer Stunde an, wie er seinen Job verloren hat. Er spielt den Verleger Jack McCall, der groß- und schnellsprecherisch ist. Diese Eigenschaften werden ihm zum Verhängnis werden, wie er den Big Deal schlechthin einfädeln möchte, er kann ja alles erreichen, blufft er, er will das Buch, das der große Guru Dr. Sinja geschrieben haben soll, publizieren.

Ohne jedes Verständnis für Spiritualität mischt er sich unter eine Gruppe von dessen Jüngern, macht die Om-Übungen mit und weil er dem Meister nicht auffällt, greift Eddy-Murphy auf einige Eddy-Murphy-Übertreibungen zurück, bis er vom Meister eine Sonderbehandlung erhält und ihm dadurch sein Angebot unterbreiten kann. Erst weist der Meister das Angebot barsch zurück. Murphy verfolgt ihn in seinen Garten. Lässt Energie an einem Baumstamm aber, aber der stösst ihn zurück. Am Baum bleibt eine Wunde zurück.

Im schicken Wohnpavillon zuhause, der alles andere als familienfreundlich eingerichtet ist, schlägt ihm seine Frau in einer Parallelhandlung vor, ein anderes Haus mit familärerer Atmosphäre zu kaufen – wegen dem Kind. Der unsensible McCall kapiert das nicht, steigt nicht drauf ein.

Aber man schlägt nicht ungestraft einen spirituellen Baum oder einen Baum aus einem spirituellen Garten. Plötzlich wächst innert Sekunden, verbunden mit Erschütterungen, die einem Erdbeben gleich sind, in seinem Garten ein ganzer Baum. Bei näherer Betrachtung erweist sich: es ist der Baum aus des Meisters Hain, den Murphy verletzt, beleidigt hatte.

Die Geschichte wandelt sich jetzt zu einer Geschichte, die vom Respekt vor der Natur und damit impliziert: vom Respekt vor den Menschen und der Familie handelt, eine sehr schöne, anrührende mythische Geschichte, von der Natur die sich rächt. Man denkt an den Indianersatz, den die Umweltbewegung gerne zitiert hat, „erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann“, der besonders auch auf den skrupellosen Bestsellerverleger McCall Anwendung finden kann. Denn ab dem Moment, wo die Natur sich aufzubäumen angefangen hat, gilt für ihn: für jedes gesprochene Wort von ihm fällt ein Blatt vom Baum und mit dem letzten Blatt wird er sterben.

Seine Worte oder Wörter werden ab dem Moment immer kostbarer. Andererseits bietet dieser Vorgang willkommenen Anlass für viele Eddy-Murphy-Gesichtsverrenkungen, die Versuche, Wörter zu gebärden oder mit Tierlauten zu ersetzen. Eddie-Murphy-Komik vor mythisch-naturphilosophisch-spirituellem Hintergrund und da er das alles wohldosiert macht, nicht mehr mit diesem Überlebens-Need vorn früher auf Teufel komm raus einfach aufzufallen, so nähert sich der Film immer mehr einer anrührenden Familiengeschichte, denn die Familie und ihr Glück sind das Höchste und Größte und das kann das amerikanische Kino nie genug in sentimentalen Farbtönungen ausmalen.

Peinlich allerdings die offensichtliche Starbucks-Werbung, die sich hier zum Rohrkrepierer entwickeln dürfte, denn im Starbucks-Moment ist er noch der ruchlose, rücksichtslose Karrierist. Das ist in der Phase des Filmes, wo der heilsgeschichtlich-naturspirituelle Impetus noch nicht erkennbar ist, wo der Eindruck entsteht, Murphy versuche irgendwie Orientierung suchend an früher anzuknüpfen, aber er ist ruhiger geworden, und so nimmt man ihm im ersten Moment den Verleger nicht so ganz ab, denkt, aha, da musste eine Story herhalten, um dem alternden Mimen ein paar Brötchen zum Verdienen zu geben – und einigen Produzenten dazu.

Diese Haltung weicht alsbald milder Sympathie, ab dem Moment, wo er um sein Überleben kämpft und weiß, mit jedem Wort, das er sagt, kommt er dem Tod einen Schrittchen näher.

Wunderschön eingefügt, die Blattfall-Szenen, nicht zu viel nicht zu wenig. Weitere nette Zutaten zu der Geschichte, die nicht allzu sehr überraschen, wie sie zu einem Sonntagsnachmittags-Familienkuchen gehören: der sehr junge Assistent von McCall, die Szene mit dem Blinden und dem Tauben, altes Komödianten-Handwerk, die demente Mutter, die einen hochmoralischen Speech an ihren Sohn hält und meint, sie spreche mit ihrem Mann, sein Gärtner, der den Lebensbaum mit Insektenvertilgungsmittel einsprüht, die Blind-Date-Szene mit seiner Frau im Hotel. Auf solche Zutaten greifen Autoren wohl gerne zurück, wenn sie ihrem Thema nicht allzu sehr trauen, es nicht radikal durchdenken wollen, sondern eher angenehm verdaulich zu präsentieren gedenken, hoffend, mit dieser Methode, Familien Anlass zu einem netten Gemeinschaftserlebnis im Kino zu geben. Was ihnen hier sicher im Rahmen der Erwartungshaltung an ein solches auch gelingt. Und vom moralischen Standpunkt aus gesehen ist die Angelegenheit sowieso nicht zu bekritteln.

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