Ai Wei Wei: Never Sorry

Ai Wei Wei ist ein international berühmter chinesischer Künstler und eine beeindruckende Persönlichkeit dazu. Sein Prägung erlebte er im maoistischen China. Sein Vater war der Lyriker Ai Quiung, der in der Provinz verbannt wurde und nicht mehr schreiben durfte. Der kleine Sohn erlebte Schikanen und Demütigungen seines Vaters hautnah.

Er verbrachte als junger Künstler etwa zehn Jahre in New York. Konnte schon Ausstellungen mit auffallenden Objekten machen.

Wie er in den Neunzigern nach China zurückkehrte, veranlassten ihn die gesellschaftlichen Umstände dazu, politisch zu werden. Denn er war stets für Meinungsfreiheit. Seiner ersten Ausstellung in China, die auf chinesisch zwar anders hieß, gab er den englischen Titel „Fuck Off“.

Mit dem Aufkommen des Internets, fing er bald an zu twittern. Solche Twitter-Texte kommen im Film von Alison Klayman, die Ai Wei Wei drei Jahre lang begleitet hat, auch immer wieder vor. Zuletzt die Aufforderung „never retreat, retweet!“. Das hat auch seiner Bekanntheit, zuerst in China, dann weit drüber hinaus, einen starken Schub gegeben.

Bei der Ausstellung in München „So sorry“, erinnerten 9000 Rucksäcke an der Fassade des Hauses der Kunst an die beim Erdbeben in Sichuan getöteten Schulkinder. In der Ausstellung in der Londoner Tate-Gallery von 2010, „Sunflower Seeds“ bedeckten 100 Millionen Porzellan-Sonnenblumenkernen den Boden der Ausstellungshalle. Man sieht Ai Wei Wei selbst einige bemalen.

Bei dem Erdbeben kam er in Konflikt mit den chinesischen Behörden. Mit seinen Twitter-Texten und Filmen, mit einer Liste der Namen aller getöteten Kinder machte er auf den Behördenschlendrian beim Bau offensichtlich nicht erdbebensicherer Schulhäuser aufmerksam.

Vor der Münchner Ausstellung kam es zu einem nächtlichen Polizei-Razzia in seinem Haus in China. Diese kommt im Film vor allem mit Tonaufnahmen vor. Bei der Razzia wurden ihm schwere Verletzungen am Kopf zugefügt, die in München behandelt werden konnten. Wobei er selber immer eifrig auf alles die Kamera hält, den Blutbeutel oder die Röntgenaufnahmen.

Sein neues, großes Studio in Shanghai wurde von den Behörden eingerissen, noch bevor er es benutzen konnte. Auch das ist im Film schmerzlich zu sehen.

Dann sein Verschwinden. Der Aufruhr in der Welt. Die Demos. Die 81 Tage im Gefängnis als inzwischen weltberühmter Künstler. Die Verweigerung jeglichen Interviews bei der Rückkehr nach Hause. Später singt er für ein Video. Aber das Jahr der Bewährung, das ihm die Behörden zugesagt haben, ist noch nicht um.

Einmal fragt ihn die Filmemacherin, dass sein Name inzwischen so was wie ein „Branding“ sei. Dem kann er nur schulterzuckend zustimmen. Er scheint durch den gelegentlichen Medienzirkus hindurchzugehen mit der Konzentration mit der er seine Kunstwerke schafft. Die Sache zählt und nichts anderes. Insofern ist so einem Künstler wohl filmisch auch nicht weiter beizukommen.

Er ist, das wird anfangs gezeigt, fasziniert von den Katzen. Besonders angetan hat es ihm diejenige, die entdeckt hat, wie sie mit einem Sprung an eine Türfalle, die Türe öffnen kann. Das hat Ai Wei Wei auch gefilmt.

Eine Aktion, die bis Drehschluss dieses Filmes noch nicht beendet war, die er aber wie eine Kunstaktion betreibt, das ist die Aufarbeitung des Kopfschlages des Polizisten bei dem nächtlichen „Besuch“ der Polizei in seiner Wohnung. Mit Anwalt und oft großem Medientross begibt er sich zu den verschiedensten Gerichts- und Amtsstellen, um nicht aus Rache sondern der Gerechtigkeit zuliebe eine Anklage gegen den Polizisten zu erheben. Das wäre eine eigene Dokumentation wert.

De facto erliegt die Filmemacherin der Versuchung der verehrenden Dokumentation. Aber, das scheint mir das Faszinierende an diesem Film, die kann mit Ai Wei Wie so gar nicht gelingen. Die perlt an ihm ab; er scheint eine Art Verehrungsresistenz entwickelt zu haben – zumindest kommt das so rüber.

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