Dieser Film mit dem laut IMDb vergleichsweise kleinen Budget von etwa 5 Millionen Dollar hat allein in den USA am Eröffnungswochenende über 7 Millionen Dollar eingespielt und innert der ersten drei Monate schon fast das Fünffache des Budgets. Man könnte daraus schließen, ein kleine Geschichte gut erzählt kann ein lohnendes Geschäft sein.
Ein Typengeschichte, die sich vor allem für das interessiert, was zwischen den Menschen passiert und weder für großes Sounddesign noch wilde Kamerfahrten oder Schnittbrillanz. All das technische Drumherum wurde pragmatisch angegangen, so dass es der Story dient, denn die verdient auch alle Aufmerksamkeit.
Ned Rochling, ihn spielt Paul Rudd, ist ne haarige Type und die Titelfigur, unser idiotische Bruder. Er ist das schwarze, ehrliche Schaf der Familie. Seine Mutter und seine drei Schwestern Liz, Miranda und Natalie mögen ihn zwar, aber er bringt ihre Leben, ihre Glücke, die sie nur mit Tricks aufrechterhalten können, schnell und leicht durcheinander.
Am bedingunglosesten hält sein Hund zu ihm. Den kriegt er nach seinem Knastaufenthalt, der früh im Film passiert, jedoch nicht mehr zurück.
Seine ungeschickt ehrliche Art erfahren wir zum ersten Mal, wie er an seinem Gemüsestand einem Polizisten in Uniform umstandlos eine Packung Hasch zum Rhabarberstängel verkauft. Wie kann man nur! Es war eine Falle. Knast. Was tun mit ihm, wie er wieder rauskommt? Er hat kein Zuhause mehr, ist auf Bewährung und kommt abwechselnd bei der einen, dann bei der anderen Schwester unter, kann ihnen mit kleinen Jobs dienlich sein; zum Beispiel auf den Buben aufpassen – und prompt schaut er mit diesem Pink-Panther statt ihn zu Bett zu bringen oder übt mit ihm eine absurde Kampfsportart. So was macht bei Kindern beliebt und bereitet den Erziehungsverantwortlichen Probleme.
Oder die andere Schwester engagiert ihn aus der Not heraus als Chauffeur. Sie muss zu einem wichtigen Interview mit der Millionen-Skandal-Erbin Stuart. Dass die Regieanweisungen, die sie ihm vorher erteilt, nicht funktionieren werden, darauf kann sich der Zuschauer genüsslich verlassen. Oder auch, wenn er sich als Helfer beim Schwager für Filmaufnahmen bereit hält.
Ein Film für Kinofreunde und die Spaß daran haben, zu sehen, wie ein Filmemacher, der Autor und Regisseur heißt Jesse Peretz, mit viel Können und Neugier sich eine solche Menschenkonstellation vornehmen und durch viel Improvisation am Set und das Durchdenken der Szenen und Handlungsweisen der Figuren eine große Glaubwürdigkeit erzeugen können und damit Substanz für die Zuschauer.
Hier kommt nie jemand in eine Szene und muss als erstes fragen, wie so häufig im deutschen subventionierten Kino, was ist denn hier los. Ein kleines Beispiel für genaue Beobachtung gibt die erste Szene mit dem Bewährungshelfer Officer Omar Coleman, wie er anfangs überdeutlich und langsam prononciert, bis Ned Rochlin ihm zu verstehen gibt, dass er keinen Idioten vor sich habe. Wobei mir allerdings genau in der Szene aufgefallen ist, dass die Inszenierung des Filmes mit etwa der leichten Überdeutlichkeit vergleichbar ist, mit der der Offizier seinen Bewährling zuerst anspricht.
Es sind die Prinzipien offenherzige Menschlichkeit gegen opportunistisch-pragmatisches Handeln oder gegen Zielführung und Bestandswahrungsverhalten oder gegen das Prinzip „Siegermann“ (was in einer Therapie- oder Sektenszene, Heilerszene im „Schicksalshaus“ angesprochen wird) oder vielleicht das Prinzip Gewinnstreben gegen das Prinzip „Leben“, die hier fröhlich aufeinander losgelassen werden.
Ein prächtig aufgestelltes Ensemble hat sich ganz offensichtlich von den guten Ideen des Buches und der Regie von Jesse Peretz anstecken lassen. Der Film spielt an der Ostküste.
Auch schöne Erkenntnis, dass die Familie ein zerbrechliches Gut sei.
Anderes schönes Wort „fickbar“. Ist es dieser Film nun oder ist ers nicht?