Der Film trägt voll die elegante Handschrift des Visionisten Luc Besson, nach dessen Idee Stephen St. Leger und James Mather, die auch die Regie übernommen und mit Besson zusammen das Buch geschrieben haben. Besson fungiert zudem als Executive Producer in dieser ausdrücklich „europäischen Produktion“. Europäisches Action-, Thriller- und SciFi-Kino aus bestem Hause, wenn man so will.
Für seinen Plot greift Besson eine Zukunftsidee auf, die bestimmt Sicherheitsbehörden oder Geheimdienste schon mal erwogen haben dürften: Schwerverbrecher in eigens konstruierten Stationen im All unterzubringen. Bei Besson werden sie in eine Art künstlichen Tiefschlaf, „Stasis“, versetzt. Mit dieser Idee streift Besson leichthändig ein schwieriges Thema unserer Zeit: der Strafvollzug, auch wenn er das nicht weiter vertieft, es ist doch ein Schmerzpunkt, dass Menschen immer noch Menschen einsperren zu müssen glauben, teils lebenslänglich.
Allerdings gerät der vermeintlich sichere Vollzug im All in diesem Film außer Kontrolle.
Die Tochter des amerikanischen Präsidenten, Maggie Grace als Emilie Warnock, informiert sich in einer humanitären Mission zur „MS One“, der Knast-Raumstation 50 Meilen über der Erde über diese Art modernen Strafvollzugs.
Parallel wurde Undercoveragent Snow, Guy Pearce, ziemlich unsanft, aber in Besson-Brillianz inszeniert, verhört. Er ist hier als ein expressiv sich exponierender Agententyp mit kalter Schnauze und immer einem Gegenwort statt einer gewünschten Antwort charakterisiert, der damit jedesmal einen Faustschlag ins Gesicht als Quittung erhält. Er wird verurteilt und soll in den Weltraumknast verbracht werden.
Gleichzeitig lässt sich die Präsidententochter im Weltraumknast die „Prisoner Stasis Procedure“ vorführen. Ein Häftling wird aus seinem Hochsicherheitsaufbewahrungsfach herausgenommen und aufgeweckt. Der nutzt nun die Chance, und Besson trödelt keine Sekunde, das geht Schlag auf Schlag, wie schon alles bisherige, der Gefangene nutzt also die Chance, seine Bewacher zu überwältigen, die Mitgefangenen aufzuwecken, die „MS One“ in seine und der Gefangenen Gewalt zu bringten. Gefangenenrevolte im Weltallknast.
Einer der Häftlinge, Mace, hat das Wissen über den Verbleib eines Koffers, an dem Snow interessiert ist. Das benutzen die alarmierten Sicherheitsbehörden nun, denn die wissen, dass die Präsidententochter in den Händen der Knastis ist, Snow zu überrreden, sich auf die Station fliegen zu lassen und die Geisel zu befreien. Damit kann er seine eigene Freiheit erkaufen.
Somit wird nun rasant und elegant zugleich die ganze Befreiungskiste in Gang gesetzt. Immer werden die modernsten technischen Geräte, die es schon gibt, oder die es noch nicht gibt, eingesetzt. Besson liebt die Spielereien damit. Und aus der Befreiungsgeschichte wird, man möchte fast sagen: augenzwinkernd, auch noch eine Liebesgeschichte zwischen Snow und der Präsidententochter. Aber bevor die Liebe kommt, muss Emilie Snow gehörig nerven mit ihrem Gelabere, wobei die Mund-zu-Mund-Beatmung schon hinter uns liegt.
Snow stattet sie mit einem Gewehr und einem synthetischen Apfel aus mit der Bemerkung „here is a an apple, here is a rifle, dont talk to strangers, shoot them“. Oder vorher, wie sie noch blutete „stop the bleeding and hopefully the talking”. Der Film ist voll solch lockerer Sprüche, die zeigen, dass die Filmemacher nicht nur begeistert von ihrem Genre sind, sondern dieses auch mit Pep undd einer Idee von Esprit servieren wollen.
Mit wenigen Strichen charakterisieren sie die Nebenfiguren. Den Gefangenen mit dem blinden Auge und dem riesig offenen Mund, der vom Hals aus immer in Bewegung gehalten wird. Mace, der Freund, der völlig durchgeknallt scheint und für jedes Wort, was er sagen will, einen halben Dadaismus an klang- und lautähnlichen Wörtern runterspult und irgendwie herrlich weggetreten wirkt. Der Chef der Aufständischen, eine Figur, dem eine Mischung aus Ähnlichkeiten von Jean Reno und George Clooney als Maske und auch als Spieltick gegeben wurde. Und Snow, der immer aufbegehrt, immer am Rande der Überforderung steht, sich aber nie verbiegen lässt und immer mal wieder vernehmlich schwer schnauft.
Bestens genießbares europäische Action-Kino.