Väter und andere Katastrophen

Martin Valente, der Regisseur, der zusammen mit Gianguido Spinelli auch das Buch geschrieben hat, scheint ein liebenswerter Tüftler zu sein, dem nichts mehr Vergnügen bereitet, als seine Figuren in die Bredouille zu bringen, um sie anschließend selbstverständlich freundlich wieder daraus zu befreien – vor dem Hintergrund oder auf dem Boden eines Themas, das woanders durchaus dramatisches, ja hochdramatisches Potential bis hin zum Vatermord enthält.

Hier geht es um Vatersuche. Chloé ist zwar mit ihrer Mutter Barbara und ihrem formalen Vater Gustave aufgewachsen. Sie hatte als kleines Mädchen Briefe an ihren leiblichen Vater geschrieben, der hieß Bernard und war die große Liebe ihrer Mutter, von dem sie aber nichts mehr hörte. Nach dem Tod ihrer Mutter hat Chloé sich in Südfrankreich niedergelassen und den Kontakt zu Gustave abgebrochen, wollte nichts mehr von ihrem offiziellen Vater wissen, der auch gerne dem Alkohol zuspricht und ein kleiner, rundlicher französischer Typ ist.

Sie lernt einen Tennis-Star kennen, eine Nummer 1 der Weltrangliste, das macht unseren Autoren und unserem Regisseur Spaß, dieses Milieu zu ventilieren und auch den Wohnsitz in manchen Details liebevoll und leicht satirisch nachzuzeichnen. Zum Beispiel, was der so alles sammelt. Diesem erzählt sie, ihr Vater stamme aus Ulan Bator in der Mongolei und sei ein mongolischer Diplomat.

Für die Hochzeit muss sie den frei erfundenen Vater nun als lebendige Person auftreten lassen. Sie veranstaltet ein regelrechtes Casting für die Rolle. Denn spätestens beim Gang zum Traualtar muss dieser Vater realiter vorhanden sein.

Wie die Komplikationserfinder und –löser es so wollen, ist inzwischen dem richtigen Vater die Frau gestorben. Er lebt sehr reich und wohnt auf einem Herrschaftssitz in England. Er wühlt in alten Sachen, findet die Briefe von Chloé und macht sich auf die Suche nach seiner leiblichen Tochter. Erst findet er in Paris Gustave. Verschweigt ihm allerdings den wahren Grund seines Besuches.

Das ist eine beklemmend-köstliche Grundsituation, in die unsere Autoren diesen Herrn bringen. Wie er, der reiche Brite, auf den kleinen Pariser Alkoholiker trifft. Der Brite meint, er wolle dem Franzosen seine über 20 Jahre alte „Bagnole“, nennen wir es auf deutsch ruhig „Rostlaube“, abkaufen, die rote. Die beiden Herren zusammen, das ist ein Konstrukt von Parallelwelten. Da kann sich der wissende Zuschauer immer wieder freuen.

Die Autoren wären keine hinterfotzigen Tüftler, wenn sie die beiden Herren jetzt nicht direkt in das Brautvatercasting ihrer Tochter in Südfrankreich hineinlaufen liessen. Wobei der leibliche Vater durchfällt. Aber er stellt sich auch sehr ungeschickt an. Er kann mit Gefühlen nicht umgehen. Dann hat er noch einen Tic, er kann unmöglich über Böden mit einem geometrischen Muster, mit Linien und Quadraten gehen. Auch das engt den Handlungsspielraum der Figur ein, was die Autoren genüsslich für halbartistische Zirkusnummern in der Kirche nutzen.

In Südfrankreich überschlagen sich die Ereignisse, das Versprechen des Titels wird ausgiebig eingelöst. Die Komödie, die Verwechslungskomödie, die Täuschungskomödie, die Heiratskomödie letztlich die Komödie um die Liebe zwischen Vater und Tochter nimmt ihren ungehemmten Lauf.

Und noch immer hatte Jesus bestimmt das geringere Problem damit, über Wasser zu gehen als ein Brite mit Tic  über einen mit Quadratmustern gefliesten Kirchenboden, der beim Gang zum Altar nun mal unvermeidlich ist.

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