Die Exposition fängt musterbeispielhaft an. Unser Protagonist, Typ jugendlicher Held, Henry Cavill als Will Shaw, will aus den USA kommend für ein paar Tage mit seinem Vater, seiner Mutter und seinem Bruder mit Freundin entspannt vor Spanien segeln. Schon am Flughafen gibt’s den ersten Hinweis, dass es zu schön wäre, wenn das alles klappen würde. Sein Gepäck ist in San Francisco geblieben.
Die Familie besteigt die Yacht. Alles gut inszeniert. Die Reaktionen der Wiedersehensfreude, der Beobachtung. Aber nie zu lange. Schon erhält Will einen Anruf, der ihm große Sorgen bereitet, seine Firma in Kalifornien ist in der Krise. Ab da hängen seine Gedanken verständlich woanders. Die Familie hat gegessen, ist jetzt auf dem Meer. Allzu viel haben sie sich nicht zusagen gehabt, Will ist mit seinem Handy beschäftigt, die Freundin seines Bruders auch. Dadurch gerät eine unbeaufsichtigte Segelstange außer Kontrolle, haut der Freundin des Bruders an den Kopf und diese zu Boden. Das erzürnt den Vater. Die Verquickung der Ereignisses hat ihre unerbittliche Folgerichtigkeit. Der Vater entreisst in seiner Wut dem Sohn das ablenkende Handy und schleudert es ins Meer.
Parallel zum Gang dieser Unglücke hat ein aggressives Motorboot bereits mehrfach die Yacht umrundet.
Will, jugendlicher Stürmer und Dränger und Heldentyp, ist nicht verlegen, stürzt sich ins Wasser, hat in einem Plastikbeutel ein paar Dinge, wie Geld dabei, schwimmt ans Ufer des kleinen Hafenortes, um dort von einem Telefonapparat aus sein Gespräch mit Kalifornien fortzuführen, die dringenden Geschäfte. Wie er zurück zur Yacht schwimmen will, findet er diese nicht mehr vor, sie ist verschwunden.
Leider ist jetzt die Exposition zu Ende und der Film driftet nullkommaplötzlich in die ausgleeiertsten Schienen eines Actionsthrillers, bei dem es meist nicht so wichtig ist, zu wissen, wer jetzt hinter wem steht, wer hinter wem her ist, wer jetzt wen bedroht, es sind alles dunkle Mächte und auch weniger dunkle; eine Dame im schwarzen Hosenanzug immer mit der griffbereiten Pistole und auch die Cops sind nicht ganz sauber.
Selbst in einem Club sind die Figuren dubios. Es wird unendlich viel geschlägert und dann folgen endlose Verfolgungsjagden. Man fragt sich, wozu sich der Held das alles antut. Vielleicht, weil ihm sein Vater, das war vorher eine Erwartungen weckende, schöne Szene vor dem Abgleiten in den Actionismus, ihm gestanden hat, dass er in sehr geheimen Geheimdiensten gearbeitet hat, darum haben sie ja auch in sovielen Städten und Kontinenten gewohnt und er war nie Kulturattaché gewesen, wie er manchmal vorgegeben hat.
Jedenfalls hatte der Vater einen Aktenkoffer, hinter dem Gegner her waren und die Geheimdienste waren sich sowieso nicht sicher, wie weit er selber ein Verräter geworden sei. Das spielt aber alles keine Rolle mehr, denn bald schon wird der Vater erschossen und Wills Mutter und sein Bruder und dessen Freundin werden gekidnappt. Aber dafür findet sich für unseren Helden eine weitere Schwester. Das ist gerne so bei solchen Schnitzeljagdfilmen, sowas kann da ohne weiteres schon mal vorkommen.
Für das Buch zeichnen Scott Wiper und John Petro, für die Regie Mabrouk El Mechri.