Pension Freiheit

Es gibt so Tage, da bekommt man einen Anruf von einem alten Freund, von dem man lange nichts mehr gehört hat, und der einen dann ganz plötzlich fragt, ob man nicht in einem Kinofilm mitspielen möchte, den dieser gerade dreht. So oder ähnlich geht es zu, wenn Freunde und Bekannte sich zusammentun, um „was eigenes“ auf die Beine zu stellen. Immer wieder hört man Geschichten von Independentproduktionen, die so independent sind, dass selbst die Presse erst Wind davon bekommt, wenn schon fast alles im Kasten ist.

Und genauso läuft es seit einigen Jahren in Bad Tölz. Im Jahr 2006 fand sich eine bunte Truppe von Filmverrückten zusammen, um Tödliche Verbindungen zu drehen – basierend auf einer wahren Begebenheit, entnommen dem True Crime-Buch Mordsgeschichten aus Bad Tölz und dem Isarwinkel. Das Filmprojekt fand jede Menge wohlwollende Unterstützer in der ganzen Gegend, und wurde schließlich erfolgreich ins Kino gebracht. Die Entstehungsgeschichte ist abenteuerlich und eigentlich ein eigenes Buch wert.

Nun haben sich die Jungs vom Oberland wieder zusammengefunden, um eine weitere wahre Geschichte der Mordsgeschichten zu verfilmen: Pension Freiheit spielt 1988 und dreht sich um Menschenschmuggel aus der DDR, die Stasi und die Tölzer. Auf die Handlung will ich gar nicht weiter eingehen, denn das Filmprojekt selbst ist derart bewundernswert, dass man sich einfach selber ein Bild machen sollte.

Sicher, die Schauspieler könnten professioneller sein, der Takt ausgefeilter, das Drehbuch ebenso, aber das ist alles egal. Hier haben wir ein weiteres Zeugnis dafür, dass man selbst einen Kinofilm drehen kann, wenn man nur möchte. Die durch die Bank hochsympathische Riege von Cast und Crew erlaubte uns, einen Tag am Set zu verbringen. Völlig ohne Berührungsangst durften die Journalisten einfach überall dabeisein, ihre Fragen stellen, ihre Kameras draufhalten und so weiter. Keine inszenierte Show für die Presse (von der Gelegenheit für ein Gruppenfoto einmal abgesehen), sondern ein echter Setbesuch.

Mein Fazit: Guckt Euch den Film an (Tödliche Verbindungen zu kennen, ist nicht nötig, aber wäre nett). Und das nicht nur, wenn Ihr das Gefühl habt, selbst noch irgendeine Spur auf diesem Planeten hinterlassen zu müssen. Dieses Team macht Euch vor, wie es geht und wie man dabei tierischen Spaß hat. Geht auf einen der Termine der Kinotour und fragt den Leuten Löcher in den Bauch. Ihr werdet merken, die kochen auch nur mit Wasser. Und in Full HD filmen heute sogar schon die Handys, also gibt es keine Ausreden mehr.

Hier ein Video vom Setbesuch, das ich gemacht habe – leider sind mir einige Szenen unscharf geworden. Aber ich schaffe wohl eh bald die Nikon D3200 an. Viel Spaß!

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