Wieviele Schauspielerinnen es doch in Frankreich gibt, die auch noch Filme machen. Valérie Donzelli gehört dazu. Sie hat für diesen Tumorfilm zusammen mit Jérémie Elkaim das Drehbuch geschrieben und auch die Regie geführt. Das ist ein ganz persönlicher Film. Die filmische Verarbeitung persönlicher Erlebnisse im Zusammenhang mit einer bösartigen Krebserkrankung eines Kindes.
Der Kurzinhalt aus dem Pressematerial liest sich wie folgt: „Ein junges glückliches Paar, Roméo und Juliette. Ihr kleines Kind, Adam. Eine starke Bewährungsprobe. Und die grandiose Liebesgeschichte einer kleinen Familie“.
Was der Film in jedem Moment durchblicken lässt, dass Valérie Donzelli das Thema umtreibt, dass sie eine Dringlichkeit in sich spürt, die Geschichte zu erzählen. Was allerdings nicht ganz klar ist, was sie nun ganz genau erzählen will oder, wie ich an manchen Stellen dann doch den Verdacht gekriegt habe, ob sie nicht doch mehr zu „zeigen“ versucht, wie furchtbar doch der ganz bösartiger Tumor Rhabdoid im Kopf eines Kleinkindes sei. Oder will sie uns doch eher zeigen, wie zerbrechlich doch die Liebe ist?
Andererseits muss ich nun nicht unbedigt im Kino sehen, wie die Eltern die ersten Asymmetrien im Gesicht des Kindes feststellen, wie sie besorgt sind, wie sie zum Arzt gehen, zu Frau Dr. Prat, ein lustiger, heftiger Name für eine Kinderärztin. Ich muss das wirklich im Kino nicht so detailliert sehen, welche Untersuchungen nun gemacht werden. Was der Spezialist in Marseille sagt. Die Vorbereitungen zur Operation.
Die Erzählerin hat die Umgebung auch im Auge. Die Großeltern, die ängstlich auf das Resultat warten, die Eltern natürlich auch; wie eine Flasche Sekt vorbereitet wird zur Feier für die erwartete gute Nachricht von der gelungenen Operation. Das sind Momente, wo Donzelli sich durchaus der Mittel der Parodie oder Groteske bedient.
Auch bei einigen Szenen des Elternpaares Romeo und Julia im Spital. Die sind oft ganz unkonventionell; die Mutter am Anfang viel zu hysterisch. Auch die Entscheidung, bei welchem Arzt man operieren lassen wolle und dann die Suche in der Ärztegruppe, welcher nun der heilende Gott sei. Bitterscharfes Licht auf eine Realität, die sogar lachen machen kann, so gewichtig, wie sie sich gibt.
Was die Dringlichkeit des Erzählens auch unterstreicht: es wird mit minimalen Aufwand gedreht, mit einer sehr beweglichen Kamera, mit nicht allzuviel Lichtsetzungen; dadurch und auch durch den Wechsel in den Haltugen, von humoristisch bis todernst, von wissenschaftlich bis künstlerisch, entsteht der Eindruck einer raren Spontaneität, als ob sie erzähle, wie es ihr grad einfalle und es sind Details, die als merkwürdige Details unbahängig von der Story stehen bleiben können. Genauso wach und lustig und fast chaotisch könnte sie einen Film über Hygieneprobleme drehen.