Akademisches, snobistisches oder Fan-Vergnügen?

Auf jeden Fall ein Vergnügen und das ohne Not. Für Fans von Marilyn Monroe oder Sir Laurence Olivier oder von Michelle Williams oder Kenneth Branagh – die beiden letzteren spielen hier die beiden ersteren – oder von Colin Clark, der bei einem Dreh der beiden ersteren in London „Dritter“ also in der Regieassistenten-Hierarchie der Underdog war und der eine gewisse vertrauliche, seelentröstende Zeit mit Marilyn allein verbringen durfte und darüber ein Buch geschrieben hat, welches ganz zufällig am 19. März als Deutsche Erstveröffentlichung in den Buchhandel gelangen wird.

Auf jeden Fall ein feines Häppchen für die Freunde Britischer Schauspiel- und Inszenierungskunst, speziell hierfür steht das phasenweise von Kenneth Branagh überkandidelt snobistisch-überprononcierte Shakepeare-English, bei dem jede Silbe im Unterton fragt, na, hab ichs drauf oder nicht? Da darf das verständige Publikum dann verständlicherweise verständig Beifall nicken, denn es wird kapiert haben.

Auch die Figurführung durch den Regisseur Simon Curtis, das Buch nach Colin Clark hat Adrian Hodges geschrieben, lässt an Deutlichkeit und Verständlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Der junge Colin Clark, gespielt von Eddie Redmayne, ein junger Brite aus bestem Hause, schlossähnlich zumindest, der im Schatten des Erfolges von Vater und Brüdern steht, ein Brite wie aus dem Bilderbuch. Der aber ausbüxt aus dem Wunschszenario seiner Familie und sich frisch, naiv, aber wach und schlagfertig beim Film bewirbt.

Auf Anhieb wird er „Dritter“. Der sich um die Macken von Frau Monroe kümmern soll. Es ist bekannt, sie hat ein Riesenproblem mit der Pünktlichkeit, unbekannt die Zahl der Stunden, die sie ganze Ensembles und Crews hat warten lassen. Jedenfalls schon einen seiner ersten Aufträge erledigt er ganz im Sinne seiner Auftraggeber: eine diskrete Unterbringung und standesgemäss für sie zu organisieren. Allerdings hat der Vermieter gleich geplaudert, finden die Produzenten heraus. Da zieht der „Dritte“ eine Alternative aus dem Hut, die er genau aus diesem Grund, weil er den Vermieter für schwätzig hielt, schon vorbeugend organisiert hatte.

Die Figurzeichnung von Marilyn Monroe lässt keinen Zweifel daran, dass sie ein höchst unsicheres Geschöpf und dazu noch keine besonders begabte Schauspielerin war, mit ihrem Leidenspäckchen, Tabletten und Alkohol, Angst vor den Menschen und den Kollegen, misstrauisch kein Wort dem Regisseur glaubend. Da Clark ihr aber, das dürfte Dreh- und Angelpunkt des Filmes sein, in einem Zwiegespräch offen sagt, was Sache sei, verkürzt gesagt, sie sei ein einmaliger Star, der nicht gerade viel könne und ihre Kollegen, die viel können aber keine solchen Stars seien, fasst sie etwas Vertrauen zu ihm und das dürfte ein Grund gewesen sein, dass sie bei der Stange geblieben ist.

Denn ihr aktueller Mann, Arthur Miller, hält es nicht lange aus in England und fährt zurück zu den Kindern nach New York. Eine weitere gut gezeichnete Figur ist Marilyns Coach Paula Strasberg, die fürs Method Acting zuständig ist, denn Marilyn kann nur spielen, wenn sie eine Rolle begriffen hat und auch drin ist – das kann dauern, da ist so ein Coach ganz nützlich, auch als Schutz.

Es gibt viele Szenen, wo man ihr diese Unsicherheit ansieht und fast zusammenbrechen möchte mit ihr, weil man spürt, sie schaffts wieder nicht, sie ist so leicht irritierbar. Hauptsächlich ist es aber auch ein Nähkästchenfilm, aus dem Filmnähkästchen plaudern, so wie es hinter der Kamera und hinter den Kulissen aussieht oder welch ein Volksauflauf zustande kommt, wenn Marilyn einmal unerkannt shoppen will. Aber man hat ja starangemessen einen Rolls Royce organisiert, in dem sie sich mit ihren Begleitern flüchten kann.

Ein Film für Kulturmenschen. Sicher geeignet für die Sonntagsmatinée.

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