Chronicle – Wozu bist Du fähig?

Doch, doch, der Film hat ein Thema: scheuer junger Männer Allmachtfantasien. Aber dieses Thema scheint mit dem Autor Max Landis durchgegangen zu sein. Und auch der Regisseur Josh Trank konnte sich offenbar nicht wehren dagegen. Zu verlockend sind die Computertricks, mit denen man Menschen fliegen lassen kann oder wie sie mit einer Handbewegung einen Cordon von Polizeifahrzeugen, die einen jungen Mann ohne Chance auf Flucht umringen, wegfliegen lassen können. Die jungen Männer entdecken dieser Fähigkeiten nach und nach. Wie sie am Sportplatz rumhängen und entdecken, dass sie einen Motorlaubbläser fernbefohlen die Röcke einiger Cheerleader zum Flattern bringen können – und die Girls zum Kreischen. Oder sie fernverschieben ein Auto auf dem Parkplatz und freuen sich über die entsetzte Besitzerin, die mit Einkaufstüten an beiden Händen überladen zielgerichtet auf das umgeparkte Auto zustrebt.

Sie haben Namen, unserer drei Protagonisten. Die Sache fängt mit Andrew an. Der wächst in einem merkwürdig verwahrlosten Haus und Haushalt auf. Der Vater ist Trinker, Mutter schwer krank, sie hat Schläuche in der Nase zur Unterstützung der Atmung. In diesem Chaos fühlt Andrew, der immer sehr allein war, wie wir später erfahren, gerade mal mit seinem Cousin Matt kam er gelegentlich zusammen, also Andrew fühlt, dass er etwas tun muss, er hat ein Projekt, er möchte ab jetzt alles mit seiner Kamera aufnehmen; nicht das dümmste in einer Phase der Orientierung und Identittässuche oder Krise. Und mit Frauen hat er noch nichts gehabt.

Damit fängt der Film an: der betrunkene Vater poltert an seine Tür. Andrew macht nicht auf, erklärt ihm aber, dass er eine Kamera aufgestellt habe und ab jetzt alles dokumentieren werde, was hier vor sich geht. Ein junger Mann wie er, kann sich ziemlich radikal in so ein Projekt reinhängen. Dann filmt er die bettlägrige Mutter. Dann ist er mit seinem Cousin Matt im Auto unterwegs. Dem erklärt er das Projekt, meint aber, dass sich emotionale und phyische Wünsche nicht filmen liessen. Matt lädt ihn auf eine Party ein, möchte ihm aber dafür die Kamera ausreden. Geht nicht. Er stößt auf der Party auf ein blondes Girl, die auch mit einer Kamera bewaffnet ist, für den Blog, wie sei meint.

Nach der Party dürfte Andrew eine Art Blackout gehabt haben. Er findet sich auf einem Rasen in seiner Wohngegend wieder. Da taucht Steve auf, das wird der Dritte im Bunde, er ist ein Kumpel von Matt und die haben eben eine Entdeckung gemacht, die unbedingt mit der Kamera festgehalten werden muss. Diese Entdeckung wird, was zwar weder physikalisch noch parapsychologisch so richtig erklärlich sein wird, die Entdeckung dieser übernatürlichen Kräfte sein, die womöglich nur psychologisch ein Symbol für dieses unglaubliche Stärke- und Kraftgefühl eben ewachsener junger Männer werden dürfte.

Sie haben das Gefühl sie können alles, sie können die Welt erobern; aber sie haben noch keine Erfahrung und wissen doch nicht so recht, was mit den Kräften anfangen. Das scheint zunehmend auch mit dem Buch zu passieren. Die Entdeckung dieser Kräfte geht zwar noch sachte, nebst den erwähnten Beispielen auch beim einträchtigen Legospielen auf dem Teppich, wie der Turm sich ohne phyischen Einsatz zusammenbaut. Schön, solche schwebenden Teile. Es gibt heftigere Dinge, ein ferngesteuerter Tennisball kann blutige Folgen zeitigen. Und in der Talentshow ist Andrew plötzlich ein gefeierter Magier, der einen ganz sensationellen Kartentrick zeigt, auf dem Seil geht und die Kugeln so jongliert, dass es physisch auch nicht mehr erklärbar ist.

Wie sie schließlich entdecken, dass sie bis in die Wolken hinauffliegen können, da artet die Geschichte vollends aus. Ebenso geht es mit dem Film. Die jungen Männer werden der Kräfte, die sie riefen, nicht mehr Herr mit katastrophalen Folgen, die den Zuschauer nur insofern nicht weiter berühren, als man heute Animations-Tricks doch schnell durchschaut und jeder mit ein bisschen Talent das am Computer selber herstellen kann. Hinzu kommt, dass die Geschichte sich selbst zu sehr vom Thema hat blenden lassen und es nicht für nötig hielt, uns Andrew genauer vorzustellen, damit der Zuschauer das Gefälle zwischen seinem bisherigen, wohl sehr ruhigen Leben und der aufregenden Entdeckung der magischen Kräfte nachvollziehbar erleben kann.

Die Machart des Filmes kommt in der durchaus sympathischen Art des Independent American Kinos daher, wenn es sowas denn noch gibt. Die Jungs spielen sehr locker, fast privatistisch, das dürfte jedoch den Wirkraum des Filmes einengen, dass man oft den Eindruck eines rein privaten Vergnügens der Beteiligten hat. Recht naiv noch zum Teil.

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