Gelegentlich hängt unser Leben an einem seidenen Faden, wobei hier besser von Kälte und Wölfen und Flugzeug-Crash oder von einem aus Kleiderteilen geknüpftem Seil über einem Abgrund zu sprechen wäre, die Situation kann durchaus eintreten noch bevor wir uns klar gemacht haben, ob denn unser Leben einen Wert hat oder fast dümmer noch, erst nachdem wir uns vielleicht klar gemacht haben, dass es so gar nichts wert sei und wir aber vom freiwilligen Exitus durch ein doofes Wolfsgeheul eben noch abgehalten worden sind.
Ein nihilistischer Film, der solche Fragen stellt und solche Situationen her- und ausstellt. Unsere im Verlaufe des Filmes sich nach und nach dezimierende Anzahl Protagonisten ist ganz hoch im Norden von Alaska bei einer Ölbohrstelle dafür zuständig, Wildtiere, die sich ihr nähern, unschädlich zu machen. Liam Neeson ist der Primus inter Pares unserer Stars. An ihm lässt Joe Carnahan, der das Drehbuch geschrieben und die Regie geführt hat, etwas tiefer blicken in die Seelen dieser harten Männer, deren Leben keinen Wert mehr hat.
Liam Neeson als Ottway hält von seinen Kollegen nicht viel, alles mehr oder weniger verunglückte Existenzen, bei denen dies und das schief gelaufen ist. Sonst würden sie nicht den Job in dieser Einsamkeit machen. Es hat zwar jeder irgendwo eine Frau und Kinder oder Eltern, kam mal aus einer Familie und gehört irgendwie noch zu einer; das wird im Laufe des Filmes sehr diskret gezeigt anhand von Einblicken in die Geldbörsen der wilden Männer.
Ein gutes Dutzend unserer Jäger ist gerade dabei, einen Heimaturlaub anzutreten; sie besteigen bei eisiger Kälte und Wind und Wetter ein kleines Flugzeug, das sie in die Zivilisation zurückbringen soll. Um nun ein bisschen Stimmung zu schaffen, lässt Joe Carnahan das Flugzeug erst mal starke Turbulenzen passieren, dass einem Angst und Bange wird. Dann muss sich die Situation beruhigen, die Männer werden stumm ihren Gedanken überlassen.
Was folgt ist der Absturz. Richtig schön katastrophenfilmmässig. In einsamer, eisig, schneeiger Gegend. Dann das langsame Zu-sich-Kommen, und schon ist das erste Wolfsgeheul zu hören, das hier oft ganz wunderbar orchestriert ist und nachts sind viele Wolfsaugenpaare hervorragend choreographiert auf unsere Überlebenden gerichtet, haben sie eingezirkelt.
Den Männern steht nun ein Horrortrip zu Fuß durch wilde, unbewohnte, raue Gegend bevor, immer umzingelt und provoziert von den Wölfen. Das fordert Opfer. Zwischendrin wechselt Sturm und Schnee und eiskalte Landschaft mit Studiowinter ab und Lagerfeuer und gar Wolfsgrill, tastes like shit, tastes like dogshit, da wird es dann etwas gemütlicher, da wird der Katastrophenfilm heimelig, bis die harte Realität wieder zuschlägt.
Es ergeben sich auch Möglichkeiten zu Fragmenten von Dialogen über die Liebe und den Job, die Familie und die Herkunft. Geworfensein in eine Existenz, die nicht weiter erklärbar ist und deren Wert auf jeden Fall nicht unbedingt von sich aus einleuchtend ist. So kann das Kino zum Ort existenzialistischer Reflexion und Betrachtungsweise werden. Was ist das Leben wert? Wozu verliert einer erst die Brille, um dann doch abzustürzen? Die Männer haben aber oft recht treuherzige Blicke.