Krieg der Knöpfe

Die Kinder spielen das, was die Erwachsenen tun. Wenn Krieg ist, Zweiter Weltkrieg, dann spielen die Kinder Krieg. Wie bei den Erwachsenen geht es um Territorialvormacht. Allerdings geht es bei unseren franzöischen Jungs um Knöpfe, Knöpfe sind die Kriegstrophäen. Wenn einer besiegt wird, werden ihm Knöpfe und Schnürsenkel abgezwackt und so muss er sich nach Hause begeben, eine schmerzhafte Blamage.

Hier bekämpfen sich die Gangs von Longeverne und Velrans. Velrans werden beim Wildern auf Longeverner Gebiet entdeckt. Damit ist der Krieg schon erklärt. Parallel dazu gibt’s Geschichtsunterricht in der Schule und ein neu aufgetauchtes Mädchen, das vor allem den Anführer unserer Longeverne-Gang anturnt. Sie bringt ihm ein Buch über den punischen Krieg. Vielleicht interessiert ihn das ja mehr als die Städte, die an der Loire sind. Wenn man die nämlich nicht kennt, muss man, wir sind 1944, sich vor der ganzen Klasse in die Ecke stellen, selbst wenn man der am weitesten gediehene Bengel ist.

So ein Krieg der Knöpfe um Knöpfe, der besonders dann befeuert wird, wenn das Schimpfwort „Schlappschwanz“ einem an den Kopf geworfen wird, kann in gefährliche Regionen sich hochschrauben, wenn auch bei den Erwachsenen Krieg ist, wenn die Ortschaft im Süden Frankreichs schon einen uniformierten naziphilen Polizisten und einen rumlavierenden Bürgermeister mit einem ziemlich feigen Sohn hat, der von der eigenen Gang wegen Verrates verprügelt wird, was das Mädchen nicht gerade für weise und erwachsen hält. Wenn all das gegeben ist und der gestrafte feige Bube in Anwesenheit des nazigeilen Polisten anfängt aus dem Nähkästchen zu plaudern und dieser schon die Pistole für die Menschenjagd zücken will, da kann aus dem Spiel schnell tödlicher Ernst werden, da ist plötzlich Solidarität über Ganggrenzen hinweg gefragt, da macht sich die latent vorhandene Résistance bemerkbar, aus allen Löchern sozusagen, da passiert dann etwas, was man sich heute so gar nicht mehr vorstellen kann, auch wenn es vielleicht idealisierend dargestellt ist, dass es eine große Gemeinschaft für eine Idee von Gerechtigkeit gibt. Dass ein Dorf, eine Gemeinschaft an einem Strang zieht.

Dieser Krieg der Knöpfe, zu dem Christoph Barratier, der Regisseur, mit Thomas Langmann auch das Buch geschrieben hat, überrollt einen förmlich 100 Minuten lang und man weiß nachher gar nicht, wo man mit Erzählen anfangen soll. Denn es gibt ja noch Liebesgeschichten und Inspirationen durch eine Museumsführung sowie köstliche Folgen der Knopfabschneidegeschichten. Und einen wie immer 100 prozentig überzeugenden Kad Merad als der oft in sich gekehrte, aber um eine Ohrfeige für seinen seiner Ansicht nach missratenen Sohn, den Anführer der Bande, nie verlegenen Vater.

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