Und wenn wir alle zusammenziehen?

Die ersten Bedenken, uh, ein Film übers Altern, ein Themenfilm übers Altwerden, eine Lebenshilfefilm, die waren schnell verflogen; es ist kein Themenfilm übers Altwerden; es ist ein Film über eine Freundesclique, zwei Ehepaare und ein Single, die im Zuge des Älterwerdens und aus rein praktischen Gründen in einem Haus zusammenziehen wollen. Insofern sogar eine nicht ganz gewöhnliche Geschichte, die aber Stéphane Robelin einzig benutzt, um darum herum sorgfältige Alltagsszenen zu schreiben, zusammenzufügen und zu inszenieren.

Albert ist oft vergesslich, seine Tochter bringt seinen Zottelhund Oscar in den Zwinger, die Freunde Jean und Claude befreien ihn wieder; Claude der Single und Frauenliebhaber und –fotograf hat beim Treppensteigen zur käuflichen Liebe einen Zusammenbruch; die Freunde Jean und Jeanne und Albert und Annie befreien ihn wieder aus dem Spital; auch Albert landet einmal im Spital oder er vergisst das Badewasser abzustellen, was eine Überschwemmung zur Folge hat; Jeanne möchte ein Schwimmbassin im Garten, damit die Enkelkinder wieder häufiger vorbeischauen; sie wünscht sich einen Sarg in Pink. Dies und vieles mehr sind ganz und gar alltägliche Begebenheiten und Sonderlichkeiten, weswegen man noch nicht unbedingt einen Film draus machen müsste.

Was die 96 Minuten aber so umwerfend macht, das sind hier die Stars. Jane Fonda als Jeanne, Geraldine Chaplin als Annie, Pierre Richard als Albert, Claude Rich als Claude und Guy Bedos als Jean. Dieser Starpower potenziert sich noch dadurch, dass sie alle die Schauspielerei als Zusammenspiel verstehen und aus einem lebenslangen Erfahrungsschatz zehren und diesen einbringen.

Beispielsweise das Gezänk, was Geraldine Chaplin mit ihrem Gatten hat, während sie mit Absperrband versucht die Abmessungen des von ihr durchgesetzten Swimming-Pools abzustecken. Oder wie Claude Rich selbst im Heim, in dem er kurzzeitig untergebracht ist, es nicht lassen kann, Frauen zu fotografieren, wenn Frau, dann bei ihm Alarm, egal wie alt. Wie Pierre Richard im Keller einen Blechkasten öffnet und hinter erstaunliche Geheimnisse der WG kommt. Oder der Student, den die WG zum Gassi gehen mit dem Hund anheuert, der aber sofort ethnologischen Studien über die Alten anfängt statt diejenigen über irgendwelche afrikanischen Völker fortzuführen, und wie die Fonda mit ihm ins Gespräch kommt.

Leider ist dieser Student, der vermutlich aus Koproduktionsgründen ein Deutscher sein musste, mit dem verbissenen, humorlosen Daniel Brühl eher so besetzt, als wolle die Produktion den Deutschen Geldgebern die lange Nase zeigen. Er spricht zwar ein passables, leicht gepresstes Französisch, ist jedoch schlicht zu alt für die Rolle, zu fett und zu unbeweglich. Was hätte da ein junger, smarter, weltoffener Deutscher noch für zusätzliche Energien ins Spiel reinbringen können. Der Regisseur hat zwar versucht ihn zu lockern, indem er ihn oft mit Jane Fonda und Zottelhund Oscar durch den Waldfriedhof spazieren lässt, aber das wirkt gelegentlich etwas angestrengt. Das schmälert allerdings den Gesamtgenuss an Chaplin, Fonda, Rich, Richart und Bedos in keiner Weise. Sie haben alle Schauspielertrümpfe parat, sie haben nichts mehr zu verlieren, sie können sie ausspielen, sie erzählen mit ihren Figuren aus einem reichen Leben, das sie gehabt haben – und sie tun es launig zum Vergnügen des Publikums. Oder man könnte sagen, durch den Eiszapfen Brühl wird die Brillanz der anderen Darsteller nur umso deutlicher, salé à l’Allemande.

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