The Lady

Luc Besson, den man eher mit Action-Filmen wie “Colombiana “ oder “Leon, der Profi” in Verbindung bringt, hat hier einen politisch engagierten Film gemacht, ein Biopic über die birmesische Friedens-Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi.

Der Spielfilm endet 2007 mit dem birmesischen Aufstand der Mönche und der schönen Schlussgeste von Suu, die von Michelle Yeoh immer ganz Dame gespielt wird; sie erscheint über dem Gittertor ihres herrschaftlichen Anwesens, in welchem sie unter Hausarrest steht, und wirft den Mönchen eine Blume zu. Dort endet Besson mit einem Freeze. Das Buch hat Rebecca Frayn geschrieben. Die Entwicklung ist bereits überholt, die Blume erweist sich als ein positives Zeichen, ist doch inzwischen in der birmesischen Diktatur ein unverhofftes Tauwetter ausgebrochen.

Besson malt das Leben von Suu wie ein plakatives Wandgemälde mit pointiert ausgewählten Szenen. Wo er die Möglichkeit hat, seine Action-Erfahrung einzubringen, da tut er es knallig. Zuerst lässt er allerdings eine Erzählerstimme die Vorzüge und Schätze Birmas, Natur- wie Bodenschätze loben und dass eines Tages fremde Soldaten gekommen seien und diese in Besitz genommen hätten. Der Weg von Suu ist der Kampf um Freiheit und Demokratie, der Aufruf am Ende des Filmes lautet, wir mögen unsere Freiheit nutzen, um ihre zu ermöglichen. Etwas davon scheint inzwischen wahr geworden zu sein.

1998 steigt der Film in Oxford ein. Beim englischen Gatten der burmesischen Suu wird Prostata-Krebs diagnostiziert. Er hat noch eine Lebenserwartung von maximal fünf Jahren. Dann springt der Film auf 1988 zurück. Die Familie von Suu mit ihrem Mann und den zwei Söhnen ist glücklich. Suu ist einen Text am Schreiben. Am Fernsehen kommen Bilder über einen Aufstand in Burma. Suu weiß, sie muss jetzt dorthin.

Ein Beispiel, wie Besson cool auf seine Effektenkiste zurückgreift. Wie Suu in Birma einreist und den Pass vom Beamten zurückbekommt und der den Pass auf das Schalterbrett haut, da spielt Besson einen Knall wie aus einen Actionfilm ein. Wie er überhaupt die Szenen sehr ausgestellt inszeniert und wie die auf die wichtigen Dinge, die sie erzählen sollen, reduziert sind. Didaktisch gut aufbereitet folgen die weiteren Schritte auf dem Weg zur Diktatur, der Diktator als Brutalo gezeichnet. Er befragt eine Wahrsagerin, die im Knast einsitzt. Dann hat sie nicht nach seinem Gusto wahrgesagt. So geht er nochmal hin und erschießt sie. Er wird noch weitere Menschen abknallen respektive abknallen lassen.

Gegen diese Diktatur kämpft Suu. Ihre Unterstützer im Ausland setzen sich dafür ein, dass sie zur Kandidatin für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen wird. So wie Besson mit Action-Szenen nicht zimperlich ist, so ist er genauso wenig zimperlich, wenn es ums Gefühl geht, um die Rührung über die Verleihung. Denn der ältere Sohn darf den Preis im Namen seiner Mutter verdanken. Die Rede wird übers Fernsehen und Radio in alle Welt ausgestrahlt. Ausgerechnet in ihrem Haus in Birma aber fällt der Storm aus. So kann Besson eine ausgeklügelte Szene einfügen, wie Suu sich mit einer Angestellten zu helfen weiß.

Besson erzählt durch seine Methode scheinbar luzide, weil er nicht komplizierte Sachverhalte oder Machtgeflechte, die eine solche Diktatur ermöglichen und am Leben erhalten, analysieren will. Ihn interessieren Szenen, die eine Art News-Wert haben: Auftands-Szenen, Massaker-Szenen, Gefängnis-Szenen, aber auch Zeremonien oder Arztbesprechungen.

Ein grob-gestricktes, knalliges Heldinnengemälde im Sinne der guten Sache. Könnte ich mir gut als Illustration zu und Ersatz für zwei Schulstunden vorstellen. Andererseits sind die Entwicklungen in Birma im Moment so überraschend und rasant, dass man bereits ein weiteres, aktuelleres Gemälde bräuchte, um zu kapieren, was dort vor sich geht.

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