The Music Never Stopped

Es gibt Produzenten, die tragen ein Projekt im Herzen, was sie selber gerne mal verfilmen möchten. Das wäre vielleicht eine Kategorie von Filmen, die zu untersuchen sich einmal lohnen würde. Mag sein, dass dieser Film hier einige Hinweise gibt, wie solche Produzenten-Filme aussehen können. Ihnen scheint ein nicht unsympathisches Element von Liebhaberei innezuwohnen.

In unserem Falle war es der Produzent Jim Kohlberg, den die Forschungen von Oliver Sacks sehr beeindruckt haben, besonders die Studie „The Last Hippie“. Es geht darin um einen Fall von teilweisem Gedächtnisverlust nach einer Gehirntumoroperation und des Zurückholens, des Neuerschließens der weggesperrten Gehirn-Regionen mittels Musik, die der Patient mit Erlebnissen verbindet.

Hier geht es um die 60er. Gabriel Sawyer, Jahrgang 1951, hatte sich in der Hippie- und Antivietnam-Zeit mit seinen Eltern heftig zerstritten und ist von zuhause abgehauen. 20 Jahre später bekommen sie einen Anruf, er stehe vor einer riskanten Gehirtumoroperation. Das führt die Familie wieder zusammen.

In so einem Produzentenfilm ist vermutlich eher ein positives Menschenbild zu erwarten und da Produzenten selbst Ermöglicher sind, mögen sie vielleicht Filme, die Dinge ermöglichen, hier die Suche nach den verlorenen Zonen des Gedächtnisses von Gabe, wie die Mutter ihn nennt. Tatsächlich zeigen Behandlungsversuche durch eine Musiktherapeutin bald schon erste Erfolge. Wie Gabe gefragt wird, ob er eine Cola wolle, antwortet er prompt mit dem damals berühmten Spruch, „the real thing“. Das gab Hoffnung auf mehr.

Die Marseillaise löste weitere Assoziationen aus, der Beatles-Song „She loves you yeah, yeah, yeah,“. So kann sich denn das Publikum und sicher der regieführende Produzent daran delektieren, wie Stück für Stück von Gabes Vergangenheit an den Tag kommt, wie die Erinnerung zurückkehrt. Eine kleine engagierte Wiederfindungsgeschichte mit Hingabe in Szene gesetzt. Erinnert ein bisschen an die Haltung der Texte aus dem Propaganda-Blättchen „Das Beste aus Readers Digest“, die alle die Welt als heilbar darstellten, als heilbar im amerikanischen Sinne.

Das scheint denn auch auch die Message dieses kleinen Filmes zu sein, der Kino gewiss nicht in seiner existenziellen Breite und Tiefe nutzt, sondern für ein eher intimes, beschwichtigendes Zwiegespräch zwischen Leinwand und glaubensbereitem Zuschauer, dem durch die Langsamkeit der Inszenierung, durch die Eins-zu-Eins-Realität, die vorgegeben wird, auch nichts entgeht und der viel Musik aus dem Zeitraum nach 58, denn da setzte der Erinnerungsverlust ein, zu hören bekommt, nicht ganz ohne Erinnerungsmelancholie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert