So ein Containerschifffilm hat Charme allein schon deswegen, weil als Subakkord semibewusster Perzeption die moderne Schiffspiraterie die Nerven in Richtung Gefahr kitzelt.

In diesem Film von Baltasar Kormakur, wozu Aaron Guzikowski basierend auf dem Film „Reykjavik-Rotterdam“ der Autoren Amaldur Indrioason und Oskar Jonasson das Drehbuch geschrieben hat, geht es allerdings nicht um moderne Seepiraterie, sondern um Schmuggel in Containerschiffen durch die Besatzung.

Chris Farraday war so ein Schmuggler, Mark Wahlberg spielt ihn, seine Wohlbeleibtheit, die sympathisch macht, allerdings nur gelegentlich und ganz dezent andeutend. Er hat dem Schmuggel abgeschworen, sich zivilisiert, ist seriös geworden, fast ein bisschen phlegmatisch, mit einer hübschen blonden Frau mit vollendetem Gesicht, der beim Spielen zuzuschauen irgendwie erschütternd ist, wenn so eine Schönheit geschlagen wird oder Unsicherheit und Verwirrung darstellen muss. Er hat mit ihr zwei Buben im lustigsten Lausebengel-Alter.

Leider hat seine Frau einen Bruder, der gerade die Pubertät in Richtung erste erwachsene Torheiten hinter sich gelassen hat und der von seinem berühmten Schwager – und auch dessen Vater – lernen will und sich im Kokainschmuggel versucht. Wie der Zoll das Schiff durchsucht und er die heiße Ware gerade noch rechtzeitig über Bord werfen kann, damit fängt der Film an, schafft er dem ruhigen Wahlberg ein riesiges Problem, denn die Dealer wollen die Kohle sehen und zwar dallidalli und im brutalen Geschäft des Rauschgifschmuggels gilt Sippenhaftung ganz ohne Pardon. So bleibt Farraday auch im Interesse seiner jungen Familie nichts anderes übrig, als sich nochmal auf so ein Geschäft einzulassen, um für den Schwager die Kohle zu beschaffen.

Die Sache eilt. Im Moment wäre gerade ein Ding mit zwei Paletten nagelneuer erstklassig gefältschter Dollarnoten frisch ab Werkstatt in Panama möglich. Keine Wahl für Farraday. Er gesteht das seiner Frau auch offen und ein Freund von ihm, der beim Hafen arbeitet, aber auch nicht ganz koscher ist, der hagere, finstere Giovanni Ribisi als Tim Briggs, fädelt diesen letzten Coup für Wahlberg ein und verspricht, währenddessen auf seine Frau und Kinder aufzupassen, denn mit den Dealern, denen die Lieferung entgangen ist, ist nicht zu spaßen.

In engstem Zeitkorsett muss Farraday nach Panama, die Ware entgegennehmen, sie aufs Schiff schmuggeln, es türmen sich aber ungeahnte Hindernisse auf und selbst wie diese erfolgreich geklärt sind, kommen während der Rückfahrt in die USA – der Zuschauer hat dafür ein paar schöne Panamakanal und Panamastadtbilder zu sehen bekommen, nebst diverser gutgängiger Ganovenaction – verkompliziert sich die Geschichte noch weiter, so dass sie schier nicht mehr lösbar scheint. Das ist nicht ohne gravierende Folgen für zuhause. Denn Briggs spielt ein doppeltes Spiel, soviel darf hier verraten werden.

Nicht ausgeplaudert aber wird, wie elegant die Drehbuchautoren sich dann doch Lösungen haben einfallen lassen, die sind wirklich nicht einfach, denn durch den Lauf der Dinge hat sich das Schmuggelgut vermehrt um einige Packungen reinweißen Kokains und ein Gemälde moderner Kunst im Millionenwert, das Anlass gibt für ein paar pseudokunstkritische Szenen gibt, die noch die Saite „was ist moderne Kunst und was ist ihr Wert“ brauchbar lustig zum Erklingen bringen.

Was weiter den Charme dieses Filmes ausmacht ist sicher die Besetzung der Hauptrolle mit Mark Wahlberg. Er strahlt so eine gemütliche Ruhe aus, die vielleicht vergleichbar ist mit dem Familiaritätslevel, den einst der Kommissar Kress von Rolf Schimpf im deutschen Fernsehen etablierte.

Was auch beruhigend wirkt, zeigt doch der Film, wie unendlich mühsam so ein Schmuggelgeschäft ist und wie hochriskant; und das wahre Leben dürfte dem Schmuggler nicht so wohlgesonnen sein wie der Drehbuchautor Aaron Guzikowski hier dem Mark Wahlberg.

Weiteren Charme verbreitet durchaus die deutsche Nachsynchronisation, angenehm dezent, sozusagen der Atmosphäre, die Wahlberg fürs gesamte Ensemble verbreitet, angemessen.

Das Movie macht Lust auf mehr Containerschifffilme. Denn so ein Schiff ist etwas Großes, Mächtiges, aber auch etwas Ruhiges, aus einer gewissen Distanz gesehen sogar Behagliches, wenn es nicht durch einen dummen Fehler gerade dabei ist, die Kaimauer von Panama zu rammen – eine der kleinen Actionideen aus dem Film.

Für einen nasskalten Frühjahrstag ergibt das einen Ausflug in schönere Gegenden nicht ganz ohne Kribbeln.

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