Im überfüllten Bus in Kairo im Stoßverkehr als notgeiler Mann eine Limone oder eine Citrone in den Hosensack stecken und sich von hinten dicht an eine Frau pressen und schauen, ob sie sich das gefallen lässt. Wenn ja, nun ja. Wenn nein, dann kann das sehr schmerzhaft werden, wenn er an unsere Protagonistin Fayza gerät. Denn sie lässt sich das nicht mehr bieten. Unterstützt wird sie von Seba und Nelly. Die gemeinste Waffe gegen diese Art von Grapscherei, wie es in der deutschen Untertitelung genannt wird, ist eine dünne, spitze Haarnadel im dichten Gewühl im Autobus direkt ins Geschlecht des männlichen Grabschers gestochen. Da liegen sie dann und winden sich und bluten oder müssen gar ins Hospital gebracht werden.
Fayza, die auf einem Amt arbeitet, deren Mann Polizist ist und deren Kinder immerhin auf eine Privatschule gehen können, ist nicht von sich aus auf die Idee gekommen. Seba, eine empanzipierte Frau aus besten Verhältnissen und Galeristin unterrichtet die ägyptischen Frauen in Selbstverteidigung gegen sexuelle Belästigung oder Vergewaltigung in der Ehe. Sie gibt Kurse, auch im Fernsehen. Von ihr kann man solche gefährlichen Nadeln erhalten. Die dritte im Bunde, Nelly, ist eine Comedienne, die in der Show ihres Freundes auftritt. Sie ist die couragierte Frau, die es gewagt hat, als erste in Ägypten einen Mann wegen sexueller Belästigung anzuzeigen.
Die Szene der angezeigten Belästigung ist actionreich, wie der Autofahrer Nelly packt und am fahrenden Auto mitschleift, bis sie sich losreißen kann, vorne auf die Kühlerhaube springt und mit Hilfe von anderen seiner habhaft wird und ihn mit Hilfe ihres Freundes bei der Polizei abliefern kann. Die Anzeige wird publik. Daraufhin will die ganze Verwandtschaft Nelly zum Zurückziehen derselben veranlassen. Denn die Familie empfindet diese Anzeige als eine Schande. Nelly kommt in schwere Konflikte. Der Freund zieht einen sicheren Bankjob den Showauftritten vor, kann sogar aufsteigen, aber heiraten kann er sie nur, glaubt er, wenn sie die Anzeige zurückzieht.
Fayza fühlt sich in ihrer Ehe auch nicht glücklich, hat nie Lust auf Sex. Kann das wenigstens im Bus mit ihren individualanarchistischen Haarnadel-Rachektionen kompensieren. Ein Dutzend Männer hat sie mindestens schon gestochen und ist immer längst ausgestiegen, bis die Passagiere merken, was passiert ist.
Damit der Film jetzt nicht zu einem langweiligen feministischen Plädoyer wird, hat Mohamed Diab, der engagierte Autor und Regisseur, Fayzas Selbstverteidigungsaktionen, die bei Männern nachweisbare Verletzungen erzeugen, zur einer Kriminalgeschichte ausgebaut. Er setzt einen dicken Kommissar, der auch nicht gerade ein perfekter Ehemann ist und den seine schwangere Frau recht wenig interessiert, auf die kriminalistische Fährtensuche nach der Haarnadeltäterin an. Und lässt ihn der Täterin und den beiden anderen Damen auf die Spur kommen.
Wer sich über die Arabellion freut, sich aber zur Tatenlosigkeit verdammt sieht, weil der eine Konflikt, Libyen, militärisch gelöst worden ist, der andere, Syrien, militärisch nicht gelöst werden kann, der könnte hier einen kleinen Beitrag leisten, indem er sich für dieses quicklebendige, muntere, für die Rechte und die Würde der Frau Partei ergreifende ägyptische Kino interessiert und seinen Eintrittsobolus dafür entrichtet. Wer Angst hat vor einem islamischen Fundamentalismus in diesen bewegten Ländern, der kann mit dem Kauf einer Kinokarte ein eindeutiges materielles Zeichen für ein aufklärerisches ägyptisches Kino setzen. Er wird mit einer lebendigen, themenkonzentrierten Geschichte entlohnt, die auch für unsereins recht amüsant ist und wird sicher mehr über Ägypten erfahren als bei einem Tauchurlaub am Roten Meer.