Die Eiserne Lady

Der erste Preis bei diesem Filmprodukt geht an Meryl Streep, Bravo!, die einmal mehr beweist was für eine grandiose, wandlungsfähige Darstellerin sie ist; sie muss den Preis allerdings teilen, nämlich mit Kostüm und Maske, dafür steht eine ganze Latte von Menschen bei IMDb, die könnte man hier jetzt alle mal nennen, genau, das werd ich tun, denn über den Rest dieses vorgeblichen Biopics über die Eiserne Lady Margret Thatcher, ehedem Margret Roberts, mit der sie in ihrer Alterssenilität die Bücher signiert, legt man lieber den Schleier des Schweigens, der ist substantiell in etwa so dünn wie ein Poesiealbum oder eine Regenbogenzeitschrift, die man beim Friseur liest, um die Wartelangeweile zu überbrücken.

Die Bravos für die Kostüme, die schon als solche Frau Margret Thatcher ausgiebig erzählen, gehen an Consolata Boyle und die Bravos für die Maske, die den Rest erzählt: Mark Coulier, Prostetics Designer, Richard Glass, Contact Lens Optician, Barrie Gower, Prostetic Makeup Artist, J. Roy Helland als Hair Stylist und Makeup Artist Ms. Streep, Bravo!, Marese Langan als Hair und Makeup Designer, Zoe Marsden als Prosthetics Painter, Kirsty Mcqueen als Crowd Hair & Makeup Junior, Eva Miller als Prosthetics Coordinator, Stephen Murphy als Prosthetics Make up Artist, Leon Smikle als Apecial Makeup Effects Artist, Malwina Suwinska als Junior Makeup Artist und Emma Slater als Silicon Technician (uncredited). Die saure Zitrone oder was auch immer für das schwächelnde Drehbuch geht an Abi Morgan und die saure Zwillingszitrone für die routinierte, fernsehschnelle und schnittkonfuse Regie geht an Phyllida Lloyd.

In den besten Momenten wird aus Frau Thatcher durch die Darstellung von Meryl Streep (oh, man hätte ihr so gerne ein gutes Drehbuch gewünscht, wie David Seidler für „The King’s Speech“ geschrieben hat), aber da das Drehbuch nur routiniert erfundene Ehe- und Senilitäts- und Grocery-Store-Szenen oder historische Entscheidungsmomente einfältig nachbebildert, hats die Darstellerin viel, viel schwerer; das ist vielleicht der Grund, warum auch ihr Dialekt-Coach Jill McCullough (jedenfalls der einzige der als solcher bei IMDb auftaucht) eher eine Zitrone verdiente, aber das dürfte mit dem lottrigen Drehbuch zusammenhängen, dass die Streep das eingecoachte Englisch immer etwas überprononciert, da sehe ich noch den Coach drin, und der sollte aus der Endproduktion der Sprache verschwunden sein, wie ein tragendes Gerüst nach Beendigung des Kuppelbaus beispielsweise).

Auch das eine Folge das schwachen Drehbuches, dass die Altersbeschwerden von Frau Thatcher wie ausgestellt, wie auf einem Präsentierteller dargestellt werden; wer interessiert sich schon für die Altersbeschwerden von Frau Thatcher oder irgend einer anderen Greisin, und dass sie ihren längst verstorbenen Gatten Denis immer noch bei sich wähnt, dass das auch ständig dargestellt werden muss, das ist nun absolut unergiebig für die Figur Thatcher, das zeigt auch nur, dass Meryl Streep Thatcher kann auch in der dementen Phase, und das wird oft genug in Großaufnahme gezeigt.

Ein bisschen auch ein Auslegeordnungsfilm, das könnte ein aberwitziger, fast Beckettscher Ansatz sein: Frau Thatcher im Nachtgewand am Boden sitzend in Kisten und Tüten voller Vergangenheit wühlend. Aber die Autorin ist bei diesem Ansatz stecken geblieben; hat ihn nur als Anlass benutzt, um auch Archivfootage zum Beispiel aus dem Falkland-Krieg hervorzukramen. Die Autorin Abi Morgan betreibt eine Art Thatcher-Vergangenheits-Clouding.

Tinnef-Film: über Image-Beratung, die Taschenlampe von Maggie beim Stromausfall, die Liebeserklärung, ihr blaues Kleid in der Herrengesellschaft, sie will Leader.

Auch die Musik verdient eine negative Erwähnung, aber was will sie bei so einem Tinnef-Film schon machen, wie will sie einer dramatischen Struktur oder inneren Prozessen Emotion verleihen, wenn eine solche Struktur oder innere Prozesse schon vom Drehbuch her nicht vorgesehen sind.

Der Dialekt-Coach hat immerhin folgendes erreicht, nämlich dass mich Maggie Thatcher an Franz-Josef Strauß erinnert, sie drückt bei manchen Wörtern auf die Stimme, als wolle sie mit Nachdruck ihre Hörer anstoßen oder die Worte wie einen Speer oder Diskus werfen, während Franz Josef-Strauß immer dieses berühmte Wippen von den Füssen aus hatte, beides sind physische Unterstützungsbewegungen für Argumente, wie Stoßbewegungen, Wurfbewegungen.

Was vollkommen fehlt, das ist typsich für notleidende Drehbücher: der Humor. Es gibt Jokes drin, aber die bleiben an der verbalen Oberfläche oder sind gar rassistisch; ob sie wisse, wer Yul Brynner sei, dass er ein Zigeuner aus Wladiwostock war.

Sehr gestelzt der Satz, how do you take your tea, black or white (bei der Szene hatte ich den Eindruck, die haben sie oft gespielt und Streep macht mir am Schluss einen etwas unglücklichen Eindruck, als ob sie mit sich selbst und ihrer Performance nicht zufrieden war).

Der Film ist eine einzige Soloshow von Meryl Streep.
Der Film: eine Kleinmädchendevotionale.
Immerhin: in englischen Personality-Revieren zu jagen, scheint sich für Schauspieler zu lohnen: Colin Firth als King George in „The King’s Speech“, Helen Mirren als „The Queen“ – und jetzt das; Britploitation-Cinema. So dürfte wohl kalkuliert sein, dass auch Streep/Thatcher sich rechnet.

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