Vielleicht ist hier die Ambition der Macher, dem gezeichneten Comic möglichst nahe zu kommen, ihn womöglich zu toppen, mit ihnen durchgegangen. Teils werden auch, besonders am Anfang, comichafte Zeichnungen eingefügt. Der Ehrgeiz schien zu sein, jedes einzelne Bild oder jede einzelne Szene viel näher in die Richtung des Gezeichneten und weg vom Realistischen zu bringen. Aber im Kino kann sich der Zuschauer keine Zeit lassen wie beim Studieren von Zeichnungen in einem Heft. Im Heft oder Buch kann er bei einzelnen Bildern hängen bleiben, kann sich an Details und Kleinigkeiten ergötzen und verlieren, er kann zurückblättern, kann vergleichen, war jetzt diese Figur vom Anfang auch diese von Seite 30? Das geht im Kino nicht. Da braust eine Flut von Comic-Bildern, die zum Teil großartig surrealistisch, manchmal aber auch rein actionhaft sind, über den Zuschauerkopf hinweg und mitten durch die 3-D-Brille ins Hirn hinein. Wobei der 3D-Effekt hier gelegentlich etwas gestottert hat.
Vielleicht haben sich die Macher auch in der Begeisterung für Einzelnes verloren, so dass mir eine Nacherzählung der Handlung schwierig scheint, jedenfalls wird ein Kind entführt vom Bösen und dessen Gruppierung und der Gute und seine Gruppierung befreien es und führen am Ende Mutter und Kind wieder zusammen.
Den guten Engel, den spielt Nicolas Cage, der muss dann oft das Gesicht grausam verziehen, wenn nicht die Maske oder die Computerpostproduktion ihm gleich einen künstlichen Kopf, der wie ein Gemälde von Dali erscheint, aufgesetzt hätte, der ganz schwarz ist, wie die Silhouette eines Pferdekopfes oder Pferdekopfskelettes und der noch dazu Feuer speit und über schier unbesiegbare magische Kräfte verfügt, die aber immer den Bösen wieder genügend Spielraum bieten, damit der Film nicht gleich zu Beginn aus ist nach der rasenden Motorradfahrt auf ein Schloß auf einem Berg irgendwo im Osten Europas – wobei dort ein außerordentlich gepflegtes British English gesprochen wird. Denn die Mönche im Schloß bewahren das Kind auf und glauben es sei dort sicher. Aber nicht lange. Wenns brenzlig wird, verwandelt sich Cage in das Feuerspeiungeheuer, kann mit Kettenwürfen Gegner einfangen oder auf den Geschossen, die sie auf ihn richten, wie auf einem Feuerball reiten oder alles Metall, mit dem er in Konakt kommt, zum Glühen bringen. Die Mutter vom Kind, die in den Befreiungsaktionen mitmischt, ist vor allem eine hübsche Schauspielerin. Das Drehbuch gibt jedoch den Figuren zu wenig Personality, sie haben sich alle dem Diktat und der Begeisterung der Macher, möglichst an den Comic ranzukommen, unterzuordnen. So stellt sich doch die Frage, wozu die ganze Anstrengung.
Die Story fängt übrigens mit voice-over vom Ghost-Rider an und endet dann, nachdem Mutter und Sohn zusammen sind, abrupt wieder so, aber das Heil der Familie ist gerettet. Ein Familienrettungsfilm.
Das Buch stammt von Scott M. Gimple, Seth Hofmann, David S. Goyer (vondiesem ist auch die Story) und für die Regie zeichnen Mark Neveldine und Brian Taylor