Ein riskanter Plan

Ein New-York-Film, für den sich die Stadt nicht schämen muss, aber wofür die Stadt nicht extra berühmt werden wird, nach welchem man aber, wenn man aus dem Kino kommt und am nächsten Hochaus vorbei geht, unwillkürlich nach oben schaut, ob auf einem schmalen Sims hoch oben nicht vielleicht Sam Worthington als Nick Cassidy steht und im Fenster daneben eine blond gefärbte Polizeipsychologin ihm vom Springen abzuhalten versucht.

Was da oben abgeht zwischen den beiden, das ist direkt ein Kammerspiel, ein Zweipersonenstück – und solche haben es nicht leicht im Kino. Aber drum herum gibt’s einiges an Action um einen Juwelendiebstahl, gut im Trend könnte man sagen, so viel darf auch verraten werden, denn es steht in der IMDb schon lange drin, obwohl der Verleih einen Sperrtermin zum Publizieren verhängt hat.

Das ist nicht unbedingt das, was die Exposition erwarten lässt. Die fängt filmhandwerklich gekonnt amerikanisch an, stellt in einigen kurzen Blicken über die Stadt und den Zentralpark klar, dass das Movie in New York spielt, dass der Protagonist – und nur einer der so aus einem U-Bahnschacht ans Tageslicht kommt, kann der Protagonist sein, dass der in dieser Stadt in diesem Haus, was vor hat und zwar hoch oben.

Walker nennt er sich, geht, den Blick nach oben gerichtet von der Metro-Station direkt in die Empfangshalle des Hotels, nennt seinen Namen, er hat ein Zimmer bestellt, begibt sich in dasselbe, gibt dem Hotelangestellten ein Trinkgeld, bestellt sich ein feines Essen, merkwürdigerweise hat er kein Gepäck dabei und merkwürdigerweise wird er auch nicht darnach gefragt, kleine Differenz zur Alltäglichkeitserfahrung.

Er setzt sich kurz an den Tisch, isst einen Happen. Dann steht er auf, begibt sich ans Fenster – und steigt aufs Sims. Er hat einen Mantel an. Was jetzt folgt, das können die Amerikaner auch wunderbar, aber ein bisschen kennt man es auch, wie die ersten Passanten drauf aufmerksam werden, wie der Polizeiapparat in Gang kommt mit Absperrung, wie die Polizeifiguren besetzt und inszeniert sind, das ist alles Routine auf bemerkenswertem Niveau, es tut sich was zwischen den Figuren, es wird der erste Kontakt zum potentiellen Selbstmörder hergestellt, der verlangt innert kürzester Frist eine bestimmte vom Fernsehen bekannte Polizeipsychologin, Elizabeth Banks als Lydia Mercer, sie behauptet in dem Hotelzimmer, das sei jetzt ihr Raum, ihre Show – kleines Kompetenzgerangel hinter den Kulissen – und komplimentiert die anderen Kriminaler raus. Hier fängt das Zweipersonenstück on the edge an, dem wir anfangs gespannt folgen –
und wer sich den Genuss am Film und die Überraschungen nicht nehmen lassen will, der sollte jetzt nicht weiter lesen, denn ich versuche mir gerade klar zu machen, warum mich der Film dann doch nach anfänglich hoch geschraubter Erwartung relativ ungesättigt zurückgelassen hat.

Es dürfte dieses Kammerspiel auf dem Sims sein, das bald auf dieses Kammerspielgleis einfährt und man kann nicht ständig die schier schwindlig machenden Blicke auf die Straße runter zeigen und auch die Menge unten und den Medienaufmarsch, die sind in wenigen Bildern hinreichend abgedeckt, gut hier, das ist originell, der News-Helikopter der Walker fast vom Sims weht. Und wärend man noch damit beschäftigt ist, sich auszudenken, wie sich dieses Zweipersonenstück auf dem Sims noch entwickeln wird, worauf das wohl hinauslaufen dürfte, wird die Luft aus diesem Kammerspiel gewissermaßen rausgelasssen, wie klar wird, dass das alles nur ein Täuschungsmanöver ist, um die Menge, die Medien und die Polizei vom lange geplanten Juewelenraub aus dem Hochhaus gegenüber abzulenken, wie man merkt, dass es hier nur um Zeitgewinn und Ablenkung geht und überhaupt nicht um eine existenzielle Sache.

Es gibt allerdings, kaum ist Walker aufs Sims gestiegen, einen kurzen Rückblick, ein Monat früher in Sing-Sing, dort sass er ein; dann ist sein Vater gestorben und er durfte an die Beerdigung, welche er zum Ausbruch nutzte, eine filmisch leichthändig und schöne gemachte Backgroundinfo.

Im Hochhaus gegenüber feiert übrigens gerade ein Investor und Besitzer des größten Diamanten der Welt ein neues Hochhaus-Projekt, erwartet Presse und Gäste und, auch das tut dem Film eher Abbruch, diese Investorenfigur ist äußerst karikaturhaft besetzt und spielt auch so, das grenzt schon an Kasperltheataer, hilft der Glaubwürdigkeit der Story nicht sonderlich.

Es gibt dann nette Interaktionen zwischen dem Simsspringer und seinem verbandelten Paar, das den Bruch in guter Filmtradition, aber nicht so witzig wie Rififi tätigt, Walker ist mit Kopfhörer und Ansteckmikro mit denen verbunden und wenn die Lärm machen müssen, macht er einen Ansatz zum Springen, dann schreit die Menge auf und übertönt eine allfällige Explosion im Hochhaus gegenüber.
Der Plan verläuft selbstverständlich nicht reibungslos, was zu einem Sich-Überschlagen der Action mit einem nach bewährtem Rezept gestellten Count-Down auf dem Dach führt.

Sollte allerdings die allerletzte Szene als Interpretationshilfe genutzt werden, dann war das Ganze sowieso nur ein Stammtischscherz.

Das Buch hat Pablo F. Fenjves geschrieben, Asger Leth ist der Regisseur.

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