Samson & Delilah

Samson und Delilah sind zwei jugendliche Aborigines, die in den australischen Outbacks ganz abgelegen aufwachsen. Eine Kirche, eine Tankstelle, einige Containerhäuser. Delilah pflegt ihre Oma, Uraltaborigine mit zerfurchtem Gesicht, die aber, wenn man sie aus dem Rollstuhl auf den Boden setzt, noch „native Craft“ herstellen kann, also Farbtupfer auf vorgefertigte Muster auf Papier. Diese buntgemusterten Bilder werden von einem Händler gekauft und an eine Galerie in der Stadt verscherbelt. Dort sieht man sie dann später als große Ureinwohner-Kunst angepriesen und entsprechend ausgestellt. Samson mit Wuschelkopf (vielleicht haben wir uns den Samson mit dem langen Haar aus der Bibel ähnlich vorgestellt) und mit verschlossenem Gesicht wohnt in der Nähe von Delilah. Er sitzt viel rum, beobachtet Delilah, die ihre Oma im Rollstuhl spazieren führt. Oder er sitzt bei einer Band, die übt. Er hat keine Beschäftigung. Und es scheint auch niemanden zu geben, der sich um ihn kümmert. Hin und wieder wird er gewalttätig, einmal tötet er ein Känguruh, zerstört Musikinstrumente von der Band oder buddelt mit bloßen Händen ein wannengroßes Loch in die Erde, das sich sogleich mit schlammigem Wasser füllt. Er nimmt ein Bad darin. Einmal geht er hinter Delilah her, wirft ihr einen Gegenstand nach. Sie tut das gleiche ihm gegenüber auch. Die Oma spricht immer vom Bräutigam. Und lacht sich kaputt. Dann fahren sie mit einem Wagen auf und davon in die nächste größere Stadt. Da gibt’s immerhin ein große Brücke. Unter der landen sie bei einem Obdachlosen. Sie kaufen ein in Tankstellen. Klauen. Fangen an, Benzin zu schnüffeln. Einmal wird Delilah von einer Gruppe junger Männer in einen Wagen gezerrt. Samson, der vor ihr hergegangen ist, bemerkt das erst, wie der Wagen mit Vollgas davon braust. Samson sucht sie. Wie er unter die Brücke zurückkehrt, ist sie auch wieder da mit einem blau angeschwollenen Auge. Sie schnüffeln weiter Benzin. Stromern durch die Stadt. Entdecken die Galerie. Delilah fängt an selbst solche Bilder zu malen. Aber der Galerist zeigt kein Interesse.

Einer bringt sie schließlich ins Dorf zurück. Inzwischen sind beide krank, verletzt, Samson sitzt im Rollstuhl, Delilah hat ein Bein mit einer Schiene eingebunden. Ein Dorfbewohnerin beschimpft sie wegen des Autdiebstahles. Sie fahren in eine entlegene Hütte. Fangen an, sich einzurichten. Setzen ein altes Windrad, das Wasser pumpt, wieder in Gang. Sie wäscht ihn in der Tränke. Sie haben sogar die eine oder andere zärtliche Geste für einander.

Warwick Thornton hat dieses australische Wüstengemälde aus Existenzialismus, Elend und der Suche nach Liebe kommentarlos auf Film gebannt.

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