Den Film würde ich vielleicht schubladisieren unter „Talent“ und mir in erster Linie die Namen Stefan C. Schäfer als Regisseur und als Drehbuchautor zusammen mit Christoph Silber merken und mir sicher anschauen, wenn von denen wieder was auf den Markt kommt. Was mich für den Film, die Hauptrolle spielt der Deutsche Ken Duken, vereinnahmt, ist schon mal, dass er nicht von der Last von irgendwelchen deutschen Filmförderungen oder Fernsehgeldern gebeugt und eingeschnürt daher kommt. Es ist eine einfache, sicher auch recht naiv erdachte Liebesgeschichte. Insofern kaum für ein größeres Publikum geeignet; dazu hätten dann doch die Charaktere genauer studiert und das Thema ganz präzise eingegrenzt werden müssen.
So ist es eine erfundene Liebesgeschichte, die zwar einen realen Hintergrund haben soll. Um ein Kernchen von Wahrheit herum erfindet man Geschichten. Es ist sicher die Drehbucharbeit, die Konstruktion der Geschichte, nämlich die Reduktion auf einen einfachen Handlungsstrang und einen überschaubaren Fächer an Figuren und auch die sehr präzise Arbeit an den Szenen, an den Dialogen und auch das vor der Kamera In-Szene-Setzen, was mir hier gefällt.
Sicher spielt auch die Eitelkeit des deutschen Schauspielers mit, in einem amerikanischen Film eine Hauptrolle spielen zu dürfen. Und so wie Ken Duken sich aufspielt, dürfte er sich gewiss für andere amerikanische Produktionen empfehlen. Aber wie gesagt, das reicht noch nicht aus, einen Kinobesuch zu rechtfertigen. Den deutschen Studenten zumindest wäre es durchaus zu empfehlen, den Film anzuschauen. Vielleicht auch gerade, weil hier sehr standardhaft gearbeitet worden ist, weil sozusagen das Drehbuchskelett noch sehr deutlich zum Vorschein kommt. Aber wie will mans anders lernen.
Ken Duken, der hier Niklas heißt, soll für seine europäische Firma für einen Kurztrip nach New York. Er soll zackig bei einer Firma Stellen streichen. Das ist schnell erledigt. Nun ja, beim Reflektieren fällt mir auf, Ken Duken versucht sich hier zwar fürs Kino zu empfehlen, aber er scheint mir dann doch etwas zu sehr von sich eingenommen, als dass er richtig gründlich die Eigenschaften eines solchen Managers studiert hätte. Er zelebriert mir die Auftritte zu sehr. Das führt zu einer Verlangsamung, die zwar der Rezeption entgegenkommt, indem man sich die Bilder besser merken kann, andererseits aber dann doch auch weg von der Geschichte.
Was von der Geschichte her lustig gedacht ist: er hat in New York vom ersten Moment an seinen Leib- und Magen-Taxifahrer, der immer wieder für ihn da ist und der sich zum Coach in Liebessachen entwickelt. Das ist doch schon was.
Und bevor Duken in der Firma eintrifft, begegnet er Laetizia, der schwarzen Jazz-Sängerin, von der er noch nicht weiß, dass sie bald ein Opfer seiner Rausschmeißaktion werden wird. (das haben wir doch neulich bei Cédric Klapisch gehabt in „Mein Stück vom Kuchen“ – und bei dem Vergleich fällt einem schon auf, wieviel weiter Klapisch in der Kunst des Erzählens doch ist und dass wir es hier mit rechten Anfängern zu tun haben); nichtsdestotrotz: Niklas verliebt sich in sie; sie treffen sich wieder und wieder – obwohl er doch nur einen Tag hat, denn am Abend soll er wieder zurückfliegen. Er möchte sie gleich mitnehmen und in Europa zu einem Star machen, auch die Begründung dafür, das spricht wieder fürs Drehbuch, dass Jazz nämlich in Europa mehr geschätzt würde.
Das ergibt eine Diskussion zwischen den beiden, denn sie möchte nicht weg aus New York. Sie wirft ihm vor, er glaube, er könne mit Geld alles machen und sie müsse verzichten, er sei also nicht bereit, für seine Liebe etwas zu opfern, nun ja, die teure Uhr von seinem Chef Roland, die würde er ihr schenken. Der Dialog wird noch Folgen haben.
Irgendwann kommt Laetizia allerdings dahinter, dass er der Postenkiller ist. Sie hat ihn da schon in der Wohnung, die sie eben erst bezogen hat, weil sie zuhause ausgezogen ist. Der Papa ist Pfarrer. Und der ist die Hauptperson einer flankierenden Liebes-Geschichte.
In ihrer Wohnung kommt Laetizia dahinter, wer Niklas ist. Das lässt sie in die Luft gehen, sie nimmt einen Schuh von ihm und sein Handy und schmeißt die Dinge weg. Das zwingt ihn nun nur mit Hemd, der Hose, einem Schuh und ohne Handy sich in New York auf die Suche nach ihr zu machen.
Ein Freund von ihr schenkt ihm dann noch ein Veilchen, sprich einen Schlag ins Gesicht; da finden sich Kids, die ihm ein feuchtes Tuch geben, das er gegen den Kopf halten kann, nun das sind schon Filmsszenen, die man sich merken kann und die auch die Hilflosigkeit von Niklas schön ausdrücken wie er dann auf einen Schwarzen im Hauseingang gegenüber zugeht und den bittet, ob er einen Handyanruf machen dürfe, wie er also mit dem weißen Tuch gegen den Kopf und nur mit einem Schuh bekleidet auf diesen Typen zugeht und ihm dafür die Uhr schenkt, das ist nicht ohne. Und schön gesetzt.
Positiv fällt mir vielleicht an diesem Film auf, dass die Macher nicht versuchen Dinge zu tun, die sie nicht können, sondern das in Szene setzen, was ihnen plausibel scheint, auch wenn die Geschichte wie erwähnt, durchaus leicht süßlich ist, da sollten sie den Klapisch studieren.
Was mir auch gefällt, die Konkretheit in den Bezeichnungen, die Firma, die Hausadresse, One Battery Park Plaza, die Calvary Church, die Musikbar „Outpost“.
Das Problem mit der Ken-Duken-Rolle ist vielleicht das, dass er sich hier sowohl als Romantiker als auch als knallharter Sanierer präsentieren möchte. Den Widerspruch hätte man genauer unter die Lupe nehmen und zur Profilierung der Figur entschieden einsetzen können.
Thema: der Vater von Laetizia, Pastor Lester Johnson, spricht in der Kirche über Beherztheit – auch das wird später wieder aufgenommen. Und auch „Der Kampf im Dunklen“ ist ein Thema.
Vielleicht passiert die Annäherung zwischen Niklas und Laetizia zu gemütlich, undezidiert- oder sollte damit Unbeherztheit illustrieren; das müsste vielleicht wirklich mehr ein Amour Fou sein, wie ein Blitzschlag.
Das war mir dann too much, dass Ken Duken auch noch das Lied von Matthias Claudius „Der Mond ist aufgegangen „ singen musste/wollte.
Lustig die Kids, die ihn fragen, wie es war, als er geschlagen worden ist.
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Ein kleiner schön gemachter, schnuckeliger Festivalfilm.
Die Orgelimpros beim Gespräch in der Kirche Niklas/Pastor, die sind musikalisch das Treffendste in diesem Film.
Hat auch eine Moral: es geht um Menschen, die Mut beweisen, etwas zu riskieren, wobei diese Moral als Thema in den einzelnen Szenen dann doch stärker und durchgängiger hätte prononciert werden sollen: als das Problem von Ken Duken, da wäre dann der Zwiespalt zwischen Romantiker und Sanierer sehr fruchtbar als ein Motor für die Geschichte einzusetzen gewesen. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal.