Der gestiefelte Kater

Wie sprüht dieser Film doch vor Leben, vor kindgerechter Freiheit und Frechheit, sich bei den Gebrüdern Grimm, beim Western, beim Hiberischen zu bedienen, wie sprüht dieser Film doch vor Spaß, diese animierten Figuren waghalsige Wettrennen mit Kutschen und Pferden liefern zu lassen, Western Saloon Atmosphäre zu zaubern, spanischen Tanz und Rhyhtmus in die Knochen fahren zu lassen. Wie sprüht dieser Film vor Freude, die Geschichte des gestiefelten Katers zu erzählen mit wohlgesetzten Pointen und Gags, so kann auch mal mit einer Degenspitze eine Hose ihres Sitzes beraubt werden. Wie sprüht dieser Film vor Tempo und Action und Witz und dosiert doch alles so, dass man es mitkriegt und nicht von einem Übermaß an Griff in die Computeranimationskiste überrollt wird.

Die Geschichte immer im Vordergrund. Der Kater mit den Stiefeln, die ihm alleweil wieder abhanden kommen, begibt sich auf Rachefeldzug, denn eine Freundschaft aus dem Waisenhaus, die mit dem eikugeligen Humapty Dumpty, die ist, so meint er, zerbrochen und das muss mit den Mitteln der Männlichkeit, des Mutes, des Western und auch der Mantel- und Degenkomödie furchtlos angegangen werden. Und dann ist da noch Kitty Samtpfote in der Zorro-Maske. Die drei finden zusammen und versuchen die Gans zu steheln, die goldene Eier legt.

Die gute Kinostimmung, die sehr an den Spaß früherer Disney-Animationen erinnert, wird zusätzlich angeheizt mit Rhythem aus Western und Tango und weiterer spanischer Tanzmusik. Das Ganze ist in nicht weiter gewöhnungsbedürftigem 3D – die Animierer lernen. Auch wenn die Brille nach wie vor lästig ist und es wirklich interessant wäre, den Film in 2D zu sehen, ob da auch nur ein Deut des Vergnügens weniger wäre, oder ob es sogar noch größer würde.

Jedenfalls fährt einen dieser Film mit einer Rasanz durch den Kopf, dass man sich gar nicht allzu sehr bei der deutschen Synchronisation aufhalten sollte, wobei die vielleicht auch Geschmackssache ist. Bei der Katerstimme von Benno Fürmann, da ist schon viel Schönes dran, auch dieser Akzent, aber ob das die optimale Lösung ist, er ist mir zu eindimensional, die Schlauheit der Figur, der Schalk, das Schelmische wird der Künstlichkeit eines ausländischen Akzentes geopfert.

Und die Eierstimme für Humpty Dumpty von Elton, die hört sich sehr ungeschält an, auch wenn das Ei mal kurz mit Wolkenbart und Schnauz auftaucht. Vielleicht wäre da eine Stimme, die eher einen Kontrast bietet zu einem gepellten Ei witziger gewesen.

Die haben sich bestimmt Mühe gegeben bei der Vertonung, aber meiner Meinung nach ist, was die Charakterisierung der Figuren und die Beherrschung des Spiels mit der Sprache anlangt, deutlich Spielraum übrig, sowohl im Aufwand, was die Suche nach den  Stimmen betrifft als auch im Aufwand, den Charakteren das Optimum an Stimme zu verleihen. Man darf nicht vergessen, dass Kinder den Film, sobald er auf DVD erhältlich ist, bestimmt wieder und wieder anschauen werden; er mithin auf die Sprachbildung Einfluss nimmt.

Aber Bild und Buch sind in diesem Film so stark, so voller Tempo und Abenteuer, dass ohngeachtet der Sprache bestimmt viel gelacht und aufgejuchzt werden wird in den Kinos, die das Glück haben, diesen Film zeigen zu können.

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