London Boulevard

Diesem Film kann ich nun grad gar nichts abgewinnen. Das fängt schon mit der Besetzung der Hauptrolle an. So sehr ich Colin Farrell in „Ondine“ oder in „Fright Night“ mochte, so sehr passt er mir nicht in die Rolle des Ex-Knastis – er sass ein wegen gewalttätiger Auseinandersetzungen, soll aber Rilke gelesen haben – der wieder rauskommt und eigentlich sauber bleiben will, der einen Security-Job bei einem weiblichen Star namens Charlotte, Char (nicht Cher), annimmt, vor allem gegen die Paparazzi.

Char beschäftigt auch noch eine Hausmeisterfigur, der immer in gestelztem Englisch, was wir eher als Schülerverarsche kennen, spricht, weil er eigentlich ein Actor war. Vielleicht sind das alles Hinweise auf andere Filme und auf Kultstücke. Wer die dann aber nicht kennt, der geht hier leer aus. Der Eindruck entsteht, dass hier dezidiert ein schräger Film gemacht werden sollte, auf dass sich die Balken biegen.

Viele übergroße Inserts, sei es auf Stöckelschuhe, die aus der Limousine steigen, sei es in eine Schublade mit Ersatzbrillen, sei es auf die Tabakpfeife mit dem heraushängenden Haar, sei es auf die Kühlerfigur des Rolls Royce oder die Plakate von Char, wenn Farrell im Anzug vorbeigeht, verdeutlichen diese Auffallen-Wollen-Ambition, die gegen den erzählerischen Faden gewirkt ist. Logisch, dass sich zwischen dem Rilke-bewanderten, sensiblen Brutalo-Bewacher Mitchel, wie die Rolle von Colin Farrel hier heißt, und seinem Star, der in einem Londoner Stadthaus malt, wie behauptet wird, so richtig konkret wird das nicht erfahrbar, hier fehlen die überdeutlichen Close-Ups, zu einer Affäre kommen muss.

Doch die Vergangenheit holt Mitchel ein. Er soll noch Jobs für die alten Connections erledigen. Es wird dann sehr, sehr blutig. Und ungewöhnlich soll die Story auch enden. Weil Mitchel früher im Film Mitleid mit dem jungen blonden Fussballer hatte, der einen Bekannten von ihm, der den blinden Bettler spielte, umgebracht hat, vorm Rachetod verschont, wird dieser ihn dann ganz am Schluss erstechen. Der Held wird in seinem Blute liegend das Filmende nicht mehr erleben.

Aber auch diese Geschichte, was soll sie. Die Figuren sind alle gut im Lebenssaft. Gut ausgewählt. Gut geführt. Trotzdem habe ich gerade bei Farrel oft das Gefühl, er sage die Texte nur auf. Ich spüre total die Drehsituation. Dass er halt in diesem Wust aus Licht und Technik und den vielen Leuten hinter der Kamera steht, direkt aus der Garderobe kommend das Erforderliche abliefert. Vielleicht war das ein Film zuviel für Farell. Oder die Idee des Regisseurs, ihn ruhig zu halten, ganz ruhig zu inszenieren, war doch nicht so gut. Sorry, für mich passen Vita und Infos über den Typen, die der Film liefert, nicht zu dem Typen, den Farrell darstellt. Der ist einfach zu sensibel, zu zweifelnd schon von der Physiognomie her. Und seine unbehaarte Brust trägt auch nicht zum Gewalttätigkeitsimage bei. Es kommt mir mehr vor wie ein Spiel, fast wie ein Schülerspiel mit den Versatzstücken des Thriller-Genres.

Zwischen den einzelnen Akten lässt William Monahan, der das Buch geschrieben und die Regie geführt hat, schlagermässig leichte Musik aufspielen, vermutlich auch reizvoll für Leute, die sie kennen und ihre Assoziationen dazu haben. Die Partnerin, den Star, spielt Keira Kneightly. Aber mir scheint dieses Paar Kneightly/Farrell nicht richtig zu funktionieren.

Colin Farrell läuft oft im Anzug rum. So sieht er einfach sowas von brav aus, wenn er dann auch noch zu großer Regunglosikgeit verdonnert ist. Mir ist nicht klar, was die Absicht hinter diesem Film war. Das Genre aufzumischen, es in der Art eines Straßengraffitis, eines Murals zu überhöhen und etwas auf die Schippe zu nehmen, oder lediglich mir irgendwie nicht zugänglichen britischen Humor zu zelebrieren. Vielleicht ist die Absicht eine Insiderlustige.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert